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Brussels Governance Monitor

Soziales: 10M für Bahnhöfe, Drogenbeauftragter, geschützte Dienste

Laufend

Dieses Dossier verläuft im aktuellen Rahmen normal.

BGM-Schätzung
Aktuell ·

Die DPR sieht 10M EUR für die Sicherung der Bahnhöfe Midi und Nord vor, einen regionalen Drogenbeauftragten und den Schutz der Sozialdienste. Die Sicherheitsrolle des Ministerpräsidenten wird gestärkt. Kanal gerettet (60M EUR).

SeniorenPRM / BehinderungJugendFamilienNeuankömmlingeObdachloseGenderLebenshaltungskostenPrekarität
Kurz gefasst (leichte Sprache)

Die neue Regierung investiert in die Sicherheit der Bahnhöfe und richtet einen Drogenbeauftragten ein. Die Dienste für Obdachlose und Menschen in Schwierigkeiten werden geschützt.

Schluesselzahlen

Vorläufige Zwölftel

COCOM-Finanzierung

47 304zum 01.01.2025 (Brüssel) — > Flandern 45 616 trotz 5× kleinerer Bevölkerung

Bezieher des Eingliederungseinkommens

23%Brüssel — vs 7 % Flandern, 13 % Wallonien (innerhalb der statistischen Fehlermarge gg. 28 % 2023)

Armut (monetäres Risiko)

~7%vs 3 % 2002 ; >1 Erwachsener/10 in Sint-Jans-Molenbeek und Sint-Joost

Eingliederungseinkommen — Anteil 18-64 Jahre

55 572Haushalte (+78 % in 15 Jahren, Wartezeiten > 10 Jahre)

Sozialwohnungen — Warteliste

Regierungsabkommen: Angekündigte Maßnahmen

Das Abkommen vom 12. Februar 2026 enthält querschnittliche soziale und sicherheitspolitische Maßnahmen:

  • 10 Millionen EUR für die Sicherung der Bahnhöfe Midi und Nord (Kameras, Polizei, Reinigung, Betreuung von Menschen in prekären Situationen)
  • Regionaler Drogenbeauftragter: Schaffung einer eigenen Funktion
  • Schutz der Sozialdienste: Obdachlosenhilfe, Suchtbetreuung, Begleitung bestätigt
  • Verstärkte Sicherheitsrolle des Ministerpräsidenten
  • Kanal gerettet: 60 Millionen EUR für die Eröffnung des Museums für zeitgenössische Kunst (ehemalige Citroen-Garage). Das jährliche Betriebsbudget wird degressiv sein, mit einer Verpflichtung zur Erschließung eigener Einnahmen

Offene Punkte: Die Einzelheiten zur COCOM (bikommunale Gesundheit) sind noch nicht veröffentlicht, und die Gesundheitskürzungen werden noch verhandelt. Der Druck auf die ÖSHZ durch die Arbeitslosenreform (>1 Milliarde EUR kumuliert) muss vom neuen Haushaltsrahmen aufgefangen werden.

Chancengleichheit (DPR, Kapitel 12)

Die DPR widmet der Chancengleichheit und der Bekämpfung von Diskriminierung ein eigenes Kapitel:

  • Gender Mainstreaming: Integration der Geschlechterdimension in alle regionalen Politikbereiche
  • Anti-Diskriminierungsplan: regionaler Plan zur Bekämpfung von Diskriminierung, einschließlich eines Testing-Verfahrens
  • Testing Wohnungsdiskriminierung: Kontrollmechanismus für diskriminierende Praktiken auf dem Mietmarkt
  • LGBTQI+-Aktionsplan: spezifischer regionaler Plan
  • Handistreaming: Integration der Behinderungsdimension in alle Politikbereiche (über das Dossier Barrierefreiheit hinaus)

Diese Verpflichtungen sind in der DPR festgeschrieben, aber noch nicht durch Verordnungen oder Durchführungserlasse umgesetzt worden.

