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Brussels Governance Monitor

BIFFF: wo die Brüsseler Kultur wohnt

In BearbeitungGemischtOffizielle Quelle
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Vierzig Jahre, fünf Adressen, vier Machtebenen. Das Brussels International Fantastic Film Festival (44. Ausgabe, 3.-18. April 2026) hängt an 120.000 €/Jahr der Fédération Wallonie-Bruxelles und an einem fragilen regional-kommunalen Gefüge, das die Brüsseler Regierungsvereinbarung 2026-2029 abbaut. Ohne niederländischsprachiges Sicherheitsnetz: der englische Name schützt das Programm, aber kein flämischer politischer Pate wird das Festival verteidigen, wenn die Lasagne reißt.

Geschätztes Budget

≥ 985.337 € (Umsatz 2024 der ASBL Peymey Diffusion — Untergrenze, tatsächliches Budget nicht veröffentlicht)

Kennzahlen

120 000€/Jahr, einzige verifizierte Linie

Zuschuss FWB Centre du Cinéma (Beihilfe für audiovisuelle Betreiber — Festivals)

1 028 000€/Jahr für 19 Festivals — Bewerbungsfrist 11. Mai 2026

FWB-Festivalbudget (Zyklus 2027-2030 bevorstehend)

985 337€ (2024) — 10 VZÄ — Untergrenze des Festivalbudgets, Gesamtsumme nicht veröffentlicht

Umsatz Peymey Diffusion ASBL (operative Muttergesellschaft)

16Tage am Stück, vom 3. bis 18. April (3 Wochenenden abgedeckt) — verlängertes Zeitfenster gegenüber dem historisch kürzeren Format

Format 44. Ausgabe (April 2026) — Dauer

1mobilisierter Vorführsaal (vs. historisches Mehrsaalformat) — von der Organisation ausdrücklich als „vorsichtig" präsentierte Wahl

Format 44. Ausgabe (April 2026) — Säle

−14Mio. € bis 2029 (von 22 auf 8 Mio. €, −64 %, davon −5,7 Mio. € bereits 2026)

Kürzung visit.brussels 2026-2029 (wichtigster regionaler Kanal)

3.-18. April 2026Brussels Expo Palais 10 (5. Jahr in Folge auf dem Heysel)

Ausgabe 44 — Daten und Ort

Warnungen

  • Lenaerts (BIFFF): „On navigue à vue. La culture est dans le viseur politique." (Wir fahren auf Sicht. Die Kultur ist politisch im Visier.)16. März 2026
  • Bewerbungsfrist FWB-Festivalbeihilfe Zyklus 2027-203011. Mai 2026
  • RABKO: 120+ Institutionen fordern, die Brüsseler Kultur nicht zu opfern7. März 2026

Beteiligte Akteure

BIFFF ASBL (BCE 0431.844.988)Peymey Diffusion ASBL (BCE 0419.261.714, operative Muttergesellschaft)Fédération Wallonie-Bruxelles — Centre du Cinéma et de l'AudiovisuelBrussels Expo (ASBL unter Kontrolle der Stadt Brüssel)Ville de Bruxelles (Stadt Brüssel)visit.brussels (Region Brüssel)Loterie Nationale (Nationallotterie)RAB/BKO — Zweisprachiges Netzwerk der Künste in Brüssel

« On navigue à vue. On n'a aucune vue sur le suivi qui est fait, on n'a pas encore l'orientation claire et définie de la région sur le secteur culturel. On voit que la culture est dans le viseur politique actuellement. » (Wir fahren auf Sicht. Wir haben keinerlei Einblick in das, was weiter geschieht, wir haben noch keine klare und definierte Orientierung der Region für den Kultursektor. Man sieht, dass die Kultur derzeit politisch im Visier steht.) — Jonathan Lenaerts, Kommunikationsverantwortlicher BIFFF, RTBF, 16. März 2026.

