Institutionelle Reform: Fusion von 25 Strukturen in 4 Säulen
LaufendDieses Dossier verläuft im aktuellen Rahmen normal.
Die RPE sieht die ambitionierteste Umstrukturierung des Brüsseler Regionalapparats vor: Fusion von 25 Strukturen in 4 Säulen (Querschnittsdienste, Kernaufgaben, infrastructure.brussels, Grundstückskoordination). Die Säulen 1 und 2 sollen ab 2026 operativ sein.
Kurz gefasst (leichte Sprache)
Die Regierung wird 25 regionale Einrichtungen zu 4 großen Strukturen zusammenlegen. Ziel ist es, die Kosten um 20 bis 30 % zu senken und die Verwaltung zu vereinfachen.
Schluesselzahlen
25
Regionale Strukturen vor der Reform
4Säulen (+ operative Einheiten)
Strukturen nach der Reform (Säulen)
-20 bis -30 %der Betriebskosten
Angestrebte Betriebseinsparungen
2026operativ
Säulen 1 & 2 — Frist
Bis 1. Juni 2026
GGC — Vorläufige Zwölftel verlängert
Institutionelle Meilensteine erreicht
Der institutionelle Kalender hat die wichtigsten Etappen durchlaufen:
- Montag, 23. Februar — der Ministerpräsident hat die Regionale Politikerklärung (DPR) im Brüsseler Parlament in Plenarsitzung vorgestellt
- Montag, 23. Februar um 16:30 Uhr — Ahmed Laaouej (PS) hat die Gemeinschaftspolitikerklärung (DPC) der Cocof im Frankophonen Brüsseler Parlament vorgestellt
- Freitag, 27. Februar — Vertrauensabstimmung im Brüsseler Parlament: 51 Stimmen dafür (MR, PS, Engagés, Groen, Anders, Vooruit; CD&V externe Unterstützung), 27 dagegen (N-VA, DéFI, PTB, Ecolo, TFA). Die Regierung Dilliès ist offiziell im Amt
Cocof: Vorsitz und Zuständigkeiten
Die Einigung über den Vorsitz des Frankophonen Brüsseler Parlaments (Versammlung der Cocof) wurde am 23. Februar 2026 besiegelt:
- Rudi Vervoort (PS) führt den Vorsitz bis zum 1. November 2027
- Gladys Kazadi (Les Engagés) übernimmt für den Rest der Legislaturperiode
- Vergütung: +35.000 EUR/Jahr zusätzlich zur Abgeordnetenentschädigung
Die Verteilung der Cocof-Zuständigkeiten wird kritisiert:
| Zuständigkeit | Minister | Partei | Aufsicht |
|---|---|---|---|
| Beschäftigung & Wirtschaft | Laurent Hublet | Les Engagés | Actiris |
| Berufsausbildung | Boris Dilliès | MR | Bruxelles Formation |
| Sozialer Zusammenhalt, Kultur, Soziales | Ahmed Laaouej | PS | — |
| Kinderbetreuung, Gesundheit, öffentlicher Dienst, Haushalt | Karine Lalieux | PS | — |
Die Trennung Beschäftigung/Ausbildung stellt Actiris und Bruxelles Formation unter verschiedene ministerielle Aufsicht — eine Entscheidung, die von der Opposition angefochten wird (Bernard Clerfayt, DéFI, verweist auf die OECD-Empfehlungen zugunsten der Integration).
Zweisprachigkeit: Engagement und Kontroverse
Die RPE schreibt Zweisprachigkeit als institutionelle Priorität fest. Der Ministerpräsident hat öffentlich seine unzureichenden Niederländischkenntnisse eingeräumt und erklärt, er schulde es den Brüsselern, sich zu verbessern. Die niederländischsprachige Presse hat dieses Thema ausführlich behandelt und seine Bedeutung in einer offiziell zweisprachigen Region hervorgehoben. Das Thema bleibt in der Region Brüssel-Hauptstadt sensibel, wo die Zweisprachigkeit der Institutionen eine gesetzliche Verpflichtung ist.
Die Verzögerung bei der Fertigstellung der niederländischsprachigen Fassung der RPE — fünf Tage nach dem Abkommen noch nicht verfügbar, laut BRUZZ (17. Februar 2026) — hat die Debatte über die institutionelle Zweisprachigkeit neu entfacht. Die Sprachenfrage bleibt ein strukturelles Thema in Belgien: Die Verfassung von 1831 erhielt erst 1967 einen offiziellen niederländischen Text — 136 Jahre lang war nur der französische Text rechtsverbindlich. Die deutsche Fassung wurde erst 1991 angenommen.