Gesundheit und Prävention (DPR, Kapitel 11)

Die DPR sieht ergänzende Gesundheitsmaßnahmen vor:

  • Médibus : mobiler Gesundheitsbus, um versorgungsferne Bevölkerungsgruppen in unterversorgten Vierteln zu erreichen
  • Health in All Policies (HIAP) : Integration der Gesundheitsdimension in alle regionalen Politikbereiche (Städtebau, Mobilität, Wohnungswesen)
  • Nahrungsmittelhilfe : regionale Strukturierung der Nahrungsmittelhilfe mit einem koordinierten Rahmen für lokale und gemeinnützige Initiativen

Diese Verpflichtungen sind in der DPR festgeschrieben, aber noch nicht durch Durchführungsmaßnahmen umgesetzt worden.

Arbeitslosenreform: Auswirkungen auf die Brüsseler ÖSHZ

Worum geht es?

Seit dem 1. Januar 2026 sind die Arbeitslosenleistungen in Belgien auf maximal zwei Jahre begrenzt. Personen, die diese Schwelle überschreiten, verlieren ihren Anspruch. Die Maßnahme wird in drei Wellen umgesetzt:

  • 1. Januar 2026: Personen mit mehr als 20 Jahren Inaktivität
  • 1. März 2026: Personen mit 8 bis 20 Jahren Inaktivität
  • 1. April 2026: Personen mit 2 bis 8 Jahren Inaktivität

Insgesamt verlieren 185 700 Personen zwischen Januar 2026 und Juli 2027 in Belgien ihre Leistungen. In der Region Brüssel-Hauptstadt sind etwa 42 000 Personen betroffen (Schätzung Actiris, kumuliert Jan. 2026 – Jul. 2027).

Was geschieht mit den ausgeschlossenen Personen?

Die Bundesregierung hat die Reform auf der Annahme budgetiert, dass ein Drittel der Ausgeschlossenen Arbeit finden würde, ein Drittel zum ÖSHZ (Eingliederungseinkommen) wechseln und ein Drittel über ausreichende Mittel verfügen würde (Partner, Ersparnisse). Mehrere Quellen widersprechen dieser Projektion:

  • Nationalbank Belgiens: Die Rückkehr in die Arbeit betrifft 10 bis 20 % der Ausgeschlossenen, nicht 33 %
  • Vivalis (Studie auf Basis der BKSZ-Daten, März 2025): Von 24 700 Ausgeschlossenen unter 55 Jahren würden 21 % Arbeit finden, 32 % zum ÖSHZ wechseln, 42 % ohne identifizierbares Einkommen bleiben und 5 % in die Kranken-Invaliditätsversicherung übergehen
  • Rechnungshof (Februar 2026): Die Regierungsannahme wird als „nicht sehr realistisch" eingestuft; der Anteil, der zum ÖSHZ wechselt, ist „wahrscheinlich unterschätzt"
  • Präzedenzfall 2015 (Begrenzung der Eingliederungszulagen): 72 % der Ausgeschlossenen hatten nach 6 Monaten keine Arbeit gefunden

Brüssel besonders exponiert

Brüssel macht etwa 10 % der belgischen Bevölkerung aus, würde aber ein Drittel der Eingliederungseinkommensempfänger und ein Drittel der Personen ohne Einkommen aus der Reform konzentrieren (Vivalis). Die Zahl der Eingliederungseinkommensempfänger in Brüssel betrug 2024 bereits 46 911 im Jahresdurchschnitt (BISA), ein Anstieg von 12 % seit 2020. Die am stärksten betroffenen Gemeinden sind Saint-Josse-ten-Noode, Molenbeek-Saint-Jean, Saint-Gilles und die Stadt Brüssel, wo fast 4 % der Bevölkerung betroffen sind.

