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Brussels Governance Monitor

Reform der Regionalverwaltung: von 25 Einheiten zu 4 Säulen

In BearbeitungRegionalBGM-Schätzung
Kürzlich überprüft ·

Die Brüsseler Regierung kündigt einen administrativen «Big Bang» an: Umstrukturierung von ~25 regionalen Einheiten in 4 Säulen, verlängerter Einstellungsstopp, Sparziel von 250-300 Mio. EUR bis 2029. Erste bestätigte Fusion: perspective.brussels + urban.brussels im Jahr 2026.

Geschätztes Budget

250-300 Mio. EUR angestrebte Einsparungen (2029)

Kennzahlen

~25

Aktuelle regionale Einheiten

4

Zielsäulen

~12 000(+37 % seit 2015)

Regionale Beamte

1,8Mrd. EUR (+50 % seit 2018, inkl. STIB-MIVB)

Lohnmasse

250-300Mio. EUR bis 2029

Angestrebte Einsparungen

67Mio. EUR/Jahr bis 2029

Angestrebte Beratungseinsparungen

≥107Mio. EUR (davon ~50 an Deloitte)

Private Beratung (2018-2022)

1 / 100(vs. 1/280 in Flandern/Wallonien)

Verhältnis Beamte / Einwohner

Aktivseit Dez. 2023, verlängert ohne Enddatum

Einstellungsstopp

2026perspective.brussels + urban.brussels

Prioritäre Fusion

Warnungen

  • Einführung eines regionalen «pool de compétences» zur Umleitung von überzähligem Personal (sozialer Dialog ab 14. Juli 2026)3. Juli 2026
  • perspective.brussels: Mandat des Generaldirektors vakant seit dessen Ablauf wegen der angekündigten Fusion mit urban.brussels, Personalunruhe (11. Juni 2026)11. Juni 2026
  • Erlass in erster Lesung am 5. März 2026 genehmigt (transversale Verwaltung)5. März 2026
  • DPR kündigt administrativen Big Bang an: 25 Einheiten → 4 Säulen13. Februar 2026
  • Fusion perspective + urban.brussels für 2026 bestätigt13. Februar 2026
  • Rechnungshof: ablehnendes Gutachten zu den Konten 20247. November 2025
  • Einstellungsstopp verlängert (aktiv seit Dez. 2023)1. Dezember 2023

Beteiligte Akteure

SPRB (Öffentlicher Dienst der Region Brüssel)talent.brusselsperspective.brusselsurban.brusselsBruxelles Environnement (IBGE)ActirisInnovirisParking.brusselsRechnungshofGewerkschaften (CSC, CGSP)

Der angekündigte «Big Bang»: von ~25 Einheiten zu 4 Säulen

Die Regionale Politikerklärung (DPR) vom 13. Februar 2026 kündigt eine umfassende Umstrukturierung der Brüsseler Verwaltung an. Das Ziel: die rund 25 regionalen Einheiten in 4 grosse Säulen zusammenzuführen, um bis 2029 Einsparungen von 250 bis 300 Millionen EUR zu erzielen.

Säule 1 — Gemeinsamer Unterstützungsdienst

Bündelung der Querschnittsfunktionen: Personalwesen (talent.brussels), Informatik (Paradigm, Connect IT), Finanzen und Haushalt, Statistik (IBSA), Chancengleichheit (Equal.brussels), Verwaltungsvereinfachung (Easy.brussels).

Säule 2 — Organische Aufgaben (SPRB)

Zusammenführung der politischen Direktionen: Bruxelles International, Bruxelles Mobilité (Verwaltungsfunktionen), Bruxelles Économie (mit Innoviris, Screen.Brussels), Bruxelles Emploi (Eingliederung von Actiris «in Prüfung»), Bruxelles Pouvoirs locaux, Bruxelles Logement (mit Homegrade), Bruxelles Urbanisme (Fusion perspective.brussels + urban.brussels — für 2026 bestätigt), Safe.Brussels. Unter diesen Direktionen übernimmt Brussels International das regionale Kommissariat für Europa, dessen Posten zum 1. Juli 2026 abgeschafft werden soll: siehe das eigene Dossier.

Säule 3 — infrastructure.brussels

Öffentlich-rechtliche Gesellschaft, die die operativen Dienste zusammenfasst: Bruxelles Mobilité (Abteilungen Bau, Instandhaltung, DITP), Hafen von Brüssel (Infrastruktur), Bruxelles Environnement (operative Dienste), Parking.brussels, LEZ-Verwaltung, ANPR-Kameras.