VUB/BRIO-Sprachbarometer: 25 Jahre sprachlicher Rückgang
Die fünfte Ausgabe des Taalbarometer (VUB/BRIO, Mai 2024) dokumentiert über 25 Jahre die sprachliche Entwicklung Brüssels:
| Indikator | 2000 | 2024 | Entwicklung |
|---|---|---|---|
| Gesprochene Sprachen in Brüssel | 72 | 107 | +49 % |
| Französischkenntnisse | ~100 % | 81 % | −19 Punkte |
| Niederländischkenntnisse | 33 % | 22,3 % | −10,7 Punkte |
| Englischkenntnisse | 33 % | 47 % | +14 Punkte |
| Spricht weder FR, NL noch EN | 3 % | 10,5 % | ×3,5 |
| NL in frankophonen Schulen | 20 % | 6,5 % | −13,5 Punkte |
Englisch überholt nun Niederländisch als zweitbekannteste Sprache, während 10,5 % der Bevölkerung keine der drei Hauptsprachen beherrscht (25 % bei Nicht-Europäern). Diese faktische Diagnose beleuchtet direkt die Verpflichtungen des nachstehenden Masterplans.
Quelle: Saeys, Laurent Simon & Kavadias, Het Nederlands in een meertalige context, BRIO 2024; VRT NWS / BRUZZ (15. Mai 2024).
Masterplan Zweisprachigkeit („Masterplan Tweetaligheid")
Die RPE kündigt einen sektorübergreifenden Masterplan Zweisprachigkeit mit mehreren gleichzeitigen Handlungssträngen an:
- Krankenhäuser: jedes Brüsseler Krankenhaus muss einen Sprachpolitikplan („taalbeleidsplan") einreichen. Das Personal kann geförderte Sprachkurse besuchen. Ziel ist die Gewährleistung des Zugangs zur Versorgung in beiden Amtssprachen — ein sensibler Punkt seit dem Fall Baby Cisse (Versagen der niederländischsprachigen Kommunikation in der Notaufnahme).
- Regionale Verwaltung: zusätzliche Finanzierung für Sprachkurse in den eigenständigen öffentlichen Einrichtungen (OIP) und dem regionalen öffentlichen Dienst (SPRB). Talent.brussels verwaltet bereits die Zweisprachigkeitsprämien (600 bis 3.200 EUR/Jahr je nach SELOR/GER-Niveau).
- Gemeinden und ÖSHZ: Begleitung zur Stärkung der Zweisprachigkeit in den lokalen öffentlichen Diensten.
- Arbeitssuchende: obligatorischer Sprachtest bei der Anmeldung bei Actiris; obligatorische FR/NL-Ausbildung bei Nichtbestehen (siehe Karte Beschäftigung).
Parallel dazu entwickelt Flandern-Ministerin Cieltje Van Achter (N-VA) einen separaten „Totaalplan" über das Huis van het Nederlands, um den Gebrauch des Niederländischen in Brüssel zu stärken. Beide Pläne (regional und Flämische Gemeinschaft) überschneiden sich vor Ort, fallen aber unter verschiedene Verwaltungsebenen — eine typische Illustration der Brüsseler institutionellen Komplexität.
Vorsitz und GPE der Cocof
Am 20. Februar 2026 hat das Kollegium der Cocof die Gemeinschaftspolitikerklärung genehmigt. Ahmed Laaouej (PS) ist Ministerpräsident der Cocof, gemäß der Konvention, die dieses Amt der zweitgrößten frankophonen Koalitionspartei zuweist. Die Gemeinschaftsmehrheit besteht aus MR, PS und Les Engagés.
Die GPE wurde dem Frankophonen Brüsseler Parlament am 23. Februar 2026 vorgestellt. Die angekündigten Prioritäten umfassen die Untertitelung von BX1 (Niederländisch, Englisch, Barrierefreiheit), die Bekämpfung des Schulabbruchs, die Berufsausbildung, einen integrierten Sozial-Gesundheitsplan und den Ausbau der Kinderbetreuungsplätze.
VGC: Kollegium und Zuständigkeiten
Das Kollegium der VGC (Vlaamse Gemeenschapscommissie / Flämische Gemeinschaftskommission) — das Exekutivorgan der niederländischsprachigen Gemeinschaft in Brüssel — besteht aus den drei niederländischsprachigen Mitgliedern der Brüsseler Regionalregierung:
| Mitglied | Partei | VGC-Zuständigkeiten |
|---|---|---|
| Elke Van den Brandt (Vorsitzende) | Groen | Haushalt, Wohlfahrt, Gesundheit, Familie, Stadtpolitik |
| Dirk De Smedt | Anders | Bildung, Schulbau, öffentlicher Dienst, Medien (BRUZZ) |
| Ans Persoons | Vooruit | Kultur, Jugend, Sport, Gemeinschaftszentren, Zusammenleben, Vielfalt |
Der Raad (Rat) der VGC, bestehend aus den 17 niederländischsprachigen Parlamentariern des Brüsseler Parlaments, wird von Benjamin Dalle (CD&V) geleitet. Die flämische Ministerin Cieltje Van Achter (N-VA), zuständig für Brüssel, nimmt an den Kollegiumssitzungen mit beratender Stimme teil.