Abweichende Daten: warum die Zahlen nicht übereinstimmen

Die ersten offiziellen Daten des ÖPD Soziale Eingliederung zeigen, dass sich 20 bis 27,5 % der im Januar Ausgeschlossenen an das ÖSHZ gewandt haben. Die ÖSHZ vor Ort berichten jedoch von Vorstellungsraten am Schalter von 40 bis 50 %, in Brüssel sogar darüber. Der Unterschied erklärt sich durch die Art der Daten: Die ÖPD-Zahlen erfassen administrativ registrierte Akten (Zahlungs- oder Erfassungsdaten), während die ÖSHZ die Personen zählen, die sich am Schalter melden, einschließlich laufender oder ausstehender Fälle. Die Frist zwischen Antrag und Erfassung beträgt mehrere Wochen.

Der blinde Fleck: die Nicht-Inanspruchnahme

Ohne systematische Kreuzung der Datenbanken (LfA, LSS, Krankenkassen, ÖSHZ) über die Zentrale Datenbank der Sozialen Sicherheit (BKSZ) ist es unmöglich festzustellen, was mit Personen geschieht, die sich nicht beim ÖSHZ melden: Beschäftigung, Schwarzarbeit, finanzielle Abhängigkeit von Angehörigen, Wegzug aus dem Land oder Nicht-Inanspruchnahme von Rechten. Die Nicht-Inanspruchnahme sozialer Rechte in Brüssel ist ein strukturelles Phänomen, das von Vivalis bereits 2016 in einem thematischen Bericht über soziale Unterbeschützung in der Region Brüssel dokumentiert wurde. Die Vivalis-Studie von 2025 ist die einzige, die die BKSZ-Daten gekreuzt hat, um die Verläufe der ausgeschlossenen Brüsseler zu projizieren; sie schätzt, dass 42 % der Ausgeschlossenen unter 55 Jahren ohne jegliches identifizierbares Einkommen verbleiben würden.

Haushaltsauswirkungen

Die Bundesregierung hat 300 Millionen EUR Kompensation für die ÖSHZ im Jahr 2026 vorgesehen. Laut Rechnungshof würde dieser Betrag die Bedürfnisse für 2026 abdecken, sich aber für die Folgejahre als unzureichend erweisen, mit geschätzten Ausgaben von 709 Millionen EUR im Jahr 2029. Die kumulativen Kosten für alle belgischen ÖSHZ werden auf 631 Millionen bis über eine Milliarde EUR über die Legislaturperiode geschätzt.

Quellen: LfA; ÖPD Soziale Eingliederung; Vivalis (März 2025); Rechnungshof (Feb. 2026); UVCW; BISA; RTBF (März 2026).

Spannungen vor Ort (März 2026)

Die zweite Ausschlusswelle (1. März 2026, Personen mit 8 bis 20 Jahren Inaktivität) verursacht einen wachsenden Zustrom zu den Brüsseler ÖSHZ. Die Gemeinden prangern eine föderale Reform an, die „ungenau ist und unzureichende Mittel" bereitstellt, um die vom Arbeitslosengeld ausgeschlossenen Personen aufzufangen.

Am 25. März 2026 hat eine Person einen Sicherheitsbeamten des ÖSHZ Anderlecht sowie zwei Polizeibeamte der Zone Brüssel-Süd angegriffen. Das ÖSHZ wurde am Nachmittag des 25. März geschlossen. Dieser Vorfall veranschaulicht den zunehmenden Druck auf die kommunalen Sozialdienste, die mit einem Zustrom von Antragstellern konfrontiert sind, ohne dass Personal oder Sicherheitsmittel verhältnismäßig verstärkt wurden.

Es laufen rechtliche Anfechtungen der föderalen Reform vor dem Staatsrat.

Institutionelle Erinnerung: Die Begrenzung der Arbeitslosenleistungen ist eine Maßnahme der Bundesregierung. Die ÖSHZ, die den Gemeinden unterstehen, müssen die ausgeschlossenen Personen auffangen, ohne Einfluss auf die föderale Beschäftigungspolitik zu haben. Die Brüsseler Regionalregierung hat keine direkte Zuständigkeit für die Arbeitslosenleistungen, trägt aber die Auswirkungen über ihre ÖSHZ und Sozialdienste.

