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Brussels Governance Monitor

Beschäftigung: Ziel 70 %, verstärkte Aktivierung und Zweisprachigkeit

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Die DPR strebt eine Beschäftigungsquote von 70 % bis Ende der Legislaturperiode an, doch die tatsächliche strukturelle Quote liegt bei nur ~55 % (Itinera-Daten). Mit 97.859 Arbeitssuchenden im Februar 2026 (+0,69 Pkt.) und 42.000 Ausschlüssen durch die Arbeitslosenreform beträgt die Lücke 15 Punkte.

JugendNeuankömmlingeSelbstständigeGenderPrekaritätZweisprachigkeit
Kurz gefasst (leichte Sprache)

Die neue Regierung will, dass 70 % der Brüsseler eine Arbeit haben. Arbeitssuchende müssen eine Kompetenzbilanz erstellen und Französisch oder Niederländisch lernen.

Schluesselzahlen

96.650

Arbeitssuchende (Dez. 2025)

15,4%+4,4% über 1 Jahr

Arbeitslosenquote (admin.)

+3,4%Jahresveränderung

Jugendarbeitslosigkeit

42.000kumulative Schätzung

Von Leistungen ausgeschlossen (Jan. 2026 – Jul. 2027)

7.654Briefe BXL (Ende des Rechts 01/07/2026)

4. ONEM-Welle (Briefe Art. 63)

Engagements der DPR

Die Regionale Politikerklärung vom 13. Februar 2026 legt ehrgeizige Beschäftigungsziele fest:

  • Ziel: Beschäftigungsquote von 70 % bis Ende der Legislaturperiode (vs 64,9 % derzeit)
  • Verstärkte Aktivierung der Arbeitssuchenden
  • Obligatorische Kompetenzbilanz für alle Arbeitssuchenden
  • Sprachliche Beurteilung bei der Anmeldung, obligatorische FR/NL-Ausbildung bei fehlenden Kenntnissen
  • Förderung der Zweisprachigkeit als Hebel für den Zugang zur Beschäftigung
  • Spezielle Actiris-Zelle für die Urbanen Freizonen (Hafen von Brüssel + Standort Audi Forest): gezielte Begleitung für Industrie- und Logistikberufe in beiden Zonen

Diese Maßnahmen antworten auf die geerbte doppelte Krise: die föderale Arbeitslosenreform (42.000 Ausschlüsse) und der strukturelle Anstieg der Brüsseler Arbeitslosigkeit (97.859 Arbeitssuchende im Februar 2026). Die Differenz zwischen dem Ziel von 70 % und dem aktuellen Stand von 64,9 % erfordert einen Anstieg um mehr als 5 Punkte in einer Legislaturperiode.

Strukturelle Diagnose: das Ausmaß der Herausforderung (Itinera-Studie, 2006-2022)

Die Studie „80 % Beschäftigung in Belgien" des Itinera Institute (Jean Hindriks, UCLouvain), basierend auf erschöpfenden Verwaltungsdaten von 2006 bis 2022, zeigt das Ausmaß des Brüsseler Rückstands.

Strukturelle Beschäftigungsquote (18-64 Jahre, Verwaltungsdaten): Brüssel weist eine Beschäftigungsquote von ~55 % auf, gegenüber ~74 % in Flandern und ~65 % in Wallonien. Keine der 19 Brüsseler Gemeinden überschreitet den europäischen Durchschnitt von 74,1 %. Die Nord-Süd-Kluft am Kanal bleibt ausgeprägt.

Geschlechtsspezifische Stagnation: Zwischen 2006 und 2022 hat die Frauenbeschäftigung in Brüssel keine Fortschritte gemacht (0 %), während sie in Flandern um +20,6 % und in Wallonien um +11,9 % stieg. Bei den Männern hat sich die Situation verschlechtert (−5,8 %). Brüssel ist die einzige Region mit diesem doppelt-negativen Profil.

Jugendliche steigen aus: Nur ~25 % der 18-24-Jährigen in Brüssel sind beschäftigt (vs ~40 % in Flandern). Entscheidend: Die Jugendarbeitslosigkeit wandelt sich nicht in Beschäftigung, sondern in Inaktivität — diese Personen verlassen den Arbeitsmarkt vollständig.

