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Brussels Governance Monitor

Beschäftigung: Ziel 70 %, verstärkte Aktivierung und Zweisprachigkeit

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Die DPR strebt eine Beschäftigungsquote von 70 % bis Ende der Legislaturperiode an, doch die tatsächliche strukturelle Quote liegt bei nur ~55 % (Itinera-Daten). Mit 96.113 Arbeitssuchenden im März 2026 (15,0 %, +0,67 Pkt. im Jahresvergleich) und 42.000 Ausschlüssen durch die Arbeitslosenreform beträgt die Lücke 15 Punkte.

JugendNeuankömmlingeSelbstständigeGenderPrekaritätZweisprachigkeit
Kurz gefasst (leichte Sprache)

Die neue Regierung will, dass 70 % der Brüsseler eine Arbeit haben. Arbeitssuchende müssen eine Kompetenzbilanz erstellen und Französisch oder Niederländisch lernen.

Schluesselzahlen

96.650

Arbeitssuchende (Dez. 2025)

15,4%+4,4% über 1 Jahr

Arbeitslosenquote (admin.)

+3,4%Jahresveränderung

Jugendarbeitslosigkeit

42.000kumulative Schätzung

Von Leistungen ausgeschlossen (Jan. 2026 – Jul. 2027)

7.654Briefe BXL (Ende des Rechts 01/07/2026)

4. ONEM-Welle (Briefe Art. 63)

Engagements der DPR

Die Regionale Politikerklärung vom 13. Februar 2026 legt ehrgeizige Beschäftigungsziele fest:

  • Ziel: Beschäftigungsquote von 70 % bis Ende der Legislaturperiode (vs 63,9 % 2025, Statbel AKE jährlich)
  • Verstärkte Aktivierung der Arbeitssuchenden
  • Obligatorische Kompetenzbilanz für alle Arbeitssuchenden
  • Sprachliche Beurteilung bei der Anmeldung, obligatorische FR/NL-Ausbildung bei fehlenden Kenntnissen
  • Förderung der Zweisprachigkeit als Hebel für den Zugang zur Beschäftigung
  • Spezielle Actiris-Zelle für die Urbanen Freizonen (Hafen von Brüssel + Standort Audi Forest): gezielte Begleitung für Industrie- und Logistikberufe in beiden Zonen

Diese Maßnahmen antworten auf die geerbte doppelte Krise: die föderale Arbeitslosenreform (42.000 Ausschlüsse) und der strukturelle Anstieg der Brüsseler Arbeitslosigkeit (96.113 Arbeitssuchende im März 2026, nach einem Höchststand von 98.458 im Januar). Die Differenz zwischen dem Ziel von 70 % und dem Stand 2025 von 63,9 % erfordert einen Anstieg um mehr als 6 Punkte in einer Legislaturperiode.

Strukturelle Diagnose: das Ausmaß der Herausforderung (Itinera-Studie, 2006-2022)

Die Studie „80 % Beschäftigung in Belgien" des Itinera Institute (Jean Hindriks, UCLouvain), basierend auf erschöpfenden Verwaltungsdaten von 2006 bis 2022, zeigt das Ausmaß des Brüsseler Rückstands.

Strukturelle Beschäftigungsquote (18-64 Jahre, Verwaltungsdaten): Brüssel weist eine Beschäftigungsquote von ~55 % auf, gegenüber ~74 % in Flandern und ~65 % in Wallonien. Keine der 19 Brüsseler Gemeinden überschreitet den europäischen Durchschnitt von 74,1 %. Die Nord-Süd-Kluft am Kanal bleibt ausgeprägt.

Geschlechtsspezifische Stagnation: Zwischen 2006 und 2022 hat die Frauenbeschäftigung in Brüssel keine Fortschritte gemacht (0 %), während sie in Flandern um +20,6 % und in Wallonien um +11,9 % stieg. Bei den Männern hat sich die Situation verschlechtert (−5,8 %). Brüssel ist die einzige Region mit diesem doppelt-negativen Profil.

Jugendliche steigen aus: Nur ~25 % der 18-24-Jährigen in Brüssel sind beschäftigt (vs ~40 % in Flandern). Entscheidend: Die Jugendarbeitslosigkeit wandelt sich nicht in Beschäftigung, sondern in Inaktivität — diese Personen verlassen den Arbeitsmarkt vollständig.

Massive Inaktivität: 34,4 % der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter sind in Brüssel inaktiv (1 von 3), gegenüber 1 von 4 in Wallonien und 1 von 5 in Flandern. Frauen nicht-EU-europäischer Herkunft weisen eine Lücke von bis zu 25 Prozentpunkten im Vergleich zu belgischen Frauen auf.

Kinderbetreuungsinfrastruktur: Brüssel verfügt nur über 18 Krippenplätze pro 100 Kinder — ein Verhältnis, das die weibliche Beschäftigung mechanisch bremst.

Die Kluft zwischen dem DPR-Ziel von 70 % und der strukturellen Realität von ~55 % stellt eine Herausforderung von 15 Punkten dar — deutlich über den 6 Punkten der Statbel-Arbeitskräfteerhebung (63,9 % in 2025). Dieser Unterschied erklärt sich durch die Methodik: Verwaltungsdaten sind erschöpfend, während die Erhebung auf einer Stichprobe mit erheblichen lokalen Fehlermargen basiert.

Quelle: Itinera Institute — „80 % Beschäftigung in Belgien: wo stehen wir wirklich?" (Hindriks & Douieb, Verwaltungsdaten 2006-2022).

Arbeitslosigkeit März 2026: Rückgang auf 96.113 Arbeitssuchende nach Januar-Höchststand

Im März 2026 zählte die Region Brüssel 96.113 registrierte Arbeitssuchende, was einer administrativen Arbeitslosenquote von 15,0 % (+0,67 Punkte im Jahresvergleich) entspricht. Dies ist ein Rückgang von −1.746 Personen (−1,8 %) gegenüber Februar (97.859) und −2.345 seit dem Januar-Höchststand (98.458). Der jährliche Anstieg bleibt jedoch nach Altersgruppe markant: +9,1 % bei den unter 25-Jährigen (+910 Personen), +6,6 % bei den 25-49-Jährigen (+3.796), +5,5 % bei den 50+ (+1.254).

Ende Februar 2026 waren 20.792 Arbeitssuchende (21,2 % der Gesamtzahl) von einem ÖSHZ abhängig, ein Anstieg von +17,5 % im Jahresvergleich — ein Schlüsselindikator für den kumulierten Druck der föderalen Arbeitslosenreform auf die Brüsseler ÖSHZ.

Actiris warnt, dass ein « großer statistischer Bruch » bevorsteht: Die zeitliche Begrenzung der Arbeitslosenleistungen wird die Verwaltungskategorien ändern und Zeitreihen ab Sommer 2026 teilweise unvergleichbar machen.

Quellen: Actiris — Monatszahlen (3. April 2026); DH (5. März 2026).

Medianlohn: Brüssel führt, wachsende Kluft (März 2026)

Der Gehaltsbarometer 2026 von SD Worx (400.000 analysierte Lohnzettel) zeigt, dass der Median-Bruttolohn in Brüssel 4.200 €/Monat beträgt, gegenüber 3.585 € