HVPI: Die belgische Inflation übersteigt die anderer europäischer Hauptstädte deutlich
HVPI — durchschnittliche jährliche Inflationsrate
| Einheit | Wert | Datum |
|---|---|---|
| BE10 | 4,3 % | 31. Dezember 2024 |
| AT13 | 2,9 % | 31. Dezember 2024 |
| DK01 | 1,3 % | 31. Dezember 2024 |
| NL33 | 3,3 % | 31. Dezember 2024 |
| DE30 | 2,2 % | 31. Dezember 2024 |
| FR10 | 2,3 % | 31. Dezember 2024 |
Methodik
Vergleich der durchschnittlichen jährlichen Inflationsrate, gemessen am Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI), veröffentlicht von Eurostat (Tabelle prc_hicp_aind). Der HVPI wird nach einer für alle EU-Mitgliedstaaten einheitlichen Methodik berechnet, was die Vergleichbarkeit zwischen den Ländern gewährleistet. Die Werte entsprechen der durchschnittlichen jährlichen Veränderung des Gesamtindex (CP00) für das Jahr 2024. Die Daten sind ausschließlich auf nationaler Ebene verfügbar; die Länderwerte werden als Näherung für die jeweiligen Hauptstadtregionen verwendet.
Vergleichbarkeitsgrenzen
Der HVPI wird von Eurostat ausschließlich auf nationaler Ebene veröffentlicht, nicht auf NUTS-2-Ebene (regional). Die hier dargestellten Werte sind die jeweiligen nationalen Inflationsraten (Belgien, Österreich, Dänemark, Niederlande, Deutschland, Frankreich), die als Näherung für die Hauptstadtregionen verwendet werden. Die tatsächliche Inflation in jeder Hauptstadtregion kann aufgrund spezifischer Konsumstrukturen und Immobilienmärkte vom nationalen Niveau abweichen.
Kontext
Der Harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) ist der Referenzindikator, den die Europäische Zentralbank (EZB) und Eurostat zur Messung der Inflation in der Europäischen Union verwenden. Er wird nach einer für alle Mitgliedstaaten einheitlichen Methodik berechnet und ist damit das bevorzugte Instrument für internationale Vergleiche. Das Preisstabilitätsziel der EZB liegt bei einer Inflationsrate von 2 % auf mittlere Sicht.
Die verglichenen Daten
Im Jahr 2024 weist Belgien eine durchschnittliche jährliche Inflationsrate von 4,3 % laut HVPI auf — den höchsten Wert unter den sechs verglichenen Ländern und mehr als das Doppelte des EZB-Ziels. Die Niederlande folgen mit 3,3 %, dann Österreich (2,9 %), Frankreich (2,3 %), Deutschland (2,2 %) und Dänemark (1,3 %).
Zwei strukturelle Faktoren erklären den belgischen Unterschied. Erstens belasteten die Energiepreise den Index auch 2024, wobei Belgien besonders anfällig für die Volatilität des Erdgasmarktes ist. Zweitens erzeugt der Mechanismus der automatischen Lohnindexierung — eine belgische Besonderheit innerhalb der Eurozone — einen Zweitrundeneffekt: Preissteigerungen treiben Lohnerhöhungen an, die ihrerseits die Preise antreiben. Dieser Mechanismus, der in den fünf anderen Vergleichsländern nicht existiert, trägt zur Hartnäckigkeit der Inflation bei.
Auswirkungen auf die Region Brüssel
Das Fehlen einer handlungsfähigen Regionalregierung in Brüssel bedeutet, dass keine regionalen Korrekturmaßnahmen ergriffen werden konnten, um die Auswirkungen der Inflation auf die Brüsseler Haushalte abzufedern. Die Region Brüssel-Hauptstadt weist jedoch eine hohe Konzentration einkommensschwacher Haushalte auf, die von Preissteigerungen besonders betroffen sind — insbesondere bei den Posten Lebensmittel, Wohnen und Energie. In den anderen verglichenen Hauptstädten konnten gezielte regionale oder kommunale Maßnahmen (Mietpreisbremse in Berlin, Tarifschild in Île-de-France, Energiehilfen in Wien) die nationale Politik ergänzen. In Brüssel hat die institutionelle Lähmung jede derartige Initiative auf regionaler Ebene verhindert.
Quellen
- Eurostat, HVPI — durchschnittliche jährliche Veränderungsrate (prc_hicp_aind), Daten extrahiert im Februar 2026
- EZB, Preisstabilitätsziel, abgerufen am 8. Februar 2026
- NBB, Wirtschaftsbericht — Dezember 2025, Kapitel „Inflation und Indexierung"
- IBSA, Sozioökonomisches Dashboard Brüssel 2025
Quelle: Eurostat — prc_hicp_aind
Zuletzt aktualisiert: 10. Februar 2026