Das Brussels International Fantastic Film Festival (BIFFF) eröffnet seine 44. Ausgabe am 3. April 2026 in Brussels Expo, Palais 10. Neukonfiguriertes Format: ein einziger mobilisierter Vorführsaal anstelle eines Mehrsaaldispositivs, und das Zeitfenster auf 16 Tage am Stück verlängert (vom 3. bis 18. April), um drei Wochenenden mit höherem Besucheraufkommen abzudecken. Die Direktion präsentiert diese Wahl ausdrücklich als „vorsichtig". Die zugrunde liegende ökonomische Logik ist klar: die Fixkosten senken (Miete, Technik, Sicherheit eines einzigen Saals) und gleichzeitig das Ausspielfenster verlängern, um die kumulierten Besucherzahlen zu optimieren — eine Reorganisation unter Druck statt einer reinen Schrumpfung. Das Motto der Ausgabe lautet La vie est belle (Das Leben ist schön). Vierzig Jahre nach seiner Gründung ist das Festival zu einem Lehrbuchfall der Brüsseler institutionellen Fragmentierung geworden — und sein ökonomisches Modell wird in Echtzeit unter dem Einfluss eines regionalen Sparkurses neu aufgestellt, der bereits radikalere Opfer gefordert hat.

Eine private Institution, eine öffentliche Abhängigkeit

Das BIFFF wird getragen von zwei unterschiedlichen ASBL mit derselben Adresse rue de la Comtesse de Flandre 8 in Laeken: BIFFF ASBL (BCE 0431.844.988, gegründet am 8. Juli 1986) und Peymey Diffusion ASBL (BCE 0419.261.714, gegründet am 23. Februar 1979, eingestuft als „spezialisierte Ton-, Bild- und Lichtdienste"). Peymey Diffusion wird vom BIFFF als „Mutter"-Struktur dargestellt. Ihr Umsatz 2024 beträgt 985.337 € bei 10 VZÄ — eine Zahl, die eine Untergrenze der Gesamtkosten des Festivals darstellt, da das aggregierte reale Budget nicht veröffentlicht wird.

Das Festival wurde 1983 von fünf Gründern geschaffen, die sich im Frühjahr 1982 im Restaurant Cheval Blanc in der rue Haute versammelten: Annie Bozzo, Gigi Étienne, Freddy Bozzo, Georges Delmote und Guy Delmote. Der Verwaltungsrat der BIFFF ASBL zählt 2026 noch vier der fünf Gründer — Georges Delmote (Präsident), Freddy Bozzo und Guy Delmote (Vizepräsidenten), Annie Bozzo (Schatzmeisterin). Gigi Étienne ist nicht mehr im Verwaltungsrat vertreten. Dreiundvierzig Jahre später wurde kein öffentlicher Nachfolgeplan angekündigt. Die operative Leitung wird von einem angestellten Team ausgeübt (Jonathan Lenaerts in der Kommunikation, Chris Orgelt in der Programmgestaltung, Dianne Leenders in den Finanzen, Youssef Seniora in der Eventkoordination).

Fünf Adressen, vier Machtebenen

Die räumliche Trajektorie des BIFFF ist für sich allein eine sinnfällige Kartografie der Brüsseler institutionellen Fragmentierung.

ZeitraumOrtMachtebeneGrund für den Wechsel
1983-2006Passage 44 (Bd du Jardin Botanique)PrivatUmfassende Renovierung des Gebäudes
2007-2012Tour & TaxisPrivat (Extensa, Ackermans & van Haaren BEL20)„Zu groß, schlecht angepasst, hat fast seine Seele verloren" (RTBF); Gelände während der gesamten Periode in PPAS-Verhandlungen Region-Stadt-privat
2013-2019Bozar — Palais des Beaux-ArtsFöderal (Régie des Bâtiments)Brand vom 18. Januar 2021 (Dächer, Salle Henry Le Bœuf, Ausstellungssäle, große Orgel) — mehrjährige Restaurierung
2020-2021Abgesagt / onlineCOVID-19
2022-2026+Brussels Expo, Palais 10 (Heysel, Laeken)Kommunal (ASBL Brussels Expo, Kontrolle Ville de Bruxelles)Pachtvertrag angekündigt „für mindestens fünf Jahre" → bevorstehender Ablauf

Jeder Umzug wurde durch ein Ereignis außerhalb der Kontrolle des Festivals ausgelöst, und jeder aufeinanderfolgende Gastgeber unterstand einer anderen Machtebene. Privat → privat → föderal → kommunal: es gibt keine institutionelle Kontinuität. Ein Versagen auf einer Ebene (der Brand im Bozar 2021, föderale Infrastruktur) zwang das BIFFF zu einer Rettung auf einer anderen Ebene (der Heysel, kommunales Vermögen).

