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Brussels Governance Monitor

PFAS in Brüssel: Boden- und Wasserverunreinigung

In BearbeitungGemischtOffizielle Quelle
Überprüfung nötig ·

82 kontaminierte Parzellen in der Region Brüssel identifiziert, dazu rund 3.500 potenziell kontaminierte Standorte erfasst. Der Sicli-Standort in Ukkel weist Werte bis zu 1.058× über der Norm auf (31 PFAS-Verbindungen im Boden, 20 im Grundwasser). TFA überschreitet die EU-Norm ‚Gesamt-PFAS' (500 ng/L, in Kraft seit Januar 2026) in allen 6 Trinkwasserreservoirs. Historischer 3M-Prozess in Belgien (1.400 Anwohner, 28 Mio. EUR), vertagt auf den 24. November 2026. Der Umweltrat fordert einen integrierten Rahmen.

Geschätztes Budget

Nicht beziffert — Sanierungskosten Sicli und Wasseraufbereitung zu bestimmen

Kennzahlen

82

Identifizierte kontaminierte Parzellen

47

Kontaminierte Parzellen (Boden)

55

Kontaminierte Parzellen (Grundwasser)

~3.500

Potenziell kontaminierte Standorte (Erfassung)

708×die Norm (31 PFAS-Verbindungen nachgewiesen)

Max. Überschreitung Standort Sicli (Boden)

1 058×die Norm (20 PFAS-Verbindungen nachgewiesen)

Max. Überschreitung Standort Sicli (Grundwasser)

100ng/L

EU-Trinkwassernorm (Summe 20 PFAS)

97%

TFA-Analysen über der EU-Norm von 500 ng/L

Warnungen

  • Umweltrat: integrierter PFAS-Rahmen gefordert3. Februar 2026
  • Standort Sicli: Werte bis 1.058× die Norm, Sicherheitsperimeter 100m19. September 2025
  • TFA: 97% der Trinkwasseranalysen überschreiten EU-Norm (500 ng/L)22. Oktober 2024

Beteiligte Akteure

Brüssel UmweltVivaquaGemeinde UkkelBRUGELUmweltratHoher Gesundheitsrat (HGR)Inter-Environnement Bruxelles (IEB)

Allgemeine Lage

PFAS (per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen), oft als „Ewigkeitschemikalien" bezeichnet, sind praktisch unzerstörbare chemische Verbindungen, die in zahlreichen Industrie- und Verbraucherprodukten eingesetzt werden. Im Gegensatz zu Flandern (3M-Fabrik in Zwijndrecht) gibt es in der Region Brüssel-Hauptstadt keine PFAS-Produktionsstätte. Die Verunreinigung stammt aus der weitverbreiteten Verwendung PFAS-haltiger Produkte und von spezifischen Industriestandorten.

Seit 2021 führt Brüssel Umwelt systematische Analysekampagnen durch. Bisher weisen 82 Parzellen eine bestätigte Kontamination auf: 47 im Boden und 55 im Grundwasser. Rund 3.500 Standorte sind außerdem als potenziell kontaminiert erfasst, aufgrund von Aktivitäten oder Vorfällen, bei denen PFAS in die Umwelt gelangt sein könnten — insbesondere durch den Einsatz von Löschschäumen.

Der Fall Sicli in Ukkel

Der schwerwiegendste Fall betrifft den ehemaligen Standort des Unternehmens Sicli (Feuerlöscherhersteller), Chaussée de Neerstalle 430 in Ukkel. Die am Standort produzierten Löschschäume enthielten große Mengen PFOS und PFOA.

