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Brussels Governance Monitor

PFAS in Brüssel: Boden- und Wasserverunreinigung

In BearbeitungGemischtOffizielle Quelle
Kürzlich überprüft ·

82 kontaminierte Parzellen in der Region Brüssel identifiziert. Der Sicli-Standort in Ukkel weist Werte bis zu 1.000× über der Norm auf. TFA überschreitet die künftige EU-Norm in allen 6 Trinkwasserreservoirs. Der Umweltrat fordert einen integrierten Rahmen (Februar 2026).

Geschätztes Budget

Nicht beziffert — Sanierungskosten Sicli und Wasseraufbereitung zu bestimmen

Kennzahlen

82

Identifizierte kontaminierte Parzellen

47

Kontaminierte Parzellen (Boden)

55

Kontaminierte Parzellen (Grundwasser)

>1 000×die Norm

Max. Überschreitung Standort Sicli (Grundwasser)

100ng/L

EU-Trinkwassernorm (Summe 20 PFAS)

97%

TFA-Analysen über künftiger Norm 500 ng/L

Warnungen

  • Umweltrat: integrierter PFAS-Rahmen gefordert3. Februar 2026
  • Standort Sicli: Werte bis 1 000× die Norm, Sicherheitsperimeter 100m19. September 2025
  • TFA: 97% der Trinkwasseranalysen überschreiten künftige EU-Norm22. Oktober 2024

Beteiligte Akteure

Brüssel UmweltVivaquaGemeinde UkkelBRUGELUmweltrat

Allgemeine Lage

PFAS (per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen), oft als „Ewigkeitschemikalien" bezeichnet, sind praktisch unzerstörbare chemische Verbindungen, die in zahlreichen Industrie- und Verbraucherprodukten eingesetzt werden. Im Gegensatz zu Flandern (3M-Fabrik in Zwijndrecht) gibt es in der Region Brüssel-Hauptstadt keine PFAS-Produktionsstätte. Die Verunreinigung stammt aus der weitverbreiteten Verwendung PFAS-haltiger Produkte und von spezifischen Industriestandorten.

Seit 2021 führt Brüssel Umwelt systematische Analysekampagnen durch. Bisher weisen 82 Parzellen eine bestätigte Kontamination auf: 47 im Boden und 55 im Grundwasser.

Der Fall Sicli in Ukkel

Der schwerwiegendste Fall betrifft den ehemaligen Standort des Unternehmens Sicli (Feuerlöscherhersteller), Chaussée de Neerstalle 430 in Ukkel. Die am Standort produzierten Löschschäume enthielten große Mengen PFOS und PFOA.

  • April–Mai 2023: von Sicli beauftragte Analysen enthüllen extreme Konzentrationen
  • Dezember 2023: Brüssel Umwelt erfährt von den Ergebnissen
  • Juni 2025: gemeinsame öffentliche Bekanntmachung mit der Gemeinde Ukkel, nach dem Konkurs von Sicli und der Weigerung der Konkursverwalter, die Analysen fortzusetzen
  • September 2025: detaillierte Ergebnisse veröffentlicht — Werte 1,4- bis 530-fach über der Norm im Grundwasser außerhalb des Geländes, und über 1.000-fach die Norm auf dem Industriegelände selbst

Ein Sicherheitsperimeter von 100 Metern wurde eingerichtet: Verbot des Verzehrs von Obst, Gemüse, Eiern oder Kleinvieh aus Gärten in der Zone. Das von Vivaqua verteilte Trinkwasser ist nicht betroffen.

Trinkwasser: das TFA-Problem

Vivaqua erklärt, dass die europäische Norm von 100 ng/L für die Summe von 20 PFAS nirgendwo im Gewest überschritten werde. Die Analysen offenbaren jedoch ein spezifisches Problem mit TFA (Trifluoressigsäure):

  • TFA wird in allen 6 Reservoirs nachgewiesen, die die Brüsseler versorgen
  • 97 % der 287 Analysen überschreiten die künftige Norm von 500 ng/L für Gesamt-PFAS
  • Die Konzentrationen reichen von 500 bis 1.900 ng/L (Maximum am Reservoir Daussoulx-Bosvoorde)
  • Standard-Aktivkohlefilter können TFA nicht auffangen — nur Umkehrosmose funktioniert, zu hohen Kosten

Die Toxizität von TFA ist umstritten: Ein unabhängiger Wissenschaftsrat betrachtet das Risiko für den Menschen als „unwahrscheinlich", aber die niederländischen Gesundheitsbehörden weisen auf mögliche Auswirkungen auf Leber und Immunsystem hin.

Regulierungsrahmen

  • März 2024: EU-Norm von 100 ng/L (Summe von 20 PFAS) in Brüssel in Kraft
  • Mai 2024: Erlass zur Integration der PFAS-Normen für Boden und Grundwasser (veröffentlicht im Belgischen Staatsblatt am 9. Juli 2024)
  • April 2025: Die Regierung genehmigt in erster Lesung einen Entwurf, der „Gesamt-PFAS" auf 500 ng/L definiert und TFA zur Überwachungsliste hinzufügt (Richtwert: 2.200 ng/L)
  • Februar 2026: Der Umweltrat fordert einen integrierten Rahmen — Management bestehender Kontaminationen, nachhaltiger Schutz des Trinkwassers, Verursacherprinzip, gerechte Kostenverteilung

Auf europäischer Ebene ist ein generelles PFAS-Verbot nicht vor Ende 2026 zu erwarten. Eine Verordnung zum Verbot von PFAS in Löschschäumen (≥1 mg/L) wurde im April 2025 beschlossen.

Zu verfolgende Punkte

  • Sanierung Sicli: Wer bezahlt nach dem Konkurs? Brüssel Umwelt verhandelt mit Eigentümer Afitec
  • Kosten der Wasseraufbereitung: Umkehrosmose zur Entfernung von TFA könnte sich auf die Verbraucherrechnungen auswirken
  • Integrierter Rahmen: Wird die Brüsseler Regierung auf die Empfehlungen des Umweltrats eingehen?
  • Kartierung: Die Analysekampagnen laufen weiter — die Zahl der kontaminierten Parzellen könnte steigen
  • TFA-Norm: Der vom Gewest vorgeschlagene Richtwert von 2.200 ng/L wird von manchen Experten als unzureichend betrachtet

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