Drogenkonsum: Brüssel kein „Crack-Epizentrum" (März 2026)

Am 11. März 2026 veröffentlichte Sciensano die erste landesweite Kartierung des Drogenkonsums auf Basis der Abwasseranalyse (17 Kläranlagen, 111 Gemeinden, 28 % der Bevölkerung, Proben vom 24. bis 30. März 2025).

Ergebnisse für Brüssel:

  • Brüssel ist nicht das Crack-Epizentrum — entgegen dem vorherrschenden Mediennarrativ. Die Kläranlage Antwerpen-Süd verzeichnet die höchsten Crack-Konzentrationen, gefolgt von Charleroi, Namur und Arlon
  • Crack wurde in 11 der 17 Kläranlagen nachgewiesen, in allen drei Landesregionen
  • 27 % der Suchtbehandlungen in Brüssel erwähnen Crack (gegenüber 15 % in Wallonien und 6 % in Flandern)
  • Bei Kokain (zu unterscheiden von Crack) liegt ebenfalls Antwerpen-Süd an der Spitze, mit Brüssel-Nord an zweiter Stelle

Diese Daten relativieren das Bild Brüssels als „Crack-Hauptstadt" erheblich. Laut Sciensano gibt es kein typisches Profil des Drogenkonsumenten. Die Überwachungskampagne wird 2026 fortgesetzt.

Quellen: Sciensano; BX1, RTBF, La Libre, DH (11. März 2026).

Prekarität: Mini-Bru IBSA 2026

Das Mini-Bru 2026 bestätigt die strukturelle Prekarität in Brüssel:

IndikatorBrüssel (2024)Belgien
Armutsrisiko26,3 %
AROPE (Armuts- oder Ausgrenzungsgefährdung)37,3 %
Eingliederungseinkommensempfänger (18-64)45 576
Anteil Bevölkerung 18-64 beim ÖSHZ5,6 %
GRAPA (Einkommensgarantie für ältere Personen)23 503
Erhöhte Erstattung Gesundheitskosten352 839 (28,2 %)

Mehr als jeder dritte Brüsseler (37,3 %) ist von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht (AROPE) — die höchste Quote der drei Regionen.

Quelle: BISA Mini-Bru 2026 (EU-SILC, Statbel, BKSZ, Daten 2024).

Subventionierte Vertragsbedienstete (ACS)

Der ACS-Mechanismus finanziert rund 10 000 Stellen im Brüsseler Non-Profit-Sektor (~6 700 aktiv), mit einem Budget von ~250 Millionen EUR/Jahr. Seit 2007 wurden keine neuen Stellen geschaffen. Am 3. Februar 2026 demonstrierte der Non-Profit-Sektor für eine Refinanzierung. Die DPR sieht die Fortsetzung der 2015 begonnenen Reform vor.

Quelle: Actiris / DPR, 2026.

Sozial-Gesundheitspaket Notfall (19. März 2026)

Der Ministerrat vom 19. März 2026 hat ein Bündel von Notmaßnahmen für Obdachlose genehmigt, getragen von den Ministern Laaouej (PS) und De Smedt (Anders):

Unterbringung — 325 Plätze gesichert:

  • Marie-Curie I (Anderlecht): 185 Plätze verlängert bis zum 30. Juni 2026 (davon 73 Kinder)
  • Evere: 40 Plätze beibehalten bis Ende 2026
  • Schaerbeek: 60 Plätze beibehalten bis Ende 2026
  • 40 neue Plätze in semi-autonomen Wohnungen für Familien

Diese Plätze waren von einer Schließung zum 31. März 2026 bedroht.

Gesundheit — Neustart Team Cover:

  • Betreuung von ~2.000 Personen an 50 prekären Standorten (Squats, Metrostationen)
  • Sanitäre Straßenrundgänge in der Metro wieder aufgenommen
  • Das Team Cover war nach der Schließung des Zentrums Athéna ausgesetzt worden

Zugang zur Versorgung — temporäres RMP-Dispositiv:

  • Partnerschaft Rotes Kreuz + Ärzte ohne Grenzen
  • Medizinische Versorgung von Personen ohne Krankenversicherung

Quellen: RTBF / Belga, BRUZZ (19.-20. März 2026).

