Zum Inhalt
Brussels Governance Monitor

Horeca: Hotel-MwSt. 12 %, Rekord-Insolvenzen, Visit.brussels-Sparmaßnahmen, Pentagon-Bettelreglement

Aktuell ·

Hotel-MwSt. seit 1. März 2025 von 6 auf 12 % erhöht. 17 % der Brüsseler Insolvenzen entfallen auf Horeca (vs 6 % der KMU). Visit.brussels schloss seinen letzten physischen Touristenschalter (Großer Platz, 30. Juni 2026): Brüssel hat keine physische touristische Anlaufstelle mehr. Die föderale Ausweitung der Flexi-Jobs auf alle Branchen (1. Juli 2026) verwässert den historischen Vorteil des Horeca. Die Brüsseler Horeca-Föderation spricht von einem « gebrochenen Vertrag » mit der Politik (Juli 2026). Das Bettelreglement des Pentagon (Brüssel-Stadt, 20. April 2026) ist Gegenstand einer Klage beim Staatsrat.

Was weiterläuft

  • Bestehende Beschäftigungshilfen

    Vor 2026 zugewiesene Beschäftigungshilfen werden weiter von Actiris durchgeführt.

  • Tourismusförderung

    Visit.brussels führt seine Tourismusförderungsaufgaben im Rahmen des reduzierten Budgets 2026 (22 → 16,3 Mio. EUR) fort.

Auswirkungsindikatoren

~9 000

Horeca-Betriebe in Brüssel

hub.brussels

~35 000

Direkte Beschäftigung im Brüsseler Horeca

Actiris / LSS

~8,5 Millionen

Touristische Übernachtungen in Brüssel (2024)

Visit.brussels

2 184

Insolvenzen insgesamt in Brüssel (2025)

BX1

17 % (vs 6 % der KMU)

Anteil Horeca-Insolvenzen (Brüssel)

hub.brussels / BX1

5 631

Verlorene Horeca-Arbeitsplätze (2025, Belgien)

BX1

6 → 12 %

Hotel-MwSt. (1. März 2025)

Föderale Regierung / Programmgesetz

1 von 2 Touristenschaltern

Visit.brussels — Schalter Königsplatz geschlossen (April 2026)

BRUZZ Economie (20. April 2026)

22 → 16,3 Mio. EUR

Visit.brussels — Budget 2026 (Sparmaßnahmen)

BGM-Kulturdossier (März 2026)

0 physische Anlaufstellen mehr in Brüssel

Visit.brussels — letzter Touristenschalter endgültig geschlossen (30. Juni 2026)

BRUZZ

Kammer: positive Abstimmung am 19. Juni 2026

Flexi-Jobs — föderale Ausweitung auf alle Branchen (1. Juli 2026)

RTBF

Hotel-MwSt.: 6 → 12 % seit 1. März 2025

Das föderale Programmgesetz erhöhte die MwSt. auf Hotelübernachtungen zum 1. März 2025 von 6 % auf 12 %. Die Horeca-Föderation warnte vor den Wettbewerbsauswirkungen gegenüber europäischen Destinationen (Paris, Amsterdam, Berlin), insbesondere für den MICE-Tourismus (Meetings, Konferenzen, Geschäftsveranstaltungen). Die touristischen Übernachtungen 2024 lagen bei rund 8,5 Millionen in Brüssel.

Quellen: föderales Programmgesetz 2025 ; Brüsseler Horeca-Föderation.

Tourismus-Sparmaßnahmen: Visit.brussels schrumpft

Die Brüsseler Regierung kürzte das Budget von Visit.brussels von 22 auf 16,3 Mio. EUR (−26 %) für 2026. Unmittelbare Folgen:

  • 20. April 2026: Schließung des Touristenschalters am Königsplatz (Brussels Info Place / Place Royale).
  • 30. Juni 2026: endgültige Schließung des Schalters am Großen Platz, letzter physischer Standort der Agentur. Brüssel hat fortan keine physische touristische Anlaufstelle mehr.
  • 26. Juni 2026: von der Regierung genehmigter Sozialplan, 37 freiwillige Abgänge von 159 VZÄ bei Visit.brussels, Budget bis 2029 auf 12,5 Mio. EUR reduziert.
  • BD Comic Strip Festival 2026 abgesagt (März 2026)
  • Iris-Fest verkleinert

Für die Horeca-Branche ist der Empfang ausländischer Touristen der Schlüssel, gerade jetzt, da die MwSt. steigt und die Flexi-Jobs ihre sektorale Besonderheit verlieren: ein widersprüchliches Signal an einen bereits angeschlagenen Sektor.

Quellen: BRUZZ Economie (20. April 2026) ; BRUZZ (30. Juni 2026) ; L'Avenir (26. Juni 2026).