  • April–Mai 2023: von Sicli beauftragte Analysen enthüllen extreme Konzentrationen
  • Dezember 2023: Brüssel Umwelt erfährt von den Ergebnissen
  • Juni 2025: gemeinsame öffentliche Bekanntmachung mit der Gemeinde Ukkel, nach dem Konkurs von Sicli und der Weigerung der Konkursverwalter, die Analysen fortzusetzen
  • September 2025: detaillierte Ergebnisse veröffentlicht — 31 PFAS-Verbindungen im Boden (Norm bis zu 708-fach überschritten) und 20 Verbindungen im Grundwasser (Norm bis zu 1.058-fach überschritten) auf dem Industriegelände; außerhalb des Geländes Werte 1,4- bis 530-fach über der Norm

Ein Sicherheitsperimeter von 100 Metern wurde eingerichtet: Verbot des Verzehrs von Obst, Gemüse, Eiern oder Kleinvieh aus Gärten in der Zone. Das von Vivaqua verteilte Trinkwasser ist nicht betroffen.

Trinkwasser: das TFA-Problem

Vivaqua erklärt, dass die europäische Norm von 100 ng/L für die Summe von 20 PFAS nirgendwo in der Region überschritten werde. Die Analysen offenbaren jedoch ein spezifisches Problem mit TFA (Trifluoressigsäure):

  • TFA wird in allen 6 Reservoirs nachgewiesen, die die Brüsseler versorgen
  • 97 % der 287 Analysen überschreiten die Norm von 500 ng/L für Gesamt-PFAS (in Kraft seit 12. Januar 2026)
  • Die Konzentrationen reichen von 500 bis 1.900 ng/L (Maximum am Reservoir Daussoulx-Bosvoorde)
  • Standard-Aktivkohlefilter können TFA nicht auffangen — nur Umkehrosmose funktioniert, zu hohen Kosten

Die Toxizität von TFA ist umstritten: Ein unabhängiger Wissenschaftsrat betrachtet das Risiko für den Menschen als „unwahrscheinlich", aber die niederländischen Gesundheitsbehörden weisen auf mögliche Auswirkungen auf Leber und Immunsystem hin.

Gesundheitsnormen vs. Qualitätsgrenzwerte

Der Hohe Gesundheitsrat (HGR) hat ein Gutachten mit deutlich strengeren Schwellenwerten als die gesetzlichen Normen vorgelegt: 4 ng/L für die Summe von 4 gängigen PFAS und 100 ng/L für die Summe von 20 PFAS. Der HGR hat auch einen Grenzwert von 13 µg/L für Perchlorat im Wasser festgelegt (2 µg/L für Säuglinge und Kleinkinder). Diese Schwellenwerte sind „maximale Gesundheitswerte" auf der Grundlage des Vorsorgeprinzips und nicht bloße „Qualitätsgrenzwerte" — ein wichtiger Unterschied, den die belgischen Behörden in der Trinkwasserverordnung noch nicht anwenden.

Inter-Environnement Bruxelles (IEB) fordert in seinem Gutachten von November 2025 zum künftigen Wasserbewirtschaftungsplan 2028-2033 eine nationale Harmonisierung der Richtwerte nach Gesundheitskriterien, den öffentlichen Zugang zu Daten der Gesundheitsüberwachung und die Analyse von Cocktaileffekten aufkommender Stoffe statt eines Molekül-für-Molekül-Ansatzes.

Regulierungsrahmen

  • März 2024: EU-Norm von 100 ng/L (Summe von 20 PFAS) in Brüssel in Kraft

  • Mai 2024: Erlass zur Integration der PFAS-Normen für Boden und Grundwasser (veröffentlicht im Belgischen Staatsblatt am 9. Juli 2024)

  • April 2025: Die Regierung genehmigt in erster Lesung einen Entwurf, der „Gesamt-PFAS" auf 500 ng/L definiert und TFA zur Überwachungsliste hinzufügt (Richtwert: 2.200 ng/L)

  • September 2025: Notfallmaßnahmen verpflichten zu sofortigem Handeln bei Entdeckung einer erheblichen PFAS-Verschmutzung in Böden oder im Grundwasser

  • Februar 2026: Der Umweltrat fordert einen integrierten Rahmen — Management bestehender Kontaminationen, nachhaltiger Schutz des Trinkwassers, Verursacherprinzip, gerechte Kostenverteilung

  • Januar 2026: Die EU-Norm „Gesamt-PFAS" (500 ng/L, einschließlich TFA) tritt in allen Mitgliedstaaten in Kraft (Richtlinie 2020/2184). Brüssel wandte die Norm „Summe 20 PFAS" (100 ng/L) bereits seit März 2024 an