Massive Inaktivität: 34,4 % der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter sind in Brüssel inaktiv (1 von 3), gegenüber 1 von 4 in Wallonien und 1 von 5 in Flandern. Frauen nicht-EU-europäischer Herkunft weisen eine Lücke von bis zu 25 Prozentpunkten im Vergleich zu belgischen Frauen auf.

Kinderbetreuungsinfrastruktur: Brüssel verfügt nur über 18 Krippenplätze pro 100 Kinder — ein Verhältnis, das die weibliche Beschäftigung mechanisch bremst.

Die Kluft zwischen dem DPR-Ziel von 70 % und der strukturellen Realität von ~55 % stellt eine Herausforderung von 15 Punkten dar — deutlich über den 5 Punkten der Statbel-Arbeitskräfteerhebung (64,9 %). Dieser Unterschied erklärt sich durch die Methodik: Verwaltungsdaten sind erschöpfend, während die Erhebung auf einer Stichprobe mit erheblichen lokalen Fehlermargen basiert.

Quelle: Itinera Institute — „80 % Beschäftigung in Belgien: wo stehen wir wirklich?" (Hindriks & Douieb, Verwaltungsdaten 2006-2022).

Arbeitslosigkeit Februar 2026: fast 100.000 Arbeitssuchende

Im Februar 2026 zählte die Region Brüssel 97.859 arbeitslose Arbeitssuchende (DEI), was einer administrativen Arbeitslosenquote von 15,3 % (+0,69 Punkte im Jahresvergleich) entspricht. Bei den Jugendlichen unter 25 Jahren beträgt der Anstieg +6,3 % im Jahresvergleich. Bemerkenswert: 20.792 Personen, die als Arbeitssuchende eingetragen sind, sind von einem ÖSHZ abhängig (21,2 % der Gesamtzahl), ein Anstieg von +17,5 % im Jahresvergleich.

Actiris erwartet einen « großen statistischen Bruch » durch die föderale Arbeitslosenreform: Ab Juli 2026 werden die ersten massiven Leistungsenden (4. ONEM-Welle) Tausende Arbeitslose zu den ÖSHZ verlagern, was die Zahl der ÖSHZ-Eingetragenen unter den Arbeitssuchenden mechanisch ansteigen lässt.

Quelle: DH / Actiris (5. März 2026).

Medianlohn: Brüssel führt, wachsende Kluft (März 2026)

Der Gehaltsbarometer 2026 von SD Worx (400.000 analysierte Lohnzettel) zeigt, dass der Median-Bruttolohn in Brüssel 4.200 €/Monat beträgt, gegenüber 3.585 € in Flandern und 3.270 € in Wallonien. In fünf Jahren stieg der Brüsseler Lohn um 29 % (von 3.256 € im Jahr 2021) — mehr als in Flandern (+24 %) und Wallonien (+22 %).

Dieses Lohngefälle spiegelt die Konzentration qualifizierter Arbeitsplätze im Dienstleistungssektor wider (EU-Institutionen, Finanzsektor, Unternehmensdienstleistungen), sagt aber nichts über die reale Kaufkraft aus — die Wohn- und Lebenshaltungskosten sind in Brüssel höher. Es besteht neben einer Arbeitslosenquote von 15,3 % und einer strukturellen Beschäftigungsquote von ~55 %, was die Dualität des Brüsseler Arbeitsmarktes veranschaulicht.

Quelle: SD Worx / Trends-Tendances, März 2026.

Non-Profit-Beschäftigung: ACS unter Druck

Das ACS-System (subventionierte Vertragsbedienstete) — ~10.000 Stellen, ~6.700 aktiv, Budget ~250 Mio. EUR — bleibt der wichtigste Hebel für subventionierte Beschäftigung in der Region Brüssel. Seit 2007 wurden keine neuen Stellen geschaffen. Die 2015 begonnene Reform wandelt das Instrument von struktureller Unterstützung zu Aktivierungspolitik — eine Wende, die vom Vereinigungssektor bestritten wird. Am 3. Februar 2026 demonstrierten Hunderte von Non-Profit-Arbeitnehmern in Brüssel für ein sektorales Sozialabkommen. Die RPE 2026 erwähnt die „Fortsetzung der ACS-Reform". Siehe das spezielle Dossier für die vollständige Analyse.