Struktureller Unterschied zur COCOF: Im Gegensatz zur COCOF, die seit 1993 über Dekretbefugnis verfügt (sie kann Dekrete mit Gesetzeskraft erlassen), hat die VGC keine eigene Gesetzgebungsbefugnis. Ihre Zuständigkeiten werden von der Flämischen Gemeinschaft delegiert, die die Aufsicht behält. Die VGC übt ihre Zuständigkeiten durch Verordnungen aus, nicht durch Dekrete — eine grundlegende institutionelle Asymmetrie in der Brüsseler Architektur.
Am 6. März 2026 hat der Raad der VGC das Mehrheitsabkommen „Brussel, dat is zoveel meer" („Brüssel, das ist so viel mehr") genehmigt. Das Abkommen gliedert sich in sechs Säulen: Kinderbetreuung, Bildung, Kultur, Jugend, Sport und Wohlfahrt. Zu den Prioritäten gehören: Bekämpfung des Lehrermangels und des Schulabbruchs, Ausbau der Familienzentren, eine VGC-weite Lesepolitik mit Zusammenarbeit zwischen Schulen und Bibliotheken sowie eine „Schwimmoffensive" für neue öffentliche Schwimmbäder. Es wurden keine Haushaltszahlen vorgelegt; die Kollegiumsvorsitzende kündigte einen Mehrjahreshaushalt für das Frühjahr 2026 an. Die Opposition (N-VA, TFA, Vlaams Belang, PVDA) kritisierte das Abkommen als zu vage und ohne messbare Ziele.
In derselben Sitzung wurde Benjamin Dalle (CD&V) offiziell zum Raad-Vorsitzenden gewählt, mit der Schaffung eines zusätzlichen Sekretärspostens für die vier niederländischsprachigen Mehrheitsparteien.
Ministerrat — 5. März 2026
Der Ministerrat vom 5. März 2026 markierte die ersten konkreten Schritte der neuen Regierung:
Verwaltungsreform (Erlass in 1. Lesung)
Die Regierung hat in erster Lesung einen Erlass genehmigt, der die Grundlagen für die Verwaltungsreform legt. Das Projekt schafft eine ressortübergreifende gemeinsame Verwaltung unter der Aufsicht von Minister für öffentlichen Dienst Dirk De Smedt (Anders). Das Ziel: den Übergang von 25 Strukturen zu 4 Säulen umsetzen, beginnend mit den gemeinsamen Unterstützungsdiensten (Säule 1). Eine zweite Lesung wird erwartet.
Bundesdotation Feuerwehr verdreifacht
Die Kammer stimmte am 5. März 2026 für die nahezu Verdreifachung der Bundesdotation für den SIAMU (Brüsseler Feuerwehr- und Rettungsdienst): von 5,7 Millionen EUR auf 15,4 Millionen EUR. Diese Korrektur folgt auf ein Urteil des Verfassungsgerichts von 2022, das den Ausschluss Brüssels von der Bundesfinanzierung der Hilfeleistungszonen seit der Reform von 2015 als diskriminierend einstufte. Der strukturelle Rahmen für alle Hilfeleistungszonen steigt von 7,5 auf 17,5 Millionen EUR/Jahr. Ab dem 1. Januar 2027 werden die Dotationen jährlich indexiert.
Verpflichtungen der RPE
Die Regionale Politikerklärung vom 13. Februar 2026 sieht die ambitionierteste Umstrukturierung in der Geschichte der Brüsseler Verwaltung vor. Kapitel 4 beschreibt die Fusion von 25 regionalen Strukturen in 4 Säulen.
Säule 1: Brüssel-Querschnittsdienste (gemeinsame Unterstützung)
Bündelt die gemeinsamen Unterstützungsdienste der gesamten Region:
- SPRB Personalwesen, Talent.Brussels
- Finanzen & Budget, Connect IT, Paradigm
- Equal.Brussels, Easy.Brussels
- Grundstücksverwaltung, IBSA (Statistik)
- Brüssel Steuerwesen (einschließlich LEZ, ANPR, Kilometerabgabe)
Säule 2: SPRB Kernaufgaben
Bündelt die Fachverwaltungen:
- Brüssel-International, Brüssel-Mobilität
- Brüssel-Wirtschaft, Brüssel-Beschäftigung (mit Actiris?)
