Institutionelle Reform: Fusion von 25 Strukturen in 4 Säulen
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Die RPE sieht die ambitionierteste Umstrukturierung des Brüsseler Regionalapparats vor: Fusion von 25 Strukturen in 4 Säulen (Querschnittsdienste, Kernaufgaben, infrastructure.brussels, Grundstückskoordination). Die Säulen 1 und 2 sollen ab 2026 operativ sein.
Kurz gefasst (leichte Sprache)
Die Regierung wird 25 regionale Einrichtungen zu 4 großen Strukturen zusammenlegen. Ziel ist es, die Kosten um 20 bis 30 % zu senken und die Verwaltung zu vereinfachen.
Schluesselzahlen
25
Regionale Strukturen vor der Reform
4Säulen (+ operative Einheiten)
Strukturen nach der Reform (Säulen)
-20 bis -30 %der Betriebskosten
Angestrebte Betriebseinsparungen
2026operativ
Säulen 1 & 2 — Frist
Bis 1. Juni 2026
GGC — Vorläufige Zwölftel verlängert
Institutionelle Meilensteine erreicht
Der institutionelle Kalender hat die wichtigsten Etappen durchlaufen:
- Montag, 23. Februar — der Ministerpräsident hat die Regionale Politikerklärung (DPR) im Brüsseler Parlament in Plenarsitzung vorgestellt
- Montag, 23. Februar um 16:30 Uhr — Ahmed Laaouej (PS) hat die Gemeinschaftspolitikerklärung (DPC) der Cocof im Frankophonen Brüsseler Parlament vorgestellt
- Mittwoch, 25. Februar — Vertrauensabstimmung im Brüsseler Parlament
Cocof: Vorsitz und Zuständigkeiten
Die Einigung über den Vorsitz des Frankophonen Brüsseler Parlaments (Versammlung der Cocof) wurde am 23. Februar 2026 besiegelt:
- Rudi Vervoort (PS) führt den Vorsitz bis zum 1. November 2027
- Gladys Kazadi (Les Engagés) übernimmt für den Rest der Legislaturperiode
- Vergütung: +35.000 EUR/Jahr zusätzlich zur Abgeordnetenentschädigung
Die Verteilung der Cocof-Zuständigkeiten wird kritisiert:
| Zuständigkeit | Minister | Partei | Aufsicht |
|---|---|---|---|
| Beschäftigung & Wirtschaft | Laurent Hublet | Les Engagés | Actiris |
| Berufsausbildung | Boris Dilliès | MR | Bruxelles Formation |
| Sozialer Zusammenhalt, Kultur, Soziales | Ahmed Laaouej | PS | — |
| Kinderbetreuung, Gesundheit, öffentlicher Dienst, Haushalt | Karine Lalieux | PS | — |
Die Trennung Beschäftigung/Ausbildung stellt Actiris und Bruxelles Formation unter verschiedene ministerielle Aufsicht — eine Entscheidung, die von der Opposition angefochten wird (Bernard Clerfayt, DéFI, verweist auf die OECD-Empfehlungen zugunsten der Integration).
Zweisprachigkeit: Engagement und Kontroverse
Die RPE schreibt Zweisprachigkeit als institutionelle Priorität fest. Der Ministerpräsident hat öffentlich seine unzureichenden Niederländischkenntnisse eingeräumt und erklärt, er schulde es den Brüsselern, sich zu verbessern. Die niederländischsprachige Presse hat dieses Thema ausführlich behandelt und seine Bedeutung in einer offiziell zweisprachigen Region hervorgehoben. Das Thema bleibt in der Region Brüssel-Hauptstadt sensibel, wo die Zweisprachigkeit der Institutionen eine gesetzliche Verpflichtung ist.
Die Verzögerung bei der Fertigstellung der niederländischsprachigen Fassung der RPE — fünf Tage nach dem Abkommen noch nicht verfügbar, laut BRUZZ (17. Februar 2026) — hat die Debatte über die institutionelle Zweisprachigkeit neu entfacht. Die Sprachenfrage bleibt ein strukturelles Thema in Belgien: Die Verfassung von 1831 erhielt erst 1967 einen offiziellen niederländischen Text — 136 Jahre lang war nur der französische Text rechtsverbindlich. Die deutsche Fassung wurde erst 1991 angenommen.