Bürgerbeteiligung

Das Brüsseler Parlament hat zwischen 2021 und 2024 sechs deliberative Kommissionen durchgeführt, darunter eine zur Obdachlosigkeit (2021, ~35 Empfehlungen). In mehreren Gemeinden gibt es Bürgerhaushalte. Der AGORA-Mechanismus (permanente Bürgerversammlung für Klimafragen) ist seit 2024 inaktiv.

Quelle: Brüsseler Parlament, 2021-2026.

Vivalis-Sozialbarometer 2025 (15. April 2026)

Am 15. April 2026 veröffentlicht das Observatorium für Gesundheit und Soziales (Forschungsdienst von Vivalis) den Sozialbarometer 2025 — Referenzbericht zur Lage der Armut und der sozialen Gesundheitsungleichheiten in der Region Brüssel-Hauptstadt.

Monetäre Armut: 23 % der Brüsseler Bevölkerung sind armutsgefährdet, gegenüber 7 % in Flandern und 13 % in Wallonien. Der scheinbare Rückgang gegenüber 2023 (28 %) bleibt innerhalb der statistischen Fehlermarge.

Eingliederungseinkommen (RIS): 47 304 Bezieher zum 1. Januar 2025 — mehr als in Flandern (45 616) trotz einer fünfmal kleineren Bevölkerung; Wallonien zählt 77 207. Bei den 18-64-Jährigen ist der Anteil der Bezieher von 3 % im Jahr 2002 auf fast 7 % im Jahr 2025 gestiegen. In Sint-Jans-Molenbeek und Sint-Joost erhält mehr als jeder zehnte Erwachsene das Eingliederungseinkommen.

Geographie der Armut: sechs der zehn einkommensschwächsten Gemeinden Belgiens liegen in Brüssel — Sint-Joost, Sint-Jans-Molenbeek, Anderlecht, Koekelberg, Schaerbeek und Brüssel-Stadt. Innerhalb der Region variieren die Armutsquoten zwischen den Gemeinden um den doppelten bis dreifachen Wert.

Kinder: 1 Brüsseler Kind von 3 lebt in Armut.

Wohnen — am stärksten verschlechterter Indikator:

  • 55 572 Haushalte auf der Warteliste für eine Sozialwohnung (+78 % in 15 Jahren), Wartezeiten oft über 10 Jahre
  • 24 % der Brüsseler leben in ungesunden Wohnungen
  • 30 % in überbelegten Wohnungen (darunter 50 % der Haushalte mit Kindern)
  • Die 2 % ärmsten Haushalte verwenden über 50 % ihres Einkommens für die Miete, sodass ihnen rund 10 € pro Person und Tag zum Leben bleiben

Besonders gefährdete Gruppen:

  • ~50 000 Menschen ohne Aufenthaltstitel (≈ 4 % der Bevölkerung)
  • 9 777 obdachlose oder prekär untergebrachte Personen (Bruss'Help-Zählung, Nov. 2024), +25 % in zwei Jahren

Gesundheitsungleichheiten:

  • Lebenserwartungslücke von rund 5 Jahren zwischen den wohlhabendsten und den ärmsten Gemeinden
  • Diabetes dreimal häufiger bei den 20 % Ärmsten
  • 1 Brüsseler von 5 zeigt Symptome von Angst oder Depression

Quellen: RTBF — Die Prekarität in Brüssel steigt, Sozialbarometer-Indikatoren (15. April 2026); Vivalis — Observatorium für Gesundheit und Soziales. Vertrauen: official.

