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Brussels Governance Monitor

LEZ: beibehalten mit Jahrespass und reduzierten Bußgeldern

In BearbeitungRegionalOffizielle Quelle
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LEZ-Saga: Am 27. März setzt Haushaltsminister De Smedt (Anders) die Bußgelder ab 1. April aus, im Widerspruch zu Staatssekretärin Persoons (Vooruit) 24 Std. zuvor. Groen prangert einen « Durchmarsch » an. ~30 000 Fahrzeuge im rechtlichen Vakuum. Reformierter Rahmen angestrebt Januar 2027.

Kennzahlen

2018

Einführungsjahr

350EUR/Jahr (Sozial: 200 EUR)

Jahrespass (DPR)

80EUR (zuvor 350 EUR)

Bußgeld pro Verstoß (DPR)

Warnungen

  • Staatsrat: kritisches Gutachten zu niedrigeren Bußgeldern (Standstill)28. Februar 2026
  • DPR: Jahrespass 350 EUR, Bußgeld auf 80 EUR gesenkt13. Februar 2026

Beteiligte Akteure

Bruxelles EnvironnementRegion Brüssel-HauptstadtBrüsseler Gemeinden

Regierungsabkommen: was sich ändert

Das Abkommen vom 12. Februar 2026 ändert das LEZ-Regime grundlegend:

  • Jahrespass: Eigentümer nicht konformer Fahrzeuge können einen Pass für 350 EUR/Jahr (Sozialtarif 200 EUR) erwerben, um legal zu fahren
  • Reduziertes Bußgeld: Das Bußgeld pro Verstoß sinkt von 350 auf 80 EUR
  • Obergrenze abgeschafft: Die Obergrenze von 4 Bußgeldern pro Jahr wird abgeschafft

Die LEZ wird im Grundsatz beibehalten, aber ihre finanzielle Auswirkung auf Autofahrer wird deutlich abgemildert.

Durchsetzung: Toleranz bestätigt (Februar 2026)

Minister Dirk De Smedt (Anders) bestätigte am 27. Februar 2026 im Brüsseler Parlament, dass kein einziges LEZ-Bußgeld erhoben wurde für die seit dem 1. Januar 2026 verbotenen Diesel-Euro-5- und Benzin-Euro-2-Fahrzeuge. Eine Toleranzperiode von 3 Monaten ist in Kraft (1. Januar — 1. April 2026).

  • 4.386 Verwarnungsschreiben wurden von Brüssel Steuerwesen versandt
  • Bußgelder von 350 EUR werden erst nach dem 1. April 2026 erhoben
  • Der Abgeordnete Gilles Verstraeten (N-VA) meldete 2 Fälle irrtümlich versandter Bußgelder; der Minister forderte die Betroffenen auf, sich an Brüssel Steuerwesen zu wenden

Rechtsrisiko: Gutachten des Staatsrats (Februar 2026)

Der Staatsrat hat ein sehr kritisches Gutachten zum MR-Verordnungsentwurf zur Senkung der LEZ-Bußgelder abgegeben, der vor der Bildung der Regierung Dilliès im Brüsseler Parlament eingereicht wurde.

  • Standstill-Prinzip: Die Senkung der Bußgelder stellt einen Rückschritt beim Gesundheitsschutz der Brüsseler dar, was das verfassungsrechtliche Standstill-Prinzip verletzt
  • Unzureichende Bußgelder: Die vorgeschlagenen Beträge (15 bis 50 EUR/Monat) gelten als zu niedrig, um „wirksam, verhältnismäßig und abschreckend" zu sein
  • 6-monatiger Aufschub: Der Aufschub der Bußgelder über den 31. März hinaus würde zu einer „nachteiligen Auswirkung auf die Gesundheit der Brüsseler" beitragen
  • Linie des Verfassungsgerichtshofs: Das Gutachten folgt dem Urteil, das die vorherige LEZ-Verschiebung aufhob

Das Regierungsabkommen Dilliès sieht ebenfalls niedrigere Bußgelder vor (80 EUR/Verstoß, Jahrespass zu 350 EUR). Die entsprechende Verordnung oder der Durchführungserlass wurde noch nicht veröffentlicht. Das Rechtsrisiko ist real, wenn die Regierung derselben Logik wie der MR-Vorschlag folgt.

Geerbter Kontext

Die LEZ (Low Emission Zone) in Brüssel wurde 2018 eingeführt, um die Luftqualität zu verbessern, indem die umweltschädlichsten Fahrzeuge schrittweise aus dem Regionalgebiet verbannt werden. Der Kalender sieht eine schrittweise Verschärfung der Zugangsnormen vor, mit dem Ziel, Dieselfahrzeuge bis 2030 und Benzinfahrzeuge bis 2035 zu verbieten.