Weitere Beschäftigungsverpflichtungen (DPR, Kapitel 5)

Die DPR enthält ergänzende operative Verpflichtungen:

  • Einheitliche Akte für die Begleitung von Arbeitssuchenden: Zentralisierung der Nachverfolgung zwischen Actiris, Bruxelles Formation und Partnern
  • Reform der ALE (Lokale Beschäftigungsagenturen): Modernisierung des lokalen Beschäftigungsinstruments
  • Abschaffung des Evaluierungskollegiums von Actiris: Vereinfachung der Governance
  • Anti-Diskriminierungstesting bei der Einstellung: Kontrollmechanismus für diskriminierende Praktiken
  • Masterplan Berufsausbildung: Entwicklungsplan für das Ausbildungsangebot
  • Sozialwirtschaft: regionaler Plan für die Entwicklung der Sozialwirtschaft

Diese Verpflichtungen wurden noch nicht in Umsetzungsmaßnahmen überführt.

Struktureller Kontext: Mini-Bru IBSA 2026

Das Mini-Bru 2026 (BISA/perspective.brussels) liefert die strukturellen Daten des Brüsseler Arbeitsmarktes:

IndikatorWert (2024)BelgienEU 27
Erwerbsbevölkerung (15-64)858 1004 981 000200 750 000
Beschäftigungsquote58,9 %66,7 %70,8 %
Arbeitslosenquote ILO11,9 %5,8 %6,0 %
Erwerbsquote66,8 %
Geschlechtergefälle Beschäftigung11,9 Pkt. (M 64,9 % / F 53 %)

Das Ziel der DPR ist eine Beschäftigungsquote von 70 % — eine Lücke von 11,1 Punkten. Die ILO-Arbeitslosenquote (11,9 %) unterscheidet sich von der Actiris-Quote (15,3 %), da sie auf einer Erhebung basiert (aktiv Arbeitsuchende) und nicht auf Verwaltungsdaten (Eingeschriebene).

Unter den Arbeitssuchenden sind 41 652 Personen (45 %) seit mehr als 2 Jahren arbeitslos — ein besonders hoher Indikator für strukturelle Arbeitslosigkeit.

Quelle: BISA Mini-Bru 2026 (Statbel LFS, Actiris, Daten 2024).

Bruxelles Formation: 15 909 Ausgebildete in 2025

Bruxelles Formation hat im Jahr 2025 15 909 Arbeitssuchende begleitet, ein Anstieg von +1,5 % gegenüber 2024. Die Beschäftigungsquote nach der Ausbildung liegt bei 72 %, ein leichter Rückgang gegenüber 2024 (75 %).

Quelle: DH / Bruxelles Formation (17. März 2026).

Umqualifizierung von Plattformarbeitern

Am 13. Juni 2025 stufte das Brüsseler Arbeitsgericht einen Uber-Fahrer als Arbeitnehmer (nicht als Selbstständigen) ein, da kein echtes wirtschaftliches Risiko bestehe, keine eigene Preisgestaltung möglich sei und die Kontrolle über Geolokalisierung erfolge. Die Entscheidung ist zwar auf den Einzelfall beschränkt, reiht sich aber in eine wachsende Rechtsprechung zum Status von Plattformarbeitern ein.

Quelle: Brüsseler Arbeitsgericht, 13. Juni 2025; Claeys & Engels.

Geerbter Kontext (Juni 2024 – Februar 2026)

Die Region sah sich einer Doppelkrise gegenüber: hohe strukturelle Arbeitslosigkeit (15,4 %) und die angekündigte Bundesreform, die 42.000 Brüsseler mit Ausschluss bedroht. Der soziale Dialog stand still.

Vollständigen Kontext lesen

Was das konkret bedeutet

Die RPE legt eine Beschäftigungsquote von 70 % als Ziel bis zum Ende der Legislatur fest, mit verstärkter Aktivierung, verpflichtender Kompetenzbilanz und Förderung der Zweisprachigkeit. Der Kontext bleibt angespannt: 98.458 Arbeitssuchende und 42.000 Ausschlüsse über 18 Monate erwartet.

Was BGM nicht sagt

Diese Karte beurteilt nicht, ob die Regierung das Beschäftigungsziel von 70 % erreichen kann. Sie dokumentiert die RPE-Verpflichtungen und den Kontext (98.458 Arbeitssuchende, föderale Reform). Die Beschäftigungsdynamik hängt von mehreren Faktoren ab (Konjunktur, föderale Reform, Wirtschaftsstruktur).

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