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Brussels Governance Monitor
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Vorgezogene Regionalwahlen

Nahezu unmöglich
Kürzlich überprüft · 6. Feb. 2026

Mechanismus

Die Bundeskammer der Abgeordneten stimmt mit Zweidrittelmehrheit für die Auflösung des Brüsseler Parlaments und die Organisation von Neuwahlen auf Regionalebene. Der König legt anschließend das Datum der Abstimmung fest.

Wer kann dies auslösen

Die Abgeordnetenkammer (Bundesparlament) — Zweidrittelmehrheit erforderlich

Zeitrahmen

Mehrere Jahre

Rechtsgrundlage

Artikel 117 der belgischen Verfassung — die Regionalparlamente haben eine feste Amtszeit von 5 Jahren. Artikel 46 (Auflösung) gilt nur für das Bundesparlament. Nur eine Zweidrittelmehrheit in der Bundeskammer könnte vorgezogene Regionalwahlen auslösen.

Risiken

  • Das Brüsseler Parlament kann sich nicht selbst auflösen — es hat eine feste Amtszeit von 5 Jahren
  • Erfordert eine Zweidrittelmehrheit in der Bundeskammer — eine nahezu unerreichbare Schwelle
  • Neuwahlen würden wahrscheinlich ähnliche Ergebnisse hervorbringen, ohne die Blockade zu lösen
  • Kein Präzedenzfall in der belgischen Geschichte für die Auflösung eines Regionalparlaments
  • Bundeseinmischung in regionale Angelegenheiten — wird als Eingriff in die Autonomie wahrgenommen

Warum diese Option diskutiert wird

Angesichts der politischen Sackgasse in Brüssel (über 600 Tage ohne Regierung) bringen einige Beobachterinnen und Beobachter die Möglichkeit von Neuwahlen auf Regionalebene ins Spiel. Die Idee: Wenn die derzeitigen Parteien sich nicht einigen können, soll die Frage den Wählerinnen und Wählern vorgelegt werden.

Das verfassungsrechtliche Hindernis

Das Brüsseler Parlament kann nicht aufgelöst werden. Dies ist eine fundamentale verfassungsrechtliche Regel.

Was die Verfassung besagt

  • Artikel 117: Die Mitglieder der Gemeinschafts- und Regionalparlamente werden für eine Amtszeit von 5 Jahren gewählt, zeitgleich mit den Europawahlen
  • Artikel 46 (Auflösung): gilt ausschließlich für die Bundeskammer, nicht für die Regionalparlamente
  • Das Sondergesetz vom 12. Januar 1989 über die Brüsseler Institutionen bestätigt diese Regel

Der einzige theoretische Weg

Die Abgeordnetenkammer (Bundesparlament) könnte theoretisch die Auflösung des Brüsseler Parlaments beschließen. Diese Maßnahme würde jedoch eine Zweidrittelmehrheit erfordern — eine Schwelle, die für diese Art von Entscheidung in der belgischen Geschichte nie erreicht wurde.

Kein Präzedenzfall

Kein belgisches Regionalparlament wurde jemals vorzeitig aufgelöst:

  • Flandern: nie aufgelöst
  • Wallonien: nie aufgelöst
  • Brüssel: nie aufgelöst
  • Bundesebene: Auflösung 2010 (über eine Erklärung zur Verfassungsrevision — ein auf die Regionen nicht anwendbarer Mechanismus)

Warum Neuwahlen wahrscheinlich nichts lösen würden

Die Brüsseler Blockade ist kein Wahlunfall — es handelt sich um ein strukturelles Problem:

  1. Doppelte sprachliche Mehrheit: Jede Brüsseler Regierung muss eine Mehrheit in der frankophonen Gruppe (72 Sitze) UND in der niederländischsprachigen Gruppe (17 Sitze) erreichen
  2. Zersplitterung: Die Ergebnisse vom Juni 2024 (MR 20, PS 16, PTB 15, Les Engages 8) spiegeln tiefe ideologische Gräben wider
  3. Gegenseitige Vetos: Die PS lehnt jede Koalition mit der N-VA ab; die flämischen Parteien betrachten die N-VA als unverzichtbar
  4. Neuwahlen würden aller Voraussicht nach die gleichen Kräfteverhältnisse reproduzieren

Welche Alternativen es gibt

Verfassungsrechtlerinnen und Verfassungsrechtler, die die Brüsseler Blockade untersucht haben, haben andere Wege identifiziert:

  • Bürgerversammlung (irisches Modell 2012-2016) zur Überwindung der Verhandlungsblockade
  • Technokratische Regierung oder Expertenregierung
  • Bundesintervention (Artikel 45 des Sondergesetzes — der Ministerrat kann Brüsseler Verordnungen per königlichem Erlass aussetzen), was jedoch einen beispiellosen Verlust regionaler Autonomie bedeuten würde

Zusammenfassung

Neuwahlen sind eine instinktive Lösung, aber verfassungsrechtlich nahezu unmöglich und politisch unwirksam. Das Brüsseler Problem lautet nicht "wer gewählt wurde", sondern "wie sich in einem System mit doppelter sprachlicher Mehrheit und tiefen ideologischen Gräben eine Regierungsmehrheit bilden lässt".

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