- Brüssel-Lokale Behörden, Brüssel-Wohnungswesen (mit Homegrade)
- Brüssel-Umwelt (ohne Parks), Brüssel-Stadtplanung (Fusion perspective.brussels + urban.brussels)
- Safe.Brussels
Säule 3: infrastructure.brussels (neue öffentlich-rechtliche AG)
Neue autonome Gesellschaft, die bündelt:
- Build/Maintain/DITP von Brüssel-Mobilität
- Hafeninfrastruktur
- Parks und Grünflächen (übertragen von Brüssel-Umwelt)
Frist: 2027
Säule 4: Grundstückskoordination
Koordiniert die regionalen Grundstücksakteure:
- Grundstücksverwaltung, SAU, citydev
- SLRB, Hafen Brüssel (Konzessionen), Wohnungsbaufonds
Zeitplan
- 2026: Säulen 1 & 2 operativ (Priorität)
- 2027: Säule 3 (infrastructure.brussels)
- Schrittweise Fusionen Säule 2: Stadtplanung → International → Wirtschaft → Beschäftigung
GGC: Vorläufige Zwölftel verlängert
Das Kollegium der GGC beschloss am 26. Februar 2026, die vorläufigen Zwölftel bis zum 1. Juni 2026 zu verlängern. Der Regionalhaushalt 2026 wurde am 6. März 2026 beim Parlament eingereicht; der GGC-Haushalt folgt am 20. April 2026.
Laut der Regierungsnote sind 98 % des Haushalts 2026 bereits gebunden (Familienbeihilfen sind garantiert). Die subventionierten VoG bleiben jedoch in Unsicherheit: Die vorläufigen Zwölftel verhindern den Zugang zu ihrer normalen Finanzierung und die Aufnahme von Überbrückungskrediten bei Banken, was zu Leistungskürzungen und Personalabbau führt.
Parlament: Kommission für Chancengleichheit beibehalten
Am 26. Februar 2026 prüfte das Büro des Brüsseler Parlaments einen Vorschlag, die ständige Kommission für Chancengleichheit und Frauenrechte in einen einfachen Beirat umzuwandeln, der der Kommission für Innere Angelegenheiten angegliedert wäre. Diese Änderung hätte ihre Gesetzgebungs- und Haushaltskontrollbefugnisse beseitigt.
Der Vorschlag löste Reaktionen innerhalb der Mehrheit aus:
- Die PS (Jamal Ikazban) äußerte ihre „Verblüffung" und forderte die Beibehaltung des Status als ständige Kommission
- Die MR (Loubna Azghoud) entdeckte den Vorschlag „mit Überraschung"
- Ecolo (Zakia Khattabi) beanspruchte, den Punkt blockiert zu haben: „ohne die Grünen wäre dieser Punkt durchgegangen"
Bei der Vertrauensabstimmung am 27. Februar 2026 bestätigte die Mehrheit die Beibehaltung aller parlamentarischen Kommissionen, einschließlich der Kommission für Chancengleichheit. Der Abschaffungsvorschlag ist vom Tisch.
Institutionelle Komplexität: die belgische „Lasagne"
Die Region Brüssel operiert in einem institutionellen Netzwerk einzigartiger Dichte in Europa. Über 19 Gemeinden und 6 Verwaltungsebenen (Bund, Region, Gemeinschaft, GGC/COCOF/VGC, Gemeinde) sind die Zuständigkeiten zersplittert und verflochten. Das oft zitierte Beispiel: Gesundheit fällt unter nicht weniger als 9 Minister in Belgien. Dieses Phänomen, als „institutionelle Lasagne" bezeichnet, macht die integrierte Politikgestaltung in Brüssel besonders schwierig. Die Reform von 25 Strukturen zu 4 Säulen ist ein Versuch der Vereinfachung auf regionaler Ebene, berührt aber nicht die Gemeinschaftsarchitektur.
Lokale und administrative Governance (RPE, Kapitel 4)
Die RPE enthält zusätzliche Verpflichtungen zur lokalen und administrativen Governance:
- Städtebauliches Ruling : Einführung eines Vorabentscheidungsmechanismus, der Projektträgern ermöglicht, vor der formellen Genehmigungseinreichung eine bindende Vorabstellungnahme zu erhalten
- Recht auf Verwaltungsfehler : Grundsatz, der Bürger bei einem ersten gutgläubigen Fehler in Verwaltungsverfahren schützt
- Lokale Paritätische Kommission (CPL) : Gremium für den strukturierten Dialog zwischen der Region und den 19 Gemeinden
- Gemischte Kommissionen Region-Gemeinden : thematische Koordinationsmechanismen für geteilte Zuständigkeiten (Mobilität, Sauberkeit, Sicherheit)
- Verstärkte Aufsicht : Stärkung der regionalen Aufsicht über die Gemeindefinanzen mit Zielen für den Haushaltsausgleich
Diese Verpflichtungen wurden noch nicht in Verordnungen oder Rechtstexte umgesetzt.