Auf europäischer Ebene hat die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) vom 26. März bis zum 25. Mai 2026 eine öffentliche Konsultation zum Gutachtenentwurf ihres Ausschusses für sozioökonomische Analyse (SEAC) zur universellen PFAS-Beschränkung durchgeführt (mehr als 10.000 Stoffe, 14 Sektoren). Das endgültige Gutachten wird Ende 2026 erwartet; eine Entscheidung der Europäischen Kommission wird nicht vor dem dritten Quartal 2027 erwartet.

Verordnung (EU) 2025/1988 — Löschschäume

Am 2. Oktober 2025 hat die Europäische Kommission die Verordnung (EU) 2025/1988 angenommen und damit Eintrag 82 in Anhang XVII der REACH-Verordnung hinzugefügt. Diese Verordnung verbietet das Inverkehrbringen und die Verwendung von PFAS in Löschschäumen bei einer Konzentration ≥ 1 mg/L (Summe aller PFAS) ab dem 23. Oktober 2030. Der Bezug zum Fall Sicli ist unmittelbar: Das Unternehmen stellte genau die Art von PFAS-haltigen Schäumen und Feuerlöschern her, die von dieser Beschränkung betroffen sind.

Zeitplan der Verbote:

  • 23. Oktober 2026: Pflichtkennzeichnung für Schäume ≥ 1 mg/L + strenge Nutzungsbedingungen (nur Brände der Klasse B, standortspezifischer Managementplan, getrennte Abfallsammlung, Verbrennung ≥ 1.100 °C)
  • 23. Oktober 2026: Ende des Inverkehrbringens von tragbaren PFAS-haltigen Feuerlöschern
  • 23. April 2027: Ende der Verwendung für Ausbildung/Tests und durch öffentliche/private Feuerwehrdienste
  • 31. Dezember 2030: Ende der Verwendung in tragbaren Feuerlöschern
  • 23. Oktober 2030: allgemeines Verbot
  • 23. Oktober 2035: Ende der Ausnahmen für Seveso-Betriebe (außer zivile Flughäfen), Offshore-Öl/Gas, Militärschiffe und Zivilschiffe

Schlüsseldaten: 30.000 Tonnen Löschschaum pro Jahr in der EU produziert, davon 18.000 t (60 %) PFAS-haltig. Geschätzte jährliche Emissionen: 470 Tonnen PFAS. Sozioökonomische Kosten der Beschränkung: ~7 Milliarden EUR über 30 Jahre.

Europäischer und rechtlicher Kontext

  • Januar 2026: Eine von der Europäischen Kommission in Auftrag gegebene Studie schätzt die Kosten der PFAS-Verschmutzung auf 440 Milliarden Euro bis 2050 ohne zusätzliche Maßnahmen — allein die Aufbereitung von verschmutztem Wasser würde 1.000 Milliarden Euro übersteigen
  • Februar 2026: Eröffnung des 3M-Prozesses in Antwerpen — 1.400 Anwohner aus Zwijndrecht fordern jeweils 20.000 EUR (insgesamt 28 Millionen EUR) wegen übermäßiger Nachbarschaftsbelästigung durch PFAS. Ein Präzedenzfall von 2023 sprach einer Familie 2.000 EUR zu. Am 26. Februar 2026 hat der Friedensrichter das Verfahren auf den 24. November 2026 vertagt und die Einteilung der Kläger in drei Kategorien angeordnet (zu klärende Zulässigkeit; Anwohner im Umkreis von 15 km zwischen 2021 und 2023; Übrige). Wichtige Rechtsprechung für das Verursacherprinzip, anwendbar auf den Fall Sicli
  • März-Mai 2026: Öffentliche Konsultation der ECHA zum SEAC-Gutachtenentwurf zur universellen PFAS-Beschränkung (über 10.000 Stoffe), geschlossen am 25. Mai 2026. Endgültiges Gutachten Ende 2026 erwartet