Quellen: RTBF (2013, BIFFF im Bozar); La Libre (2007, Passage 44 → T&T; 2022, Rückkehr nach der Pandemie); IEB (Tour & Taxis, Eurostadium); FR Wikipedia (Chronologie); bifff.net.

Die Lasagne der Finanzierung

Karte der strukturellen öffentlichen Finanzierung des BIFFF, rekonstruiert aus den im April 2026 verifizierten Primärquellen:

KanalMachtebeneVerifizierter BetragStatus
FWB — Filmkommission, Beihilfe für audiovisuelle Betreiber (Festivals)Gemeinschaft120.000 €/JahrLaufende Vereinbarung. Nächster Zyklus 2027-2030 eröffnet, Bewerbungsfrist 11. Mai 2026
Loterie NationaleFöderal (halböffentlich)nicht veröffentlichtBestätigter Partner (BIFFF ausdrücklich unter den unterstützten Filmfestivals genannt)
Ville de BruxellesKommunalnicht veröffentlichtPartnerlogo vom BIFFF angezeigt, offizielle Event-Auflistung
visit.brussels („Be Brussels")Regionalnicht veröffentlichtPartnerlogo angezeigt — siehe aber den Abschnitt Sparpolitik
RTBF Classic 21Föderal (öffentlich-rechtlicher Rundfunk)Sachleistung (Medienpartnerschaft)Regelmäßige Verlosungen
Federaler Tax ShelterFöderal0 € für das FestivalDas BIFFF stellt den Produzenten den Mechanismus vor (Belgian Film Day), ist aber nicht Nutznießer

Verifizierte nicht beitragende Instanzen:

  • COCOF: kein Zuschuss an das BIFFF; das audiovisuelle Budget der COCOF läuft 2026 über provisorische Zwölftel, mit Moratorium für neue mehrjährige Vereinbarungen;
  • VGC: kein BIFFF-Antrag; die werkingssubsidies der VGC erfordern einen niederländischsprachigen Betrieb, den die frankophone Struktur des BIFFF nicht bietet;
  • VAF (Vlaams Audiovisueel Fonds): die Datenbank „toegekende steun" gibt keinen Eintrag für BIFFF/Peymey zurück;
  • Beliris: keine Festival-Linie;
  • Creative Europe MEDIA: derzeit nicht verifiziert — bei der EACEA-Datenbank zu recherchieren.

Kein einziger öffentlicher Euro stammt aus der niederländischsprachigen Seite. Dies ist der zentrale Punkt der institutionellen Asymmetrie des BIFFF.

Das sprachliche Paradox

Das Festival heißt offiziell auf Englisch („Brussels International Fantastic Film Festival") — eine strategische Entscheidung, um die Trennlinie FR/NL zu umgehen. Seine rechtliche Struktur ist frankophon (Statuten auf Französisch, frankophone Brüsseler ASBL). Seine öffentliche Finanzierung ist ausschließlich frankophon (FWB + Loterie + Stadt). Aber seine Rekrutierung läuft über RAB/BKO, das zweisprachige Netzwerk Réseau des Arts à Bruxelles / Brussels Kunstenoverleg, und sein Publikum ist mehrsprachig.

Die strategische Konsequenz ist radikal: kein politischer Pate auf der niederländischsprachigen Seite wird sich verpflichtet fühlen, das Festival zu verteidigen, wenn der Sparzwang zuschlägt. Der englische Name schützt das Programm im Alltag, bietet aber kein politisches Sicherheitsnetz im Krisenfall. Das ist genau die Situation, die Lenaerts im März 2025 und 2026 beschrieben hat.

Quellen: audiovisuel.cfwb.be; loterie-nationale.be; bifff.net (Partner im Footer); companyweb.be.

Heysel: die schizophrene Situation

Seit 2022 ist das BIFFF im Palais 10 von Brussels Expo untergebracht, einer 1936 gegründeten ASBL, deren auf ihrer offiziellen Website veröffentlichte Statuten festlegen, dass:

  • die Verwaltungsratsmitglieder Mitglieder des Gemeinderats der Stadt Brüssel sein müssen (oder von ihm ausdrücklich autorisiert),
  • die Kandidaten vom Collège des Bourgmestre et Échevins (Bürgermeister- und Schöffenkollegium) vorgeschlagen werden,
  • der Bürgermeister von Brüssel von Rechts wegen Mitglied ist,
  • die Mandate 6 Jahre betragen und erneuerbar sind.