Säule 4 — Grundstücksplattform

Koordination der Bodenverwaltung: SAU (Gesellschaft für Stadtentwicklung), citydev.brussels, SLRB (Sozialwohnungen), Wohnungsfonds, Hafen von Brüssel (Grundstückskonzessionen).

Einstellungsstopp

Der im Dezember 2023 von der scheidenden Regierung eingeführte Einstellungsstopp wird ohne Enddatum verlängert:

  • 2026: vollständiger Stopp (operativ + nicht-operativ)
  • Ab 2027: Stopp beibehalten ausser bei operativen Funktionen
  • Mechanismus: kein Ersatz bei Abgängen (Pensionierungen, Kündigungen), bevorzugte interne Mobilität
  • Keine Entlassungen angekündigt
  • Geplante Einsparungen: 50 Mio. EUR (2026), kumuliert 125 Mio. EUR (2029)
  • Zusätzliche Einsparung von 25 Mio. EUR durch Verkleinerung der Ministerkabinette

Ein regionaler «pool de compétences» zur Abfederung des Einstellungsstopps (3. Juli 2026)

Der Brüsseler Minister für den öffentlichen Dienst Dirk De Smedt (Anders) kündigte am 3. Juli 2026 die Einführung eines «pool de compétences» an (niederländisch: competentiepool — bislang wurde noch kein offizieller Begriff auf Französisch, Niederländisch, Englisch oder Deutsch kommuniziert; BGM verwendet diese beschreibende Arbeitsübersetzung), der Personal aus überbesetzten Verwaltungen in Dienste mit Personalmangel umleiten soll.

Das Instrument soll strukturell auf die Lücke reagieren, die durch den Einstellungsstopp (aktiv seit Dezember 2023, siehe oben) entstanden ist: Der Stopp hat den Personalzugang verringert, aber das Ungleichgewicht zwischen Verwaltungen mit Personalüberschuss und solchen mit tatsächlichem Bedarf nicht gelöst. Zwei Wege sind vorgesehen:

  • Ein Schnellweg: freiwillige Bedienstete durchlaufen ein zentrales Matching-Verfahren und können innerhalb von 4 bis 8 Wochen in einem Dienst mit konkretem Bedarf beginnen, unter Beibehaltung ihres Status
  • Ein Requalifizierungsweg, länger (6 bis 18 Monate), für Wechsel, die eine Kompetenzauffrischung erfordern

Der soziale Dialog über das Projekt beginnt am 14. Juli 2026, gefolgt von einer Pilotphase zur Erprobung der ersten Wege. Die vollständige Operationalisierung wird für den 30. Juni 2027 angestrebt. Die Gewerkschaften fordern rasch Klarheit über die betroffenen Verwaltungen.

Quelle: BRUZZ (3. Juli 2026). Vertrauensniveau: unconfirmed (Einzelquelle, kein anderes Medium hat die Information bisher übernommen).

Erste Fusion: perspective.brussels + urban.brussels (2026)

Die Fusion von perspective.brussels (Territorialentwicklung, 174 Mitarbeitende) und urban.brussels (Städtebau und Denkmalschutz) zu einer einheitlichen Einheit «Bruxelles Urbanisme» ist die erste angekündigte konkrete Massnahme. Sie zielt darauf ab, eine integrierte Genehmigung zu schaffen, die die Zuständigkeiten für Städtebau und Umwelt zusammenführt (derzeit zwischen Bruxelles Environnement und urban.brussels aufgeteilt).

Der Fall Actiris (1 518 Mitarbeitende, Personalbestand in 20 Jahren verdoppelt) wird als mögliche Eingliederung in «Bruxelles Emploi» identifiziert, befindet sich aber noch im Prüfungsstadium.

Erlass in erster Lesung genehmigt (5. März 2026)

Die Regierung Dilliès hat am 5. März 2026 in erster Lesung einen Erlass zur Schaffung einer großen transversalen Verwaltung genehmigt. Dieses Projekt konkretisiert Säule 1 (gemeinsamer Unterstützungsdienst) durch die Zusammenführung transversaler Funktionen (Personal, IT, Finanzen, Haushalt, Statistik) unter einer einzigen Struktur, unter der Aufsicht des Ministers für öffentlichen Dienst Dirk De Smedt (Anders).

Dies ist der erste formelle Gesetzgebungsakt der 4-Säulen-Reform. Die zweite Lesung wird in den kommenden Wochen erwartet.

Quellen: Le Soir, BRUZZ (5. März 2026).