Deliberative Kommissionen
Das Brüsseler Parlament hat über Artikel 28bis seiner Geschäftsordnung einen Mechanismus der partizipativen Demokratie eingeführt: Die deliberativen Kommissionen bringen 45 zufällig ausgewählte Bürger und 15 Abgeordnete zusammen. Sechs Kommissionen wurden zwischen 2021 und 2024 abgeschlossen (Obdachlosigkeit, 5G, Biodiversität, Wohnen, Mobilität, Jugend). Eine 7. Kommission zur öffentlichen Sauberkeit wurde im Januar 2026 beschlossen.
Quelle: Brüsseler Parlament, 2021-2026.
Gemeinden: 1,718 Milliarden EUR an überwälzten Lasten (März 2026)
Am 11. März 2026 haben Brulocalis (Vereinigung der Brüsseler Gemeinden und ÖSHZ) und die Bürgermeisterkonferenz einen „beispiellosen Finanzschock" für die Brüsseler Kommunalverwaltungen angeprangert. Ihrer Studie zufolge belaufen sich die Lasten, die durch Entscheidungen anderer Verwaltungsebenen auf die Gemeinden überwälzt wurden, auf 1,718 Milliarden EUR im Zeitraum 2025-2029, wovon nur 26,7 % kompensiert würden — 1,258 Milliarden EUR verbleiben bei den Gemeinden.
Die Lasten verteilen sich auf vier Hauptbereiche:
- Finanzierung der Polizeizonen — rund 500 M EUR (KUL-Norm, ländliche Solidarität, Polizeipensionen)
- Pensionen des Statutarpersonals — 775 M EUR, davon nur 10,5 % vom Bund kompensiert
- Reform der Arbeitslosenversicherung / ÖSHZ — 558 M EUR zusätzlicher Zustrom durch Lastenübertragung
- Steuerreform — 32 M EUR/Jahr Verlust kommunaler Einnahmen ab 2029
Der Präsident von Brulocalis, Christian Lamouline (Bürgermeister von Berchem-Sainte-Agathe), erklärte: „Das Jahr 2025 markierte einen Wendepunkt in der finanziellen Lage der Brüsseler Gemeinden." Die Gemeinden fordern einen verbindlichen Rahmen, der die Haushaltsneutralität der Entscheidungen anderer Verwaltungsebenen garantiert.
Quellen: La Libre, BX1, DH, Trends-Tendances, Le Vif (11. März 2026).
Schöffenkollegium der Stadt Brüssel: Umbildung (März 2026)
Am 11. März 2026 kündigte das Kabinett von Bürgermeister Philippe Close eine teilweise Neuorganisation des Schöffenkollegiums der Stadt Brüssel an:
- Khalid Zian (PS), ehemaliger ÖSHZ-Vorsitzender, kehrt als Schöffe für Öffentliche Arbeiten und Internationale Solidarität ins Kollegium zurück. Sein Mandat wird mit Karim Tafranti geteilt, der ihm Ende 2028 nachfolgt
- Nawal Ben Hamou (PS) übernimmt die Kultur (bisher vom Bürgermeister verwaltet), zusätzlich zu ihren bestehenden Zuständigkeiten (Wohnungswesen, Chancengleichheit, Tourismus, Großveranstaltungen)
Die Umorganisation soll dem Bürgermeister Raum für strategische Dossiers schaffen: Fusion der Polizeizonen, Krankenhausorganisation, Sicherheit und Drogenbekämpfung.
Quelle: La Libre (11. März 2026).
Justizpalast: Renovierung über 600 Millionen EUR
Laut einer parlamentarischen Anfrage der Abgeordneten Britt Huybrechts (VB) an Ministerin Vanessa Matz (Les Engagés) übersteigen die Gesamtkosten der Renovierung des Brüsseler Justizpalasts 600 Millionen EUR:
- Fassade: rund 100 M EUR, Fertigstellung voraussichtlich bis 2030
- Innenausbau: geschätzt rund 480 M EUR, Fertigstellung voraussichtlich bis 2040
- Bereits getätigte Ausgaben: ~33,5 M EUR seit 1984 (davon 28,5 M EUR für Studien und erste Arbeiten seit 2018 und ~5 M EUR für Gerüste seit den 1980er Jahren)
Diese föderale Baustelle bleibt emblematisch für die Brüsseler institutionelle Komplexität: Der Justizpalast fällt unter die föderale Zuständigkeit (Régie des Bâtiments), befindet sich aber im Herzen der Region und ist ein bedeutendes architektonisches Symbol der Hauptstadt.
Quelle: BRUZZ (10. März 2026).
