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Brussels Governance Monitor

Soziales: 10M für Bahnhöfe, Drogenbeauftragter, geschützte Dienste

Laufend

Dieses Dossier verläuft im aktuellen Rahmen normal.

BGM-Schätzung
Kürzlich überprüft ·

Die DPR sieht 10M EUR für die Sicherung der Bahnhöfe Midi und Nord vor, einen regionalen Drogenbeauftragten und den Schutz der Sozialdienste. Die Sicherheitsrolle des Ministerpräsidenten wird gestärkt. Kanal gerettet (60M EUR).

SeniorenPRM / BehinderungJugendFamilienNeuankömmlingeObdachloseGenderLebenshaltungskostenPrekarität
Kurz gefasst (leichte Sprache)

Die neue Regierung investiert in die Sicherheit der Bahnhöfe und richtet einen Drogenbeauftragten ein. Die Dienste für Obdachlose und Menschen in Schwierigkeiten werden geschützt.

Schluesselzahlen

Vorläufige Zwölftel

COCOM-Finanzierung

~47 000Personen

Bezieher des Eingliederungseinkommens

325 Plätze gesichertMarie-Curie 185 + Evere 40 + Schaerbeek 60 + 40 Semi-Autonomie

Obdachlosenpolitik

9 777

Gezählte obdachlose Personen

1 678davon >1 000 regelmäßig auf der Straße

Obdachlose Minderjährige

Regierungsabkommen: Angekündigte Maßnahmen

Das Abkommen vom 12. Februar 2026 enthält querschnittliche soziale und sicherheitspolitische Maßnahmen:

  • 10 Millionen EUR für die Sicherung der Bahnhöfe Midi und Nord (Kameras, Polizei, Reinigung, Betreuung von Menschen in prekären Situationen)
  • Regionaler Drogenbeauftragter: Schaffung einer eigenen Funktion
  • Schutz der Sozialdienste: Obdachlosenhilfe, Suchtbetreuung, Begleitung bestätigt
  • Verstärkte Sicherheitsrolle des Ministerpräsidenten
  • Kanal gerettet: 60 Millionen EUR für die Eröffnung des Museums für zeitgenössische Kunst (ehemalige Citroen-Garage). Das jährliche Betriebsbudget wird degressiv sein, mit einer Verpflichtung zur Erschließung eigener Einnahmen

Offene Punkte: Die Einzelheiten zur COCOM (bikommunale Gesundheit) sind noch nicht veröffentlicht, und die Gesundheitskürzungen werden noch verhandelt. Der Druck auf die ÖSHZ durch die Arbeitslosenreform (>1 Milliarde EUR kumuliert) muss vom neuen Haushaltsrahmen aufgefangen werden.

Chancengleichheit (DPR, Kapitel 12)

Die DPR widmet der Chancengleichheit und der Bekämpfung von Diskriminierung ein eigenes Kapitel:

  • Gender Mainstreaming: Integration der Geschlechterdimension in alle regionalen Politikbereiche
  • Anti-Diskriminierungsplan: regionaler Plan zur Bekämpfung von Diskriminierung, einschließlich eines Testing-Verfahrens
  • Testing Wohnungsdiskriminierung: Kontrollmechanismus für diskriminierende Praktiken auf dem Mietmarkt
  • LGBTQI+-Aktionsplan: spezifischer regionaler Plan
  • Handistreaming: Integration der Behinderungsdimension in alle Politikbereiche (über das Dossier Barrierefreiheit hinaus)

Diese Verpflichtungen sind in der DPR festgeschrieben, aber noch nicht durch Verordnungen oder Durchführungserlasse umgesetzt worden.

Gesundheit und Prävention (DPR, Kapitel 11)

Die DPR sieht ergänzende Gesundheitsmaßnahmen vor:

  • Médibus : mobiler Gesundheitsbus, um versorgungsferne Bevölkerungsgruppen in unterversorgten Vierteln zu erreichen
  • Health in All Policies (HIAP) : Integration der Gesundheitsdimension in alle regionalen Politikbereiche (Städtebau, Mobilität, Wohnungswesen)
  • Nahrungsmittelhilfe : regionale Strukturierung der Nahrungsmittelhilfe mit einem koordinierten Rahmen für lokale und gemeinnützige Initiativen

Diese Verpflichtungen sind in der DPR festgeschrieben, aber noch nicht durch Durchführungsmaßnahmen umgesetzt worden.