Umweltergebnisse

Seit ihrer Einführung im Jahr 2018 hat die LEZ messbare Verbesserungen der Luftqualität erbracht:

  • NOx: −55 %
  • Feinstaub (PM): −33 %
  • Rußkohlenstoff: −60 %

Etwa 400 000 Fahrzeuge sind von der Verschärfung 2026 betroffen (Diesel Euro 5, Benzin Euro 2).

Quelle: Bruxelles Environnement, 2026.

Was in der Schwebe war (Juni 2024 — Februar 2026)

Die LEZ funktionierte weiterhin nach den bereits verabschiedeten Regeln. Die nächsten Verschärfungsphasen erforderten jedoch politische Entscheidungen, die in der geschäftsführenden Regierung nicht getroffen werden konnten.

Paukenschlag: Bußgelder ausgesetzt (27. März 2026)

Am 27. März 2026 — 4 Tage vor Inkrafttreten — gab Haushaltsminister Dirk De Smedt (Anders) bekannt, dass keine Bußgelder gegen Diesel-Euro-5- und Benzin-Euro-2-Fahrzeuge ab dem 1. April verhängt werden. Er wies Brüssel Steuerwesen an, die Bußgelder nicht einzuziehen, bis der Rechtsrahmen reformiert ist.

Chronologie der Krise:

  • 26. März: Staatssekretärin Ans Persoons (Vooruit) bestätigt, dass Bußgelder ab dem 1. April gelten — maximal 1 Bußgeld von 350 EUR pro Jahr
  • 27. März: Minister De Smedt widerspricht und setzt die Bußgelder aus — kein Bußgeld ab dem 1. April
  • Van den Brandt (Groen): prangert einen « Durchmarsch von PS-Anders » an und warnt vor rechtlichen Risiken (Standstill-Prinzip)

Folgen:

  • ~30 000 Fahrzeuge im rechtlichen Vakuum: technisch verboten, aber nicht bußgeldfähig
  • Das Übergangssystem (Jahrespass 350 EUR, Sozialtarif 200 EUR) ist noch nicht formalisiert — keine Verordnung oder kein Erlass veröffentlicht
  • Erste Lesung einer neuen Verordnung in den kommenden Wochen geplant
  • Reformierter Rahmen angestrebt für Januar 2027
  • Die Episode stellt den 2. sichtbaren Bruch in der Koalition dar (Tag 43)

Quellen: RTBF, La Libre, BX1 (27. März 2026).

LEZ-Vereinbarung: Bußgelder ab 7. Juni (4. April 2026)

Nach der ersten Regierungskrise (2.-4. April, T+50 — siehe Karte Institutionell) erzielte die Regierung am 4. April 2026 eine Einigung:

ParameterWert
Inkrafttreten7. Juni 2026 (wenn technische Hindernisse beseitigt)
Jahrespass350 EUR (jährlich indexiert)
Sozialtarif200 EUR (einkommensschwache Haushalte)
Monatliche Geldbuße80 EUR (Gelegenheitsnutzer, ab 2027)
Ratenzahlung4 ohne Nachweis, oder 10 auf Antrag

Chronologie der Krise:

  • 27. März: De Smedt (Anders) setzt einseitig die Bußgelder ab 1. April aus
  • 2. April: Regierungssitzung blockiert. Groen wütend, PS stellt Bedingungen
  • 3. April: Außerordentliche Sitzung. De Smedt verweigert BRAL/IEB-Subventionen
  • 4. April: Einigung erzielt. Bußgelder auf 7. Juni verschoben

Eine LEZ-Taskforce muss die befreiten Kategorien (BIM, Berufstätige, vulnerable Gruppen) vor dem 15. Juni definieren. Die Reformverordnung wird für den 15. Juni erwartet, Umsetzung in 2027.

Quellen: RTBF, BX1, La Libre, DH (3.-4. April 2026). Vertrauen: official.

Zu beobachtende Punkte

  • Öffentliche Gesundheit: Die Luftqualität in Brüssel liegt in mehreren Gebieten weiterhin unter den Empfehlungen der WHO
  • Soziale Gerechtigkeit: Der Jahrespass und der Sozialtarif zielen darauf ab, die Auswirkungen auf Haushalte mit geringem Einkommen abzumildern
  • Klimakohärenz: Die Reform des Bußgeldsystems wirft Fragen über den Kurs zur Eliminierung umweltschädlicher Fahrzeuge auf
  • Verschärfungskalender: Die Bestätigung oder Überarbeitung des Kalenders 2025-2030 steht noch aus

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  • 12. Februar 2026Brüsseler Regierungsabkommen: 7 Parteien besiegeln Koalition nach 613 Tagen

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