Wahl des Brüsseler MR-Vorsitzes (März 2026)
Der Aufruf zur Kandidatur für den Vorsitz des Brüsseler MR wurde am 20. März 2026 gestartet, mit einem straffen Zeitplan:
- Frist für Kandidaturen: 30. März 2026 um Mitternacht
- Abstimmung: 21.-24. April 2026
- Auszählung: 24. April um 14 Uhr
David Weytsman (ÖSHZ-Vorsitzender der Stadt Brüssel) ist der Favorit. Valentine Delwart, ernannt zur Bürgermeisterin von Ukkel, kandidiert nicht.
Diese Wahl findet statt, während die MR die stärkste Partei der regionalen Mehrheit ist und den Posten des Ministerpräsidenten innehat.
Quelle: BX1, Le Soir (20. März 2026).
CD&V: Mehrheitspartner ohne Ministerposten (März 2026)
Die CD&V (Benjamin Dalle, 1 Sitz, 5.102 Stimmen bzw. 6 % der niederländischsprachigen Stimmen) unterstützt die Regierung Dilliès ohne einen Ministerposten innezuhaben — eine beispiellose Konstellation in der Brüsseler Politik, von La Libre als „Einbruch des Jahrhunderts" bezeichnet.
Erhaltene Gegenleistungen:
- Regierungskommissar bei der STIB
- 4 Verwaltungsräte im Verwaltungsrat von Actiris
- Strategische Mandate bei der SAU und Citydev (Verhandlungen für SLRB und STIB laufen)
- 3 parlamentarische Mitarbeiter, 1 Agent im Kabinett Dilliès (Rang Kabinettschef), 1 im Kabinett Hublet
- Teilnahme an den Haushaltsverhandlungen
VGC-Spannungen: Die flämische Ministerin Cieltje Van Achter (N-VA) lehnt die Anwesenheit der CD&V im VGC-Kollegium ab und bezeichnet die Partei als „blinden Passagier". Die Opposition (Ecolo, Zakia Khattabi) wirft eine verfassungsrechtliche Frage zur Gewaltenteilung auf.
Quelle: La Libre (20. März 2026).
Fusion der Polizeizonen: föderale Fortschritte (März 2026)
Der Innenausschuss der Kammer hat in erster Lesung (4. März 2026) den Gesetzentwurf des föderalen Innenministers zur Fusion der 6 Brüsseler Polizeizonen in eine einzige Zone mit 6 500 Beamten genehmigt. Die Operationalisierung ist zwischen Oktober 2027 und Januar 2028 vorgesehen.
Der Verteilungsschlüssel der Lasten zwischen den Gemeinden sorgt für Spannungen: Er basiert auf der KUL-Norm (60 %) und den Gemeindeeinnahmen von 1999 (40 %). Dieser Mechanismus benachteiligt kleine Gemeinden mit geringen Einnahmen: Etterbeek (3,5 %), Berchem-Sainte-Agathe (1,4 %), Jette (3 %), Ganshoren (1,6 %) — während Brüssel-Stadt (21 %), Schaerbeek (16 %) und Anderlecht (15 %) den Großteil der Last tragen.
Ein Alarmbelprozedur wurde in das Gesetz integriert, die dem Brüsseler Gouverneur ein Eingreifen bei offensichtlichem finanziellen Ungleichgewicht ermöglicht.
Die föderale Finanzierung beläuft sich auf 65 Millionen EUR. Die zweite Lesung im Ausschuss wird erwartet.
Hinweis: Diese Reform fällt unter Bundeszuständigkeit. Ihre Auswirkungen auf die Brüsseler Gemeindefinanzen sind im Abschnitt Brulocalis (1,718 Milliarden EUR an Lasten, davon ~500M für die Polizei) beschrieben.
Quellen: RTBF (4. März 2026), DH (18. März 2026).
Erste interne Spannung: Bois de la Cambre (23. März 2026)
Am Tag 37 der Regierung Dilliès ist ein erster offener Konflikt zwischen Koalitionspartnern aufgetreten. Der regionale Dienst urban.brussels hat ein Protokoll gegen die Stadt Brüssel erstellt wegen Betonblöcke, die ohne Genehmigung im Bois de la Cambre (Schutzgebiet) aufgestellt wurden. Staatssekretärin Audrey Henry (MR) und Ministerpräsident Boris Dilliès (MR) haben Schöffin Anaïs Maes (Vooruit) öffentlich kritisiert.
Dieser Streit veranschaulicht die Schwierigkeit, mit 7 Parteien zu regieren, die auf regionaler und kommunaler Ebene verteilt sind, wo dieselben politischen Formationen sich je nach Regierungsebene gegenseitig bekämpfen können.
Quellen: L'Avenir, DH (23. März 2026).