Zweite Lesung — 5. Juni 2026: Die Brüsseler Regierung hat die zweite Lesung des ersten Pfeilers (gemeinsamer Unterstützungsdienst) genehmigt. Mehr als hundert Beamte verschiedener Verwaltungen wirkten an der Vorbereitung mit; die Regierung will die neue Struktur bis zum Sommer 2026 dauerhaft verankern. Nächster Schritt: Einreichung beim Brüsseler Parlament.

Beratungskosten im Visier

Die Senkung der Beratungskosten ist einer der von der Regierung angeführten Spar-Hebel: bis zu 67 Millionen EUR pro Jahr sollen bei diesem Posten bis 2029 eingespart werden, innerhalb eines Pakets von 281 Millionen EUR zur „Optimierung der operativen Ressourcen".

Das Thema ist seit Langem dokumentiert. Laut von der Presse weitergegebenen Daten von openbudgets.brussels gaben die Brüsseler öffentlichen Dienste mindestens 107 Millionen EUR für private Audit- und Beratungsfirmen im Zeitraum 2018-2022 aus, davon rund 50 Millionen allein für Deloitte (vor KPMG, EY und PwC). Eine Studie der PTB bezifferte die Gesamtsumme 2019-2024 auf etwa 470 Millionen EUR.

Im Juni 2026 stellte eine Presserecherche (Le Vif) fest, dass der Rückgriff auf IT-Beratung anhielt — über 300 000 EUR für 1,5 Vollzeitäquivalente in einem Jahr bei einer regionalen Ausschreibung —, was die Schwierigkeit verdeutlicht, den angekündigten Kurs einzuhalten. (Pressedaten, Einzelquelle, über die öffentlichen Ausschreibungen zu bestätigen.)

Entwicklung des Personalbestands: 243 Mitarbeitende (1989) bis 12 000 (2024)

Die Brüsseler Regionalverwaltung hat seit der Gründung der Region im Jahr 1989 ein kontinuierliches Wachstum erfahren:

  • 1989: 243 Mitarbeitende im Ministerium der Region Brüssel-Hauptstadt (MRBC)
  • 2015: 8 756 regionale Beamte
  • 2023: 12 093 Beamte (+37 % in 8 Jahren)
  • Lohnmasse (inkl. STIB-MIVB): von 1,2 Mrd. EUR (2018) auf 1,8 Mrd. EUR (2024), d.h. +50 %
  • Verhältnis: 1 regionaler Beamter pro 100 Einwohner (vs. 1/280 in Flandern und Wallonien)

Dieses Wachstum erklärt sich durch die aufeinanderfolgenden Kompetenztransfers (6. Staatsreform, 2014), die Auflösung der Provinz Brabant (1993) und die fortlaufende Gründung neuer Einrichtungen: visit.brussels, Innoviris, parking.brussels, perspective.brussels, hub.brussels usw.

Finanzieller Kontext: ablehnendes Gutachten des Rechnungshofs

Das 30. Bemerkungsheft des Rechnungshofs (November 2025) hat ein ablehnendes Gutachten zu den Konten 2024 der Region abgegeben und dabei «signifikante Anomalien mit diffuser Auswirkung» in den 21 autonomen Verwaltungseinrichtungen festgestellt. Schlüsselzahlen:

  • Tatsächliches Defizit: 1,65 Mrd. EUR (31,5 % der Einnahmen)
  • Konsolidierte Bruttoverschuldung: 15,6 Mrd. EUR (+76,7 % im Zeitraum 2020-2024)
  • Zinsaufwand: von 91 Mio. EUR (2016) auf 399 Mio. EUR (2024), d.h. ×4,4

Dokumentierte Skepsis

Mehrere Experten und institutionelle Akteure haben Vorbehalte gegenüber der Machbarkeit der Reform geäussert:

  • Prof. Marie Goransson (ULB): «Damit kommt man immer noch nicht auf 500 Millionen Einsparungen.» Sie schätzt, dass ohne Entlassungen die Einsparungen von der natürlichen Fluktuation abhängen — ein langsamer und unsicherer Prozess.
  • CSC (Gewerkschaft): Fragen zur physischen Zusammenlegung der Gebäude und zu den Übergangsschutzmassnahmen für das Personal.
  • Voka: «Die Vereinbarung enthält die richtigen Zutaten, aber es bleiben Fragen zur Haushaltsentwicklung.»