Arbeitslosenreform: Auswirkungen auf die Brüsseler ÖSHZ

Worum geht es?

Seit dem 1. Januar 2026 sind die Arbeitslosenleistungen in Belgien auf maximal zwei Jahre begrenzt. Personen, die diese Schwelle überschreiten, verlieren ihren Anspruch. Die Maßnahme wird in drei Wellen umgesetzt:

  • 1. Januar 2026: Personen mit mehr als 20 Jahren Inaktivität
  • 1. März 2026: Personen mit 8 bis 20 Jahren Inaktivität
  • 1. April 2026: Personen mit 2 bis 8 Jahren Inaktivität

Insgesamt verlieren 185 700 Personen zwischen Januar 2026 und Juli 2027 in Belgien ihre Leistungen. In der Region Brüssel-Hauptstadt sind etwa 42 000 Personen betroffen (Schätzung Actiris, kumuliert Jan. 2026 – Jul. 2027).

Was geschieht mit den ausgeschlossenen Personen?

Die Bundesregierung hat die Reform auf der Annahme budgetiert, dass ein Drittel der Ausgeschlossenen Arbeit finden würde, ein Drittel zum ÖSHZ (Eingliederungseinkommen) wechseln und ein Drittel über ausreichende Mittel verfügen würde (Partner, Ersparnisse). Mehrere Quellen widersprechen dieser Projektion:

  • Nationalbank Belgiens: Die Rückkehr in die Arbeit betrifft 10 bis 20 % der Ausgeschlossenen, nicht 33 %
  • Vivalis (Studie auf Basis der BKSZ-Daten, März 2025): Von 24 700 Ausgeschlossenen unter 55 Jahren würden 21 % Arbeit finden, 32 % zum ÖSHZ wechseln, 42 % ohne identifizierbares Einkommen bleiben und 5 % in die Kranken-Invaliditätsversicherung übergehen
  • Rechnungshof (Februar 2026): Die Regierungsannahme wird als „nicht sehr realistisch" eingestuft; der Anteil, der zum ÖSHZ wechselt, ist „wahrscheinlich unterschätzt"
  • Präzedenzfall 2015 (Begrenzung der Eingliederungszulagen): 72 % der Ausgeschlossenen hatten nach 6 Monaten keine Arbeit gefunden

Brüssel besonders exponiert

Brüssel macht etwa 10 % der belgischen Bevölkerung aus, würde aber ein Drittel der Eingliederungseinkommensempfänger und ein Drittel der Personen ohne Einkommen aus der Reform konzentrieren (Vivalis). Die Zahl der Eingliederungseinkommensempfänger in Brüssel betrug 2024 bereits 46 911 im Jahresdurchschnitt (BISA), ein Anstieg von 12 % seit 2020. Die am stärksten betroffenen Gemeinden sind Saint-Josse-ten-Noode, Molenbeek-Saint-Jean, Saint-Gilles und die Stadt Brüssel, wo fast 4 % der Bevölkerung betroffen sind.

Abweichende Daten: warum die Zahlen nicht übereinstimmen

Die ersten offiziellen Daten des ÖPD Soziale Eingliederung zeigen, dass sich 20 bis 27,5 % der im Januar Ausgeschlossenen an das ÖSHZ gewandt haben. Die ÖSHZ vor Ort berichten jedoch von Vorstellungsraten am Schalter von 40 bis 50 %, in Brüssel sogar darüber. Der Unterschied erklärt sich durch die Art der Daten: Die ÖPD-Zahlen erfassen administrativ registrierte Akten (Zahlungs- oder Erfassungsdaten), während die ÖSHZ die Personen zählen, die sich am Schalter melden, einschließlich laufender oder ausstehender Fälle. Die Frist zwischen Antrag und Erfassung beträgt mehrere Wochen.