Regionalhaushalt 2026: im Ausschuss genehmigt (23. März 2026)
Der Finanzausschuss des Brüsseler Parlaments hat den Regionalhaushalt 2026 am 23. März 2026 genehmigt. Das prognostizierte Defizit beträgt 957 Millionen EUR und bleibt damit unter der Milliarden-Grenze — gemäß der Verpflichtung aus der RPE.
Diese Abstimmung stellt einen bedeutenden institutionellen Meilenstein dar: Es ist der erste vollständige Haushalt, der von der Region nach 613 Tagen Krise und vorläufigen Zwölfteln verabschiedet wurde. Die Abstimmung im Plenum ist vor dem 1. April 2026 vorgesehen.
Groen: neuer Parteivorsitz (21. März 2026)
Aimen Horch (30 Jahre, Vilvoorde), für ein erstes Mandat ins Flämische Parlament gewählt, hat den Vorsitz von Groen am 21. März 2026 mit 51,1 % der Stimmen in der ersten Runde gewonnen. Seine Running-Mate, Lien Arits (Brüssel), wurde Vizevorsitzende der Partei.
Groen ist Teil der Brüsseler Regionalmehrheit, mit Elke Van den Brandt als Regierungsmitglied und Vorsitzende des VGC-Kollegiums. Diese Generationserneuerung an der Parteispitze könnte die Positionierung von Groen zu Brüsseler Themen beeinflussen.
Zweite interne Spannung: LEZ und Sozialausnahmen (26.-27. März 2026)
Am Tag 43 der Regierung tritt ein zweiter politischer Bruch auf — diesmal in einer inhaltlichen Frage. Die Frage der Sozialausnahmen von der LEZ für Inhaber des BIM-Status (30 % der Brüsseler Bevölkerung) spaltet die Koalition:
- PS und Vooruit: fordern die vollständige Befreiung der BIM-Inhaber
- Groen: blockiert die Befreiung mit dem Argument, sie würde die LEZ aushöhlen und ein rechtliches Risiko schaffen (verfassungsrechtliches Standstill-Prinzip)
- MR: versucht den Zusammenhalt zu wahren
Eine Regierungsquelle erklärt: « Wir navigieren durch ein Minenfeld… wir wissen, dass es Klagen geben wird. » Dieser Konflikt ist tiefgreifender als der um den Bois de la Cambre (Tag 37): Er berührt die ökologische Identität von Groen und das Sozialversprechen von PS/Vooruit.
Es wurde keine Einigung erzielt. Die Bußgelder von 350 EUR gelten technisch ab dem 1. April 2026. Ein reformierter Rahmen wird für Januar 2027 angestrebt.
Quellen: La Libre, La DH (26. März 2026).
Bois de la Cambre: PV wegen Städtebaulicher Verstöße (23. März 2026)
Am 23. März 2026 hat Urban.brussels ein Protokoll gegen die Stadt Brüssel wegen städtebaulicher Verstöße im Bois de la Cambre (Ter Kamerenbos) erstellt: 40 Felsblöcke wurden ohne Genehmigung durch Betonblöcke ersetzt, in einem geschützten Gebiet. Staatssekretärin für Städtebau Audrey Henry (MR) ordnete eine regionale Bestandsaufnahme der Betonblöcke im öffentlichen Raum an und forderte ästhetisch bessere Alternativen.
Ein Treffen zwischen Henry, Bürgermeister Philippe Close (PS) und den betroffenen Schöffen führte zu einem Zeitplan: Die Stadt Brüssel wird vor dem Sommer 2026 eine Regularisierungsgenehmigung einreichen. Die Blöcke bleiben bis dahin stehen.
Der Vorfall kristallisierte eine sichtbare Spannung zwischen der Region (MR) und der Stadt Brüssel (PS/Vooruit) — einer der ersten Zusammenstöße innerhalb der Koalition, 37 Tage nach der Regierungsbildung.
Quelle: BRUZZ (23. März 2026), La Libre, DH. Vertrauen: official (PV Urban.brussels).
MR-Vorsitz Brüssel: Nachfolge Leisterh (März 2026)
Am 31. März 2026 hat sich David Weytsman (ÖSHZ-Vorsitzender Brüssel, ehemaliger Regionalabgeordneter) als Kandidat für den Vorsitz der MR Brüssel erklärt, als Nachfolger von David Leisterh (zurückgetreten). Géofrey Coomans de Brachène kandidiert ebenfalls. Die geheime Abstimmung findet vom 21. bis 24. April 2026 statt (Auszählung am 24. April um 14 Uhr).
Diese interne Erneuerung hat keinen direkten Einfluss auf die Regionalregierung, ist aber ein Signal über die Kräfteverteilung innerhalb der Partei des Ministerpräsidenten.