Zu verfolgende Punkte

  • Sanierung Sicli: Wer bezahlt nach dem Konkurs? Brüssel Umwelt verhandelt mit Eigentümer Afitec. Die 3M-Rechtsprechung (Verhandlung vertagt auf den 24. November 2026) könnte das Verursacherprinzip stärken. Die Detailstudie und die dritte Informationsveranstaltung, angekündigt für Anfang 2026, waren am 12. Juni 2026 noch nicht öffentlich kommuniziert
  • Kosten der Wasseraufbereitung: Umkehrosmose zur Entfernung von TFA könnte sich auf die Verbraucherrechnungen auswirken. Die Kommissionsstudie schätzt die Kosten für die Aufbereitung von verschmutztem Wasser auf über 1.000 Milliarden Euro auf europäischer Ebene
  • Integrierter Rahmen: Wird die Brüsseler Regierung auf die Empfehlungen des Umweltrats eingehen?
  • Kartierung: Die Analysekampagnen laufen weiter — die Zahl der kontaminierten Parzellen könnte steigen
  • TFA-Norm: Der vom Gewest vorgeschlagene Richtwert von 2.200 ng/L wird von manchen Experten als unzureichend betrachtet. Der HGR empfiehlt deutlich strengere Schwellenwerte (4 ng/L für 4 gängige PFAS)
  • WBP 2028-2033: Der künftige Wasserbewirtschaftungsplan wird die PFAS-Problematik integrieren. IEB fordert eine nationale Harmonisierung der Normen, öffentlichen Zugang zu Gesundheitsüberwachungsdaten und die Analyse von Cocktaileffekten
  • SIAMU-Pflichten: Ab dem 23. Oktober 2026 müssen die Brüsseler Feuerwehrdienste (SIAMU) einen standortspezifischen Managementplan für PFAS-haltige Löschschäume erstellen (Nutzungsbedingungen, Mengen, Sammlung, Reinigung, Substitutionsstrategie), jährlich überprüft und 15 Jahre aufbewahrt. Ausbildung und Tests mit PFAS-Schäumen werden ab April 2027 verboten

Häufig gestellte Fragen

Was sind PFAS und woher stammt die Verunreinigung in Brüssel?

PFAS (per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen) sind sehr langlebige chemische Verbindungen, oft « Ewigkeitschemikalien » genannt, die in zahlreichen Industrie- und Verbraucherprodukten vorkommen. Im Gegensatz zu Flandern gibt es in der Region Brüssel keine PFAS-Produktionsstätte : Die Verunreinigung stammt aus der weitverbreiteten Verwendung PFAS-haltiger Produkte und aus bestimmten Industriestandorten, insbesondere über Löschschäume. Brüssel Umwelt führt Analysekampagnen zu Boden und Grundwasser durch.

Ist das Brüsseler Leitungswasser von PFAS betroffen?

Das Verteilungswasser wird von Vivaqua verwaltet, dem öffentlichen Brüsseler Betreiber. Laut Vivaqua wird die europäische Norm für die Summe von 20 PFAS nirgendwo in der Region überschritten. Eine Debatte betrifft TFA, einen Stoff, der nun in die Norm « Gesamt-PFAS » der europäischen Trinkwasserrichtlinie aufgenommen wurde, die in Brüssel umgesetzt ist. Die regionalen Behörden und der Betreiber gewährleisten die Nachverfolgung der Analysen : Zu den Gesundheitsschwellen geben spezialisierte Gremien Gutachten ab.

Wer überwacht PFAS in Brüssel und nach welchem Rahmen?

Die Überwachung von Boden und Wasser obliegt Brüssel Umwelt, der regionalen Umweltverwaltung. Das Verteilungswasser obliegt Vivaqua, reguliert durch BRUGEL. Der Rahmen kombiniert europäische Normen (Trinkwasserrichtlinie, REACH-Beschränkungen), ihre regionale Umsetzung und Gutachten von Gremien wie dem Umweltrat und dem Hohen Gesundheitsrat. Der Umweltrat hat einen integrierten Rahmen auf der Grundlage des Verursacherprinzips gefordert.

Quellen

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