Arbeitslosenquote: Brüssel im Vergleich zu anderen EU-Hauptstadtregionen
Regionale Arbeitslosenquote
| Einheit | Wert | Datum |
|---|---|---|
| BE10 | 12,7 % | 31. Dezember 2024 |
| AT13 | 7,8 % | 31. Dezember 2024 |
| DE30 | 8,6 % | 31. Dezember 2024 |
| FR10 | 7,3 % | 31. Dezember 2024 |
| NL32 | 3,6 % | 31. Dezember 2024 |
| BE10 | 12,4 % | 30. Juni 2025 |
| AT13 | 7,5 % | 30. Juni 2025 |
| DE30 | 8,9 % | 30. Juni 2025 |
| FR10 | 7,1 % | 30. Juni 2025 |
| NL32 | 3,4 % | 30. Juni 2025 |
Methodik
Vergleich der regionalen Arbeitslosenquoten (Bevölkerung 15–74 Jahre) auf NUTS-2-Ebene, auf Grundlage der von Eurostat harmonisierten Arbeitskräfteerhebung (AKE/LFS). Die Daten umfassen die Hauptstadtregionen von fünf ausgewählten Ländern. Die Vergleichbarkeit wird durch den gemeinsamen methodischen Rahmen der AKE gewährleistet, allerdings unterscheiden sich die Arbeitsmarktstrukturen (öffentliche Beschäftigung, Industriestruktur, Saisonalität) erheblich von Region zu Region.
Vergleichbarkeitsgrenzen
Die NUTS-2-Abgrenzungen entsprechen nicht immer den tatsächlichen Beschäftigungsräumen. Die Region Brüssel-Hauptstadt (BE10) ist eine kompakte Region von 161 km², die den funktionalen Stadtraum ausschließt, im Gegensatz zu Île-de-France (12 012 km²) oder Noord-Holland (2 670 km²). Die Brüsseler Arbeitslosenquote wird zudem durch spezifische strukturelle Faktoren beeinflusst: sprachliche Diskrepanz zwischen Arbeitskräfteangebot und -nachfrage, Konzentration gering qualifizierter Bevölkerungsgruppen im städtischen Kern und Konkurrenz durch flämische und wallonische Pendler um lokale Arbeitsplätze.
Kontext
Die Arbeitslosenquote ist einer der am meisten beachteten Indikatoren zur Bewertung der wirtschaftlichen Lage einer Region. Innerhalb der Europäischen Union harmonisiert Eurostat die Daten über die Arbeitskräfteerhebung (AKE), die einen Vergleich auf NUTS-2-Ebene ermöglicht — der statistischen Ebene, die in der Regel den Hauptstadtregionen entspricht.
Die verglichenen Daten
Von den fünf ausgewählten Hauptstadtregionen weist die Region Brüssel-Hauptstadt mit 12,7 % Ende 2024 die höchste Arbeitslosenquote auf. Diese Quote liegt etwa 1,5-mal höher als in Wien (7,8 %) und Berlin (8,6 %) und ist mehr als dreimal so hoch wie in Noord-Holland (3,6 %).
Île-de-France hält trotz einer Bevölkerung von über 12 Millionen Einwohnern eine relativ niedrige Quote (7,3 %), was teilweise auf die Vielfalt des Wirtschaftsgefüges und die Einbeziehung suburbaner Gebiete in den NUTS-2-Perimeter zurückzuführen ist.
Der Brüsseler Fall
Die hohe Arbeitslosenquote der Region Brüssel-Hauptstadt erklärt sich durch eine Kombination struktureller Faktoren:
- Sprachliche Diskrepanz: Viele Stellenangebote verlangen Französisch-Niederländische Zweisprachigkeit, während ein erheblicher Teil der Brüsseler Arbeitssuchenden frankophon oder anderssprachig ist.
- Pendlereffekt: Etwa 360 000 Personen arbeiten in Brüssel, ohne dort zu wohnen, und besetzen einen erheblichen Anteil der qualifizierten Stellen.
- Städtische Konzentration: Die geografische Kompaktheit der Region (19 Gemeinden, 161 km²) konzentriert gering qualifizierte Bevölkerungsgruppen ohne den Verdünnungseffekt größerer NUTS-2-Regionen.
- Regierungskrise: Das Fehlen einer voll handlungsfähigen Regierung seit Juni 2024 legt die aktive Beschäftigungspolitik und die Investitionen in die Berufsbildung auf Eis.
Grenzen des Vergleichs
Die NUTS-2-Nomenklatur erzeugt sehr heterogene geografische Einheiten. Brüssel-Hauptstadt ist eine der kleinsten NUTS-2-Regionen der EU, während Île-de-France oder Noord-Holland weitaus größere Gebiete einschließlich ländlicher und stadtnaher Zonen umfassen. Dieser Unterschied im Perimeter beeinflusst die sozioökonomischen Indikatoren auf mechanische Weise.
Quellen
- Eurostat, Arbeitskräfteerhebung — Arbeitslosenquote nach NUTS-2-Region (lfst_r_lfu3rt), Daten extrahiert im Januar 2026
- IBSA (Brüsseler Institut für Statistik und Analyse), Brüsseler Arbeitsmarkt — Jahresbericht 2025
- Actiris, Statistischer Jahresbericht 2025
Quelle: Eurostat — lfst_r_lfu3rt
Zuletzt aktualisiert: 7. Februar 2026