Brussels Expo verwaltet die von der Stadt konzessionierten Paläste des Heysel. Faktisch ist sie ein kommunaler Betreiber.

Philippe Close, Bürgermeister von Brüssel seit dem 20. Juli 2017 (Nachfolge Mayeur nach Samusocial), nach den Gemeindewahlen vom Oktober 2024 in einer Koalition PS-Vooruit / MR / Engagés bestätigt, ist seit 2013 Präsident von Brussels Expo. Für jede BIFFF-Veranstaltung auf dem Heysel kumuliert Philippe Close potenziell vier Rollen:

  • Präsident einer ASBL (der Vermieter),
  • Bürgermeister (die Genehmigungsbehörde für Veranstaltungen im öffentlichen Raum, Art. 119/135 NLC),
  • Leiter der Verwaltungspolizei (Polizeizone Bruxelles-Ixelles),
  • Leiter der kommunalen Exekutive (der letztliche Konzessionsgeber der Paläste).

Medor (Nr. 36, Herbst 2024) bezeichnet diese Konstellation als „schizophrene Situation" zwischen kommunalen Interessen und Organisationsinteressen und dokumentiert:

  • die Fusion 2017-2018 der ASBL FIB, FSB und Brussels Summer Festival in Brussels Expo als direkte Folge der Reformen nach Samusocial,
  • eine Führungskrise im Januar 2023 (CEO Denis Delforge und zwei Top-Manager drohen mit Rücktritt, Mediator bestellt, Streikandrohung),
  • „inakzeptable Sicherheitsrisiken", die 2023 an den Palästen dokumentiert wurden,
  • einen COVID-bedingten Einnahmenverlust, geschätzt auf 80 Millionen €.

NEO taucht wieder auf

Die Brüsseler Regierungsvereinbarung 2026-2029 erweckt NEO auf dem Heysel-Plateau wieder zum Leben. Das Projekt, lange tot nach der Beerdigung von Eurostadium 2018, wird um ein CONFEX-Modell (CONference + EXhibition) neu gedacht — ein neues Kongresszentrum, integriert in die bestehenden Hallen, ergänzt durch einen Sportpark im Süden des Plateaus (Leichtathletik, Hockey, Rugby) und die Umwandlung der großen leeren Parkplätze in Wohnungen/Geschäfte/Freizeit. Die Steuerung liegt nun auf regionaler Ebene, die Finanzierung ist über die bestehenden NEO-Strukturen sowie externe und private Finanzierung vorgesehen.

Die Vereinbarung garantiert ausdrücklich die Koexistenz des Projekts „mit emblematischen Monumenten wie dem Atomium oder den Ausstellungshallen" — die Paläste werden also nicht abgerissen. Aber das BIFFF findet sich als Mieter in einer mehrjährigen Baustellenzone wieder, in Gebäuden, deren Sicherheit als bedenklich gekennzeichnet wurde, gerade zu dem Zeitpunkt, an dem sein Mietvertrag „mindestens 5 Jahre" von 2022 ausläuft.

Quellen: brussels-expo.com/en/transparence; medor.coop (Nr. 36); rtbf.be (NEO); rtbf.be (Gemeindewahlen 2024).

BIFFF in der Brüsseler Sparpolitik 2026: Kompression unter Druck

Das BIFFF 2026 eröffnet genau in dem Moment, in dem die Brüsseler Regierungsvereinbarung vom 12. Februar 2026 ihren Sparplan entfaltet (~1 Milliarde € über vier Jahre, Rückkehr zum Gleichgewicht 2029).

Das sichtbarste Kürzungsinstrument betrifft visit.brussels, die regionale Image- und Tourismusagentur, deren „Be Brussels"-Logo das BIFFF als Partner anzeigt. Generaldirektor Patrick Bontinck hat gegenüber Belgeo (26. März 2026) bestätigt:

« La Région bruxelloise réduit nos financements de 5,7 millions d'euros en 2026, sur un budget total de 22 millions d'euros. » (Die Region Brüssel kürzt unsere Finanzierung 2026 um 5,7 Millionen Euro, bei einem Gesamtbudget von 22 Millionen Euro.)