Der blinde Fleck: die Nicht-Inanspruchnahme

Ohne systematische Kreuzung der Datenbanken (LfA, LSS, Krankenkassen, ÖSHZ) über die Zentrale Datenbank der Sozialen Sicherheit (BKSZ) ist es unmöglich festzustellen, was mit Personen geschieht, die sich nicht beim ÖSHZ melden: Beschäftigung, Schwarzarbeit, finanzielle Abhängigkeit von Angehörigen, Wegzug aus dem Land oder Nicht-Inanspruchnahme von Rechten. Die Nicht-Inanspruchnahme sozialer Rechte in Brüssel ist ein strukturelles Phänomen, das von Vivalis bereits 2016 in einem thematischen Bericht über soziale Unterbeschützung in der Region Brüssel dokumentiert wurde. Die Vivalis-Studie von 2025 ist die einzige, die die BKSZ-Daten gekreuzt hat, um die Verläufe der ausgeschlossenen Brüsseler zu projizieren; sie schätzt, dass 42 % der Ausgeschlossenen unter 55 Jahren ohne jegliches identifizierbares Einkommen verbleiben würden.

Haushaltsauswirkungen

Die Bundesregierung hat 300 Millionen EUR Kompensation für die ÖSHZ im Jahr 2026 vorgesehen. Laut Rechnungshof würde dieser Betrag die Bedürfnisse für 2026 abdecken, sich aber für die Folgejahre als unzureichend erweisen, mit geschätzten Ausgaben von 709 Millionen EUR im Jahr 2029. Die kumulativen Kosten für alle belgischen ÖSHZ werden auf 631 Millionen bis über eine Milliarde EUR über die Legislaturperiode geschätzt.

Quellen: LfA; ÖPD Soziale Eingliederung; Vivalis (März 2025); Rechnungshof (Feb. 2026); UVCW; BISA; RTBF (März 2026).

Drogenkonsum: Brüssel kein „Crack-Epizentrum" (März 2026)

Am 11. März 2026 veröffentlichte Sciensano die erste landesweite Kartierung des Drogenkonsums auf Basis der Abwasseranalyse (17 Kläranlagen, 111 Gemeinden, 28 % der Bevölkerung, Proben vom 24. bis 30. März 2025).

Ergebnisse für Brüssel:

  • Brüssel ist nicht das Crack-Epizentrum — entgegen dem vorherrschenden Mediennarrativ. Die Kläranlage Antwerpen-Süd verzeichnet die höchsten Crack-Konzentrationen, gefolgt von Charleroi, Namur und Arlon
  • Crack wurde in 11 der 17 Kläranlagen nachgewiesen, in allen drei Landesregionen
  • 27 % der Suchtbehandlungen in Brüssel erwähnen Crack (gegenüber 15 % in Wallonien und 6 % in Flandern)
  • Bei Kokain (zu unterscheiden von Crack) liegt ebenfalls Antwerpen-Süd an der Spitze, mit Brüssel-Nord an zweiter Stelle

Diese Daten relativieren das Bild Brüssels als „Crack-Hauptstadt" erheblich. Laut Sciensano gibt es kein typisches Profil des Drogenkonsumenten. Die Überwachungskampagne wird 2026 fortgesetzt.

Quellen: Sciensano; BX1, RTBF, La Libre, DH (11. März 2026).

Prekarität: Mini-Bru IBSA 2026

Das Mini-Bru 2026 bestätigt die strukturelle Prekarität in Brüssel:

IndikatorBrüssel (2024)Belgien
Armutsrisiko26,3 %
AROPE (Armuts- oder Ausgrenzungsgefährdung)37,3 %
Eingliederungseinkommensempfänger (18-64)45 576
Anteil Bevölkerung 18-64 beim ÖSHZ5,6 %
GRAPA (Einkommensgarantie für ältere Personen)23 503
Erhöhte Erstattung Gesundheitskosten352 839 (28,2 %)

Mehr als jeder dritte Brüsseler (37,3 %) ist von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht (AROPE) — die höchste Quote der drei Regionen.