Masterplan Zweisprachigkeit („Masterplan Tweetaligheid")
Die RPE kündigt einen sektorübergreifenden Masterplan Zweisprachigkeit mit mehreren gleichzeitigen Handlungssträngen an:
- Krankenhäuser: jedes Brüsseler Krankenhaus muss einen Sprachpolitikplan („taalbeleidsplan") einreichen. Das Personal kann geförderte Sprachkurse besuchen. Ziel ist die Gewährleistung des Zugangs zur Versorgung in beiden Amtssprachen — ein sensibler Punkt seit dem Fall Baby Cisse (Versagen der niederländischsprachigen Kommunikation in der Notaufnahme).
- Regionale Verwaltung: zusätzliche Finanzierung für Sprachkurse in den eigenständigen öffentlichen Einrichtungen (OIP) und dem regionalen öffentlichen Dienst (SPRB). Talent.brussels verwaltet bereits die Zweisprachigkeitsprämien (600 bis 3.200 EUR/Jahr je nach SELOR/GER-Niveau).
- Gemeinden und ÖSHZ: Begleitung zur Stärkung der Zweisprachigkeit in den lokalen öffentlichen Diensten.
- Arbeitssuchende: obligatorischer Sprachtest bei der Anmeldung bei Actiris; obligatorische FR/NL-Ausbildung bei Nichtbestehen (siehe Karte Beschäftigung).
Parallel dazu entwickelt Flandern-Ministerin Cieltje Van Achter (N-VA) einen separaten „Totaalplan" über das Huis van het Nederlands, um den Gebrauch des Niederländischen in Brüssel zu stärken. Beide Pläne (regional und Flämische Gemeinschaft) überschneiden sich vor Ort, fallen aber unter verschiedene Verwaltungsebenen — eine typische Illustration der Brüsseler institutionellen Komplexität.
Vorsitz und GPE der Cocof
Am 20. Februar 2026 hat das Kollegium der Cocof die Gemeinschaftspolitikerklärung genehmigt. Ahmed Laaouej (PS) ist Ministerpräsident der Cocof, gemäß der Konvention, die dieses Amt der zweitgrößten frankophonen Koalitionspartei zuweist. Die Gemeinschaftsmehrheit besteht aus MR, PS und Les Engagés.
Die GPE wurde dem Frankophonen Brüsseler Parlament am 23. Februar 2026 vorgestellt. Die angekündigten Prioritäten umfassen die Untertitelung von BX1 (Niederländisch, Englisch, Barrierefreiheit), die Bekämpfung des Schulabbruchs, die Berufsausbildung, einen integrierten Sozial-Gesundheitsplan und den Ausbau der Kinderbetreuungsplätze.
Verpflichtungen der RPE
Die Regionale Politikerklärung vom 13. Februar 2026 sieht die ambitionierteste Umstrukturierung in der Geschichte der Brüsseler Verwaltung vor. Kapitel 4 beschreibt die Fusion von 25 regionalen Strukturen in 4 Säulen.
Säule 1: Brüssel-Querschnittsdienste (gemeinsame Unterstützung)
Bündelt die gemeinsamen Unterstützungsdienste der gesamten Region:
- SPRB Personalwesen, Talent.Brussels
- Finanzen & Budget, Connect IT, Paradigm
- Equal.Brussels, Easy.Brussels
- Grundstücksverwaltung, IBSA (Statistik)
- Brüssel Steuerwesen (einschließlich LEZ, ANPR, Kilometerabgabe)
Säule 2: SPRB Kernaufgaben
Bündelt die Fachverwaltungen:
- Brüssel-International, Brüssel-Mobilität
- Brüssel-Wirtschaft, Brüssel-Beschäftigung (mit Actiris?)
- Brüssel-Lokale Behörden, Brüssel-Wohnungswesen (mit Homegrade)
- Brüssel-Umwelt (ohne Parks), Brüssel-Stadtplanung (Fusion perspective.brussels + urban.brussels)
- Safe.Brussels
Säule 3: infrastructure.brussels (neue öffentlich-rechtliche AG)
Neue autonome Gesellschaft, die bündelt:
- Build/Maintain/DITP von Brüssel-Mobilität
- Hafeninfrastruktur
- Parks und Grünflächen (übertragen von Brüssel-Umwelt)
Frist: 2027
Säule 4: Grundstückskoordination
Koordiniert die regionalen Grundstücksakteure:
- Grundstücksverwaltung, SAU, citydev
- SLRB, Hafen Brüssel (Konzessionen), Wohnungsbaufonds
Zeitplan
- 2026: Säulen 1 & 2 operativ (Priorität)
- 2027: Säule 3 (infrastructure.brussels)
- Schrittweise Fusionen Säule 2: Stadtplanung → International → Wirtschaft → Beschäftigung
GGC: Vorläufige Zwölftel verlängert
Das Kollegium der GGC beschloss am 26. Februar 2026, die vorläufigen Zwölftel bis zum 1. Juni 2026 zu verlängern. Der Regionalhaushalt 2026 wird am 6. März 2026 beim Parlament eingereicht; der GGC-Haushalt folgt am 20. April 2026.