Bestätigter Verlauf: 22 Mio. € → 8 Mio. € bis 2029, also −64 %. Bis zu 90 Arbeitsplätze von 160 sind bedroht. Die bereits im März 2026 bestätigten direkten kulturellen Opfer:

  • BD Comic Strip Festival 2026 — abgesagt
  • Festival of the Iris 2026 — reduziert auf ein einziges Konzert
  • J'aime les sciences (Oktober 2026) — abgesagt
  • jede Eventwerbung eingefroren, mit Ausnahme der Pride.

Im Gegensatz zu den bereits gefallenen Festivals (BD, Iris, J'aime les sciences) hat das BIFFF bis heute keine direkte Kürzung oder Absage erlitten. Seine Strategie 2026 — die Programmgestaltung auf einen einzigen Saal zu konzentrieren und das Fenster auf 16 Tage zu erweitern, um drei Spitzenwochenenden zu erfassen — ist eine bewusste ökonomische Reorganisation und keine erzwungene Amputation. Das Festival absorbiert den Druck, indem es sein Modell neu aufstellt, ohne den Bruchpunkt bereits zu erreichen. Aber es bleibt mindestens zwei der drei vom RAB/BKO identifizierten Bedrohungen ausgesetzt (visit.brussels, Image de Bruxelles), mit einem größeren Footprint als die bereits gefallenen Festivals (zuletzt 45.000-50.000 Besucher, internationale Sichtbarkeit, Gründungsmitglied der Méliès International Festivals Federation, FIAPF-Akkreditierung). Seine Sichtbarkeit macht es zu einem privilegierten Barometer: was das BIFFF zum Überleben neu konfigurieren muss, sagt präziser als ein regionales Budget, was die Brüsseler Sparpolitik einem gut ausgestatteten kulturellen Mittelbetrieb auferlegt.

Das zweisprachige Netzwerk RAB/BKO hat am 7. März 2026 einen von 120+ Institutionen mitunterzeichneten Appell veröffentlicht, den Kultursektor nicht zu opfern, und zielt auf drei Bedrohungen der Regierungsvereinbarung: Streichung des Budgets „Image de Bruxelles", Reform der ACS (die dauerhafte Beschäftigung bedroht), Kürzungen bei visit.brussels. Das BIFFF kumuliert mindestens zwei der drei.

Das BIFFF in der Regierungsvereinbarung: ein blinder Fleck

Die DPR 2026-2029 nennt das BIFFF nicht. Die Kultur wird dort transversal behandelt (Barrierefreiheit, Lesen, Tanz, Senioren), ohne eigene Linie für Filmfestivals. Keine Ausnahme, keine gezielte Maßnahme. Das Festival wird weder geschützt, noch genannt, noch ausgenommen.

Die Abfolge der Warnungen (2022-2026)

Lenaerts hat es ausdrücklich gegenüber L'Avenir am 27. April 2025 erklärt: « On alerte les pouvoirs publics depuis 2022. » (Wir warnen die öffentlichen Stellen seit 2022.) Die Gleichung „konstante Subventionen + steigende Kosten" ist nach dem Umzug nach dem Bozar und der Post-COVID-Inflation bei Rechten, Versicherungen und Mietkosten im Palais 10 gekippt. Die öffentlichen Äußerungen vom März 2025 und März 2026 sind daher keine konjunkturelle Reaktion auf eine neue Krise: sie sind das Ergebnis einer dreijährigen strukturellen Kompression.

Die strukturelle Asymmetrie der Lasagne

Das BIFFF liefert einen ungewöhnlich klaren Lehrbuchfall:

  • Die Linie FWB Centre du Cinéma (120.000 €/Jahr) ist vertraglich, konventioniert, mehrjährig. Der nächste Zyklus 2027-2030 eröffnet im April 2026 (Bewerbungsfrist 11. Mai 2026), und das globale Festivalbudget wird mit 1.028.000 €/Jahr angekündigt. Vorbehaltlich einer angenommenen Bewerbung handelt es sich um einen schützenden Finanzierungsboden über vier Jahre.
  • Umgekehrt sind die regionalen und kommunalen Kanäle (visit.brussels, Image de Bruxelles, Unterstützung Stadt Brüssel) diskretionär, jährlich, kabinettsgesteuert. Es sind genau die Linien, die der Sparvertrag 2026 als erste zu kürzen beschlossen hat.