Insolvenzen: 17 % Horeca bei 6 % der KMU

Brüssel zählt rund 2 184 Insolvenzen im Jahr 2025 (alle Aktivitäten zusammen). Horeca, die nur 6 % der KMU ausmacht, konzentriert 17 % der Insolvenzen — fast 3× ihren Wirtschaftsanteil. Auf belgischer Ebene verlor die Branche 2025 5 631 Arbeitsplätze.

Kumulierte Faktoren: COVID, Inflation, Personalmangel, Anstieg der Gewerbemieten, Hotel-MwSt., regionale Sparmaßnahmen.

Quelle: BX1 ; Brüsseler Horeca-Föderation.

Bettelreglement Pentagon (Brüssel-Stadt, 20. April 2026): Klage beim Staatsrat

Der Gemeinderat der Stadt Brüssel verabschiedete am 20. April 2026 ein Reglement, das Betteln mit Kindern unter 16 Jahren im Pentagon, am Louiseplatz und in der Louiseallee verbietet (Geldbußen bis 500 €), sowie « aggressives, hartnäckiges, einschüchterndes » Betteln im gesamten Stadtgebiet für 2 Jahre. Direkte Auswirkungen auf die Handelsatmosphäre des Pentagon, Konzentrationszone der Horeca.

Sieben Verbände (darunter die Ligue des droits humains, ATD Vierte Welt und die Front commun SDF) reichten am 11. Juni 2026 eine Klage gegen dieses Reglement beim Staatsrat ein.

Quellen: La Libre (20. April 2026) ; RTBF (11. Juni 2026) ; Ligue des droits humains.

Flexi-Jobs auf alle Branchen ausgeweitet (1. Juli 2026)

Die Kammer billigte am 19. Juni 2026 die Ausweitung der Flexi-Jobs, bislang auf das Horeca und einige angrenzende Branchen beschränkt, auf alle Wirtschaftsbranchen, mit Inkrafttreten zum 1. Juli 2026. Für das Horeca verwässert diese Reform einen historischen Vorteil bei der flexiblen Personalrekrutierung, der die Branche bislang auszeichnete. Zum Zeitpunkt der Redaktion war die offizielle Seite des FÖD Beschäftigung noch nicht aktualisiert, um diese Änderung widerzuspiegeln.

Quellen: RTBF (19. Juni 2026) ; L'Avenir (19. Juni 2026) ; VRT NWS (19. Juni 2026).

Brüsseler Horeca-Föderation: « der Vertrag ist gebrochen » mit der Politik (15. Juli 2026)

Die Brüsseler Horeca-Föderation richtete am 15. Juli 2026 einen offenen Brief an die föderale Regierung und die Parteivorsitzenden, in dem eine Anhäufung von Belastungen angeprangert wird (Hotel-MwSt., Verwässerung der Flexi-Jobs, Verwaltungsaufwand) und, in Form einer Frage, die Möglichkeit angesprochen wird, gewählten Politikern nicht mehr zu servieren in den Betrieben der Branche. Die Föderation präzisiert, dass es sich bislang nicht um beschlossene Handlungsanweisungen handelt.

Quellen: La Libre (15. Juli 2026) ; DH (15. Juli 2026) ; L'Avenir (15. Juli 2026).

Maßnahmen aus dem Regierungsabkommen, die das Horeca betreffen

  • Jährlicher LEZ-Pass 350 EUR (sozial 200 EUR), Bußgeld pro Verstoß von 350 auf 80 EUR reduziert: vorhersehbare Kosten für Lieferanten und Zusteller
  • Plan, der Good Move folgt: die Überarbeitung der Mobilitätsanordnungen wird die Horeca-Zonen in den umgestalteten Maschen betreffen
  • Verwaltungsreform (Big Bang 25 → 4 Säulen): Hub.brussels und Visit.brussels von der Konsolidierung betroffen, Zeitplan zu präzisieren

Bpost: verlängerter Streik, Auswirkungen auf das Horeca

Der Bpost-Streik (Mitte April 2026, 18-19 Tage) blockierte die Zustellung in Brüssel. Für das Horeca betrafen die Folgen Lieferantenrechnungen, Papierbestellungen und die Kommunikation mit Stammkunden. CEO Peeters schlug Ausnahmezeiten 17-18 Uhr vor (« Kinderbetreuungspuffer »).

Quelle: BGM-Beschäftigungsdossier / V2-Gedächtnis (April 2026).

Geerbter Kontext (Juni 2024 – Februar 2026)

Saisonsubventionen, Terrassengenehmigungen und Tourismuspolitik waren eingefroren. Der Sektor (9.000 Betriebe, 35.000 Arbeitsplätze) erlitt 17 % der regionalen Insolvenzen 2025, verschärft durch die Verdopplung des föderalen Hotel-MwSt-Satzes.

Vollständigen Kontext lesen

Zurück zur Startseite20. Juli 2026

Dieses Thema per E-Mail verfolgen

Max. 1 E-Mail/Woche. Abmeldung mit 1 Klick.