Studenten mit Eingliederungseinkommen (15. April 2026)

Am 15. April 2026 veröffentlicht BRUZZ auf Grundlage der Daten des ÖPD Soziale Eingliederung die Zahl der volljährigen Studenten, die ihr Studium mit einem vom ÖSHZ (OCMW/CPAS) zugesprochenen Eingliederungseinkommen (RIS) fortsetzen:

RegionStudenten mit Eingliederungseinkommen
Brüssel14 246
Flandern10 064
Wallonien18 421

Brüssel zählt damit mehr Studenten mit Eingliederungseinkommen als ganz Flandern, obwohl die Bevölkerung etwa fünfmal kleiner ist — direkte Folge der Armutskonzentration in der Region (siehe Sozialbarometer 2025 oben). In Flandern ist die Zahl der Studenten mit Eingliederungseinkommen in fünf Jahren um +14 % gestiegen (Gent: 1 203 ; Mechelen: 584 ; Antwerpen: 546).

Institutionelle Erinnerung: Das vom ÖSHZ zugesprochene Eingliederungseinkommen beträgt derzeit 1 340 € pro Monat für eine Alleinstehende Person. Volljährige Studenten ohne familiäre Unterstützung können Anspruch haben, unter Vertrag mit Anforderungen an den Studienfortschritt (Arbeitsstunden, Begleitung durch eine Sozialarbeiterin). Die Leistung kann ausgesetzt werden, wenn der Werdegang nicht voranschreitet.

Quelle: BRUZZ — Brüssel zählt mehr Studenten mit Eingliederungseinkommen als ganz Flandern (15. April 2026). Vertrauen: official (Daten des ÖPD Soziale Eingliederung).

Iriscare: 130 Genesungsplätze (April 2026)

Iriscare (GGK) hat am 1. April 2026 einen Projektaufruf für die Schaffung von 130 Genesungsbetten in der Region Brüssel-Hauptstadt gestartet (Frist: 15. Mai 2026). Ziel ist der Aufbau eines strukturierten Zwischenangebots zwischen Krankenhaus und Zuhause, das in Brüssel bisher nicht existiert.

Finanzierung: Kofinanzierung LIKIV (28,40 EUR/Tag/Patient, Standardkonvention) + Iriscare (Betriebskosten). Regionales Budget: 250 000 EUR (1 923 EUR/Bett/Jahr).

Ziele: Verbesserung der Kontinuität der Versorgung Krankenhaus-Zuhause, Verkürzung verlängerter Krankenhausaufenthalte, Bereitstellung einer qualitativen Alternative zur Rehabilitation.

Institutionelle Erinnerung: Iriscare ist eine Einrichtung der GGK (Gemeinsame Gemeinschaftskommission), zuständig für Gesundheit und Sozialhilfe auf dem zweisprachigen Gebiet Brüssel-Hauptstadt.

Quelle: Iriscare, 1. April 2026. Vertrauen: official.

Iriscare: Bestandsaufnahme des Pflegebedarfs in den Pflegeheimen (8. April 2026)

Am 8. April 2026 hat Iriscare die ersten Ergebnisse einer Umfrage bei den 118 Brüsseler Pflegeheimen veröffentlicht — das ist der gesamte Bestand, der von der GGK anerkannt ist. Die Fragebögen wurden von den leitenden Pflegekräften ausgefüllt, den ersten Akteuren mit einem Gesamtblick auf die Bedürfnisse der Bewohner.

Wichtigste Feststellung: Die Pflegebedarfe diversifizieren und werden komplexer. Die Bewohner weisen immer häufiger Kombinationen aus psychischen Störungen, kognitiven Störungen, Abhängigkeiten, Behinderungen und sozialen Verletzlichkeiten auf. Die Generaldirektion von Iriscare beschreibt Bedürfnisse, die « sehr divergierend und oft komplex » seien, und fordert, die rein medizinische Pflegeschwere zu überwinden und eine psychosoziale und soziale Dimension in die Bewertung zu integrieren.

Erklärtes Ziel: die Komplexität der Profile besser quantifizieren, um Finanzierung und Personal an die Realität vor Ort anzupassen. In diesem Stadium stellt die Umfrage eine Objektivierungsgrundlage dar — es ist keine Haushaltsentscheidung damit verbunden. Iriscare finanziert 211 Einrichtungen für Senioren in der Region Brüssel-Hauptstadt (541 Mio. EUR im Jahr 2024).