Quelle: BX1 (30.-31. März 2026). Vertrauen: official.
Erste Regierungskrise: LEZ und Subventionen (2.-4. April 2026)
Die Regierung Dilliès durchlebte ihre erste Krise am Tag 50 ihres Bestehens (2.-4. April 2026). Der unmittelbare Auslöser: die einseitige Verschiebung der LEZ-Bußgelder durch Haushaltsminister De Smedt (Anders), ohne Absprache mit den Partnern.
Chronologie der Krise:
- 2. April: Regierungssitzung blockiert. Alle Punkte vertagt. Groen (Van den Brandt) wütend über fehlende Konsultation. PS knüpft die Subventionen für Groen an eine BIM-Befreiung (Berechtigte auf erhöhte Unterstützung = ~⅓ der Brüsseler Bevölkerung).
- 3. April: Außerordentliche Regierungssitzung einberufen. De Smedt verweigert Subventionen an BRAL und Inter-Environnement Bruxelles (IEB) mit dem Argument: « Keine Subventionen für Organisationen, die Verfahren gegen die Region einleiten ». Cyclo, ARAU, Fietsersbond, Gracq, Pro Velo erhalten ihre Subventionen.
- 4. April: Einigung zur LEZ erzielt (siehe Karte Mobilität). Krise gelöst.
Diese Blockade stellte einen Belastungstest der Vermittlungsfähigkeit der 7-Parteien-Koalition dar. Die Verweigerung der Subventionen an BRAL/IEB bleibt ein starkes politisches Signal über das Verhältnis der Regierung zur ökologischen Zivilgesellschaft.
Quelle: La Libre / BX1 / L'Avenir / DH / BRUZZ (2.-4. April 2026). Vertrauen: official.
Brüssel „Europäische Hauptstadt der Demokratie 2027" (April 2026)
Am 7. April 2026 wurde die Stadt Brüssel nach einer Abstimmung mit mehr als 5 500 Bürgern aus den 46 Mitgliedstaaten des Europarats und dem Kosovo zur „Europäischen Hauptstadt der Demokratie" für das Jahr 2027 ernannt. Der Titel wird von einer unabhängigen Initiative (European Capital of Democracy) getragen, die Städte würdigen will, die innovative Formen der Bürgerbeteiligung entwickeln.
Die Kandidatur wurde unter dem Slogan „Brussels must be DemoCrazy" eingereicht, als Antwort auf das, was die Stadt als weltweiten demokratischen Rückschritt bezeichnet. Eine Expertenjury besuchte Brüssel am 20. Januar 2026, um die lokalen Demokratieinitiativen in mehreren Stadtvierteln vor der europäischen Bürgerabstimmung zu bewerten.
Geltungsbereich: Der Titel wird von der Stadt Brüssel (kommunale Ebene) getragen, nicht von der Region Brüssel-Hauptstadt. Dauer: ein Jahr (2027). Die Stadt wird „zahlreiche Projekte, Debatten und Veranstaltungen zu Bürgerbeteiligung, Dialog und demokratischer Innovation" ausrichten. Brüssel reiht sich ein neben Barcelona, Wien und Cascais, den früheren Titelträgern.
Quellen: L'Avenir / Belga (8. April 2026); offizielle Website European Capital of Democracy.
Quellen und Methodik
Die oben dokumentierten Verpflichtungen stammen aus dem offiziellen Text der RPE (Kapitel 4) und aus übereinstimmenden Pressequellen, die das Regierungsabkommen vom 12. Februar 2026 behandelt haben.
Kein signifikanter geerbter Kontext — dieser Bereich betrifft hauptsächlich laufende institutionelle Reformen.
Vollständigen Kontext lesenWas das konkret bedeutet
Die neue Regierung plant die Fusion von 25 Strukturen zu 4 Säulen mit Einsparungen von 20 bis 30 %. Die Säulen 1 und 2 sollen 2026 betriebsbereit sein, aber bestimmte Fusionen erfordern besondere Mehrheiten im Parlament.
Was BGM nicht sagt
Diese Seite behauptet nicht, dass die institutionelle Vereinfachung problemlos verlaufen wird — sie dokumentiert die Rationalisierungsverpflichtungen der RPE. Diese Reformen erfordern komplexe politische Vereinbarungen und besondere Mehrheiten im Parlament.
Quellen
- RTBF — Was das regionale Regierungsabkommen enthält (12. Feb. 2026) (öffnet in neuem Tab)
- VRT NWS — Was wir über das Brüsseler Koalitionsabkommen wissen (13. Feb. 2026) (öffnet in neuem Tab)
- BX1 — Ministerpräsident erkennt Notwendigkeit besserer Niederländischkenntnisse an (Feb. 2026) (öffnet in neuem Tab)
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