→ Die institutionelle Lasagne ist auf dem Gemeinschaftsboden schützend, aber auf dem regional-kommunalen Dach exponiert. Das BIFFF befindet sich genau an dieser Schnittstelle.

Caveats — was noch vertieft werden muss

Diese erste Fassung des Dossiers stützt sich auf verifizierte Primärquellen (FWB-Finanzierungsentscheidungen, Brussels Expo-Statuten, öffentliche Erklärungen des BIFFF-Teams, Belgeo/RABKO-Mitteilungen/Regionalvereinbarung). Mehrere Graubereiche müssen aktiv recherchiert werden, bevor eine endgültige Einstufung möglich ist:

  1. Tatsächliches Gesamtbudget des Festivals. Die 985.337 € Umsatz 2024 von Peymey Diffusion sind eine Untergrenze, keine Gesamtsumme. Ein Tätigkeitsbericht oder ein direktes Interview wären nötig, um die reale Produktion zu schätzen (Rechte, Säle, Reisen, Gäste).
  2. Verhältnis Peymey ↔ BIFFF ASBL. Welche Struktur beschäftigt das Personal? Welche erhält den FWB-Zuschuss? Wer schließt Verträge mit Brussels Expo? Die operative Aufteilung ist nicht öffentlich.
  3. Miete Brussels Expo (Palais 10). Zu Marktpreisen, subventioniert oder teilweise als Sachleistung? Das Differential ist wahrscheinlich die wichtigste versteckte kommunale öffentliche Unterstützung.
  4. Genauer regionaler/kommunaler Zuschuss. Keine Zahl wurde für den Anteil „Image de Bruxelles" oder die Stadt veröffentlicht. Das regionale Brüsseler Subventionskataster (open data) muss direkt abgefragt werden.
  5. Erneuerung des Mietvertrags 2027. Dies ist die entscheidende operative Unsicherheit — von keiner öffentlichen Quelle zum 12. April 2026 abgedeckt.
  6. Nachfolgeplan. Die 4 noch im Verwaltungsrat vertretenen Gründer sind zwischen 65 und 75 Jahre alt (zu bestätigende Hypothese). Kein öffentlicher Plan.
  7. Creative Europe MEDIA. Begünstigt oder nicht? EACEA-Datenbank abzufragen.

Diese Punkte entkräften nicht die Grundstruktur des Dossiers: sie präzisieren seine Konturen und legen die Agenda für die nächste Iteration fest.

Warum das BIFFF für die Brüsseler Governance zählt

Das BIFFF ist nicht nur ein Genrefestival. Es ist:

  • einer der seltenen privaten Brüsseler Kulturbetreiber mittlerer Größe, dessen Finanzierungstrajektorie gleichzeitig vier Machtebenen kreuzt,
  • ein direkter Zeuge der Auswirkungen politischer Übergänge (Samusocial, Eurostadium/NEO, Regierungsbildung 2024-2026, Sparpolitik 2026-2029) auf das tatsächliche kulturelle Programm,
  • ein Barometer der Resilienz der Brüsseler kulturellen Mittelbetriebe: seine Reorganisation 2026 (Yield Management: ein Saal, 16 Tage, drei Wochenenden) zeigt, wie ein Festival von internationaler Größenordnung den Sparpolitikdruck absorbiert, ohne bereits zu brechen. Die Frage für 2027-2028 ist, wie lange dieses komprimierte Modell standhalten kann, insbesondere wenn der Mietvertrag mit Brussels Expo nicht verlängert wird oder die FWB-Bewerbung für den Zyklus 2027-2030 nicht erfolgreich ist.

Es zu verfolgen, heißt — in Echtzeit und mit einer sehr lesbaren Metrik (findet das Festival statt? in welchem Format? wie viele Säle? wie viele Tage?) — die materielle Wirkung politischer Entscheidungen zu verfolgen, die andernorts abstrakt bleiben.

Quellen

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