Quelle: Iriscare — Bestandsaufnahme des Pflegebedarfs in den Pflegeheimen (8. April 2026). Vertrauen: official.

Samusocial — Projekt « Nozat »: reglementierter Alkoholkonsum im Frauenzentrum (20. April 2026)

Am Montag, 20. April 2026, startet das Samusocial ein Pilotprojekt mit dem Namen « Nozat » in seinem Frauenaufnahmezentrum: Der Konsum von Bier und Wein (ausschließlich) ist nunmehr in den Gemeinschaftsräumen im Erdgeschoss erlaubt. Die Getränke werden in einem abschließbaren Kühlschrank aufbewahrt, und der Konsum bleibt in den Zimmern verboten. Eine zusätzliche Begleitperson ist für drei Monate anwesend, um das Dispositiv zu evaluieren.

Begründung (Sarah de Liamchine, Generaldirektorin des Samusocial): « Für die aufgenommenen Frauen sind diese Momente schlicht unmöglich. Das strikte Verbot kann als infantilisierend empfunden werden. »

Erklärte Ziele:

  • Schadensminderung: schnellen und verdeckten Konsum vor Ankunft im Zentrum oder vor der nächtlichen Ausgangssperre vermeiden
  • Humanisierung der Aufnahme: die Autonomie der aufgenommenen Personen anerkennen
  • Prävention: Begleitung und Dialog über problematischen Konsum ermöglichen, statt blindes Verbot

Keine Änderung der Aufnahmekapazität oder der damit verbundenen Finanzierung. Das Dispositiv wird am Ende der drei Monate evaluiert.

Institutionelle Erinnerung: Das Samusocial ist eine VoG der GGK (Gemeinsame Gemeinschaftskommission — bikommunale Brüsseler Einrichtung). Es betreibt die wichtigste Notunterbringungsinfrastruktur für Obdachlose in Brüssel.

Quelle: L'Avenir (20. April 2026). Vertrauen: official.

3. Welle der Arbeitslosenreform: 11 215 Brüsseler ausgeschlossen (1. April 2026)

Am 1. April 2026 trat die 3. Welle der föderalen Arbeitslosenreform in Kraft. Es ist die größte: 47 691 Personen verlieren landesweit ihre Leistungen, darunter 11 215 Brüsseler (Arbeitslose mit 2 bis 8 Jahren Einschreibung).

Auswirkungen auf die ÖSHZ: Laut dem ÖPD Soziale Eingliederung wechseln 41,5 % der ausgeschlossenen Brüsseler zum ÖSHZ für ein Eingliederungseinkommen (gegenüber 55,4 % in Wallonien und 38,1 % in Flandern). Bei den Eingliederungszulagen: 19,6 % in Brüssel (30,3 % in Wallonien, 12 % in Flandern). Diese Zahlen, basierend auf den Wellen 1 und 2, werden Mitte April stabilisiert.

Kumuliert seit Januar 2026: Zwischen dem 1. Januar und dem 1. April haben etwa 33 085 Brüsseler ihre Arbeitslosenleistungen verloren (Wellen 1 + 2 + 3). Die Reform sieht 6 Wellen bis Juni 2027 vor.

Die am stärksten betroffenen Gemeinden sind Molenbeek und Sint-Joost, wo die Kombination aus Langzeitarbeitslosigkeit, geringer Qualifikation und Sprachbarriere die Ausschlüsse konzentriert.

Quelle: BX1 / Le Soir / Moustique / SPP Intégration sociale (1.–2. April 2026).

Räumung des Humanitarian Hub (21. April 2026)

Am Dienstag, 21. April 2026, hat die Stadt Brüssel in Abstimmung mit Bruss'help am Vormittag die Räumung der Zelte durchgeführt, die rund um den Humanitarian Hub (Havenlaan) aufgestellt waren. Die Stadt verweist auf eine Verschlechterung der Lage: Hygieneprobleme (gemeldete Ratten), Zwischenfälle, Spannungen vor Ort.