Angekündigter Zeitplan

  • 2026: Start der Säulen 1 und 2, Priorität für die Fusion perspective + urban.brussels
  • 2027: Beginn der Reformen von Säule 3 (infrastructure.brussels)
  • 2029: Ziel des regionalen Haushaltsausgleichs

Leitung von perspective.brussels: Mandat seit der angekündigten Fusion vakant (Juni-Juli 2026)

Das Mandat des Generaldirektors von perspective.brussels (Antoine de Borman) ist ausgelaufen, ohne dass die Brüsseler Regierung über seine Verlängerung entschieden hätte — gerade wegen der angekündigten Fusion mit urban.brussels (siehe Pfeiler 2 oben). Am 11. Juni 2026 äußerte eine Personalversammlung ihre Besorgnis über diese vakante Leitung und die allgemeine Unsicherheit rund um die Reform. Die zuständige Staatssekretärin, Audrey Henry, erkannte die Bedenken an und versprach Konsultationen, ohne eine Entscheidung anzukündigen.

Warum dies vermerkt wird: Der Mechanismus ist derselbe, der zur Abschaffung des Postens des regionalen Europakommissars führte (siehe eigenes Dossier) — die institutionelle Vereinfachung macht Leitungsmandate überflüssig, sobald zwei Einrichtungen fusionieren. Anders als beim Europakommissariat wurde jedoch bislang keine Abschaffungsentscheidung offiziell angekündigt: Es handelt sich um ein eingefrorenes/vakantes Mandat in Erwartung der Fusion, nicht um eine gestrichene Stelle. BGM stuft dieses Dossier als „in Entwicklung" ein, nicht zu verwechseln mit einem abgeschlossenen Fall.

Quelle: BX1 (11. Juni 2026). Vertrauen: official (Feststellung der Vakanz, Personalversammlung); unconfirmed (Ausgang der Fusion, endgültige Entscheidung über das Mandat).

Zu verfolgende Entwicklungen

  • Umstrukturierungsverordnungen: notwendiger Rechtsrahmen für die Fusionen der Einrichtungen öffentlichen Interesses (OIP)
  • Fusion perspective + urban.brussels: erster konkreter Test (2026)
  • Personalbestand Actiris: Eingliederung in «Bruxelles Emploi» — Entscheidung ausstehend
  • Bericht talent.brussels: jährliche Personalzahlen (Überwachung der natürlichen Fluktuation)
  • Rechnungshof: nächstes Bemerkungsheft (Überwachung der realisierten Einsparungen)
  • Gewerkschaftliche Reaktionen: Verhandlungen über Übergangsschutzmassnahmen

Häufig gestellte Fragen

Worin besteht die Reform der Brüsseler Verwaltung ?

In der Regionalen Politikerklärung angekündigt, soll die Reform die heutige Vielzahl regionaler Einheiten in vier grosse Säulen zusammenführen : einen gemeinsamen Unterstützungsdienst, die organischen Aufgaben des regionalen öffentlichen Dienstes, eine Infrastrukturgesellschaft und eine Grundstücksplattform. Das erklärte Ziel ist es, die Verwaltung zu rationalisieren und Einsparungen zu erzielen. Die erste konkrete Massnahme ist die Fusion von perspective.brussels und urban.brussels.

Wer entscheidet über die Reform, und auf welcher Machtebene ?

Die Reform fällt in die regionale Ebene. Die Brüsseler Regierung legt den Rahmen durch Erlasse fest, die mehreren Lesungen unterliegen, und übermittelt anschliessend die Teile, die eine gesetzliche Grundlage erfordern, an das Brüsseler Parlament. Fusionen von Einrichtungen öffentlichen Interesses erfordern Umstrukturierungsverordnungen. Der Rechnungshof prüft die regionalen Konten und veröffentlicht seine Bemerkungen.

Warum will Brüssel den Rückgriff auf Beratung verringern ?

Die Senkung der Beratungskosten wird als einer der Sparhebel der Reform dargestellt. Der Rückgriff auf private Audit-, Beratungs- und IT-Firmen ist seit Langem von der Presse auf der Grundlage offener Haushaltsdaten dokumentiert. Es geht darum, Kompetenzen wieder intern aufzubauen und eine als hoch erachtete Ausgabe zu begrenzen, in einem angespannten regionalen Haushaltskontext.

Führt die Reform zu Entlassungen von Beamten ?

Es werden keine Entlassungen angekündigt. Der wichtigste Mechanismus beruht auf einem Einstellungsstopp : Abgänge (Pensionierungen, Kündigungen) werden nicht ersetzt, interne Mobilität wird bevorzugt und die Lohnmasse sinkt durch natürliche Fluktuation. Experten betonen, dass dieser Prozess langsam und unsicher ist, was den angestrebten Sparkurs belastet.

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