Quelle: BISA Mini-Bru 2026 (EU-SILC, Statbel, BKSZ, Daten 2024).

Subventionierte Vertragsbedienstete (ACS)

Der ACS-Mechanismus finanziert rund 10 000 Stellen im Brüsseler Non-Profit-Sektor (~6 700 aktiv), mit einem Budget von ~250 Millionen EUR/Jahr. Seit 2007 wurden keine neuen Stellen geschaffen. Am 3. Februar 2026 demonstrierte der Non-Profit-Sektor für eine Refinanzierung. Die DPR sieht die Fortsetzung der 2015 begonnenen Reform vor.

Quelle: Actiris / DPR, 2026.

Sozial-Gesundheitspaket Notfall (19. März 2026)

Der Ministerrat vom 19. März 2026 hat ein Bündel von Notmaßnahmen für Obdachlose genehmigt, getragen von den Ministern Laaouej (PS) und De Smedt (Anders):

Unterbringung — 325 Plätze gesichert:

  • Marie-Curie I (Anderlecht): 185 Plätze verlängert bis zum 30. Juni 2026 (davon 73 Kinder)
  • Evere: 40 Plätze beibehalten bis Ende 2026
  • Schaerbeek: 60 Plätze beibehalten bis Ende 2026
  • 40 neue Plätze in semi-autonomen Wohnungen für Familien

Diese Plätze waren von einer Schließung zum 31. März 2026 bedroht.

Gesundheit — Neustart Team Cover:

  • Betreuung von ~2.000 Personen an 50 prekären Standorten (Squats, Metrostationen)
  • Sanitäre Straßenrundgänge in der Metro wieder aufgenommen
  • Das Team Cover war nach der Schließung des Zentrums Athéna ausgesetzt worden

Zugang zur Versorgung — temporäres RMP-Dispositiv:

  • Partnerschaft Rotes Kreuz + Ärzte ohne Grenzen
  • Medizinische Versorgung von Personen ohne Krankenversicherung

Quellen: RTBF / Belga, BRUZZ (19.-20. März 2026).

Bürgerbeteiligung

Das Brüsseler Parlament hat zwischen 2021 und 2024 sechs deliberative Kommissionen durchgeführt, darunter eine zur Obdachlosigkeit (2021, ~35 Empfehlungen). In mehreren Gemeinden gibt es Bürgerhaushalte. Der AGORA-Mechanismus (permanente Bürgerversammlung für Klimafragen) ist seit 2024 inaktiv.

Quelle: Brüsseler Parlament, 2021-2026.

Geerbter Kontext (Juni 2024 – Februar 2026)

Die ÖSHZ standen unter wachsendem Druck, GGK-Investitionen waren eingefroren, Familienbeihilfen unter Spannung und die Obdachlosenpolitik stand still. 9.777 Obdachlose wurden gezählt, darunter 1.678 Minderjährige.

Vollständigen Kontext lesen

Was das konkret bedeutet

Die RPE sieht einen Plan gegen Obdachlosigkeit, die Stärkung der ÖSHZ und Investitionen über die GGK vor. Der Kontext bleibt kritisch: 9.777 gezählte Obdachlose, davon 1.678 Minderjährige, und 127 Ablehnungen von Unterkünften pro Woche für Familien.

Was BGM nicht sagt

Diese Karte beurteilt nicht, ob die Regierung die Obdachlosenkrise lösen kann. Die ÖSHZ und Iriscare setzen ihre Grundaufgabe fort. Sie dokumentiert die RPE-Verpflichtungen und den geerbten Kontext — die Überwachung konzentriert sich auf die tatsächliche Umsetzung der angekündigten Mittel.

Änderung festgestellt

Überprüft am 12. März 2026

Wichtige Sachkorrektur: Die Zahl von 8 000 Arbeitslosenausschlüssen betraf nur die Gemeinde Brüssel-Stadt, nicht die Region. Korrigiert auf ~42 000 (Actiris). Gegenprüfung mit der Karte Beschäftigung und den Primärquellen (ONEM, Brulocalis, Vivalis).

Nächste Überprüfung geplant: 12. Apr. 2026

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