Die Bewohner waren im Voraus informiert und an Notunterbringungslösungen weitergeleitet worden. Laut dem Artikel haben mehrere Personen, die am selben Vormittag vor Ort geblieben sind, die vorgeschlagenen Orientierungen abgelehnt.

Ärzte der Welt hat öffentlich eine Intervention kritisiert, die „keine langfristige Lösung" für das Obdachlosigkeitsphänomen rund um den Humanitarian Hub biete.

Der Humanitarian Hub ist eine Aufnahmestruktur für Personen in Migrationstransit, gemeinsam von einem Vereinskonsortium betrieben. Die Räumung betrifft nicht den Hub selbst, sondern das Lager, das sich rund um ihn gebildet hatte.

Kontext — die Zählung von Bruss'help vom April 2025 verzeichnete 9 777 Personen ohne Zuhause in der Region Brüssel, ein Anstieg um 25 % in zwei Jahren (siehe Abschnitt Sozialbarometer 2025 oben).

Vertrauen: unconfirmed (Pressebericht; offizielle Mitteilung von Stadt / Bruss'help am 23. April nicht gefunden). Quelle: La Libre, 21. April 2026.

Digitale Kluft und Zugang zu Rechten (23. April 2026)

Über die sozioökonomischen Indikatoren hinaus stellt der digitale Zugang zu öffentlichen Diensten einen strukturellen Hebel für Inklusion oder Ausschluss dar. Die Ordonnanz Brüssel Digital (25. Januar 2024) regelt die digitale Transition der Brüsseler Verwaltungen. Der Barometer 2022 der König-Baudouin-Stiftung stellt fest, dass 4 Brüsseler von 10 digital verwundbar sind und 75 % der gering qualifizierten Personen erhebliche Schwierigkeiten haben.

Eine Versammlung « L'humain d'abord ! » fand am 23. April 2026 auf dem Fernand-Cocq-Platz in Ixelles statt (organisiert von Lire et Écrire) und forderte die 19 Gemeinden auf, die formalen Verpflichtungen zur Aufrechterhaltung der physischen Schalter und Telefondienste einzuhalten.

Das Thema wird ausführlich in der Karte digital behandelt (Rechtsrahmen, Verfassungsklage, zivilgesellschaftliche Mobilisierung).

Quelle: siehe Karte digital. Vertrauen: unconfirmed (laufende Mobilisierung, Presseberichterstattung vom 23.4. zu konsolidieren).

Geerbter Kontext (Juni 2024 – Februar 2026)

Die ÖSHZ standen unter wachsendem Druck, GGK-Investitionen waren eingefroren, Familienbeihilfen unter Spannung und die Obdachlosenpolitik stand still. 9.777 Obdachlose wurden gezählt, darunter 1.678 Minderjährige.

Vollständigen Kontext lesen

Was das konkret bedeutet

Die RPE sieht einen Plan gegen Obdachlosigkeit, die Stärkung der ÖSHZ und Investitionen über die GGK vor. Der Kontext bleibt kritisch: 9.777 gezählte Obdachlose, davon 1.678 Minderjährige, und 127 Ablehnungen von Unterkünften pro Woche für Familien.

Was BGM nicht sagt

Diese Karte beurteilt nicht, ob die Regierung die Obdachlosenkrise lösen kann. Die ÖSHZ und Iriscare setzen ihre Grundaufgabe fort. Sie dokumentiert die RPE-Verpflichtungen und den geerbten Kontext — die Überwachung konzentriert sich auf die tatsächliche Umsetzung der angekündigten Mittel.

Änderung festgestellt

Überprüft am 12. März 2026

Wichtige Sachkorrektur: Die Zahl von 8 000 Arbeitslosenausschlüssen betraf nur die Gemeinde Brüssel-Stadt, nicht die Region. Korrigiert auf ~42 000 (Actiris). Gegenprüfung mit der Karte Beschäftigung und den Primärquellen (ONEM, Brulocalis, Vivalis).

Nächste Überprüfung geplant: 12. Apr. 2026

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