Laut der Regierungsnote sind 98 % des Haushalts 2026 bereits gebunden (Familienbeihilfen sind garantiert). Die subventionierten VoG bleiben jedoch in Unsicherheit: Die vorläufigen Zwölftel verhindern den Zugang zu ihrer normalen Finanzierung und die Aufnahme von Überbrückungskrediten bei Banken, was zu Leistungskürzungen und Personalabbau führt.
Parlament: Spannungen um die Kommission für Chancengleichheit
Am 26. Februar 2026 prüfte das Büro des Brüsseler Parlaments einen Vorschlag, die ständige Kommission für Chancengleichheit und Frauenrechte in einen einfachen Beirat umzuwandeln, der der Kommission für Innere Angelegenheiten angegliedert wäre. Diese Änderung hätte ihre Gesetzgebungs- und Haushaltskontrollbefugnisse beseitigt.
Der Vorschlag löste Reaktionen innerhalb der Mehrheit aus:
- Die PS (Jamal Ikazban) äußerte ihre „Verblüffung" und forderte die Beibehaltung des Status als ständige Kommission
- Die MR (Loubna Azghoud) entdeckte den Vorschlag „mit Überraschung"
- Ecolo (Zakia Khattabi) beanspruchte, den Punkt blockiert zu haben: „ohne die Grünen wäre dieser Punkt durchgegangen"
Der Punkt wurde auf das nächste Büro vertagt. Das Ressort Chancengleichheit wird von Ahmed Laaouej (PS) in der Regierung gehalten.
Institutionelle Komplexität: die belgische „Lasagne"
Die Region Brüssel operiert in einem institutionellen Netzwerk einzigartiger Dichte in Europa. Über 19 Gemeinden und 6 Verwaltungsebenen (Bund, Region, Gemeinschaft, GGC/COCOF/VGC, Gemeinde) sind die Zuständigkeiten zersplittert und verflochten. Das oft zitierte Beispiel: Gesundheit fällt unter nicht weniger als 9 Minister in Belgien. Dieses Phänomen, als „institutionelle Lasagne" bezeichnet, macht die integrierte Politikgestaltung in Brüssel besonders schwierig. Die Reform von 25 Strukturen zu 4 Säulen ist ein Versuch der Vereinfachung auf regionaler Ebene, berührt aber nicht die Gemeinschaftsarchitektur.
Quellen und Methodik
Die oben dokumentierten Verpflichtungen stammen aus dem offiziellen Text der RPE (Kapitel 4) und aus übereinstimmenden Pressequellen, die das Regierungsabkommen vom 12. Februar 2026 behandelt haben.
Kein signifikanter geerbter Kontext — dieser Bereich betrifft hauptsächlich laufende institutionelle Reformen.
Vollständigen Kontext lesenWas das konkret bedeutet
Die neue Regierung plant die Fusion von 25 Strukturen zu 4 Säulen mit Einsparungen von 20 bis 30 %. Die Säulen 1 und 2 sollen 2026 betriebsbereit sein, aber bestimmte Fusionen erfordern besondere Mehrheiten im Parlament.
Was BGM nicht sagt
Diese Seite behauptet nicht, dass die institutionelle Vereinfachung problemlos verlaufen wird — sie dokumentiert die Rationalisierungsverpflichtungen der RPE. Diese Reformen erfordern komplexe politische Vereinbarungen und besondere Mehrheiten im Parlament.
Quellen
- RTBF — Was das regionale Regierungsabkommen enthält (12. Feb. 2026)
- VRT NWS — Was wir über das Brüsseler Koalitionsabkommen wissen (13. Feb. 2026)
- BX1 — Ministerpräsident erkennt Notwendigkeit besserer Niederländischkenntnisse an (Feb. 2026)
- RTBF — Ahmed Laaouej Ministerpräsident der Cocof (20. Feb. 2026)
- Frankophon Brüsseler Parlament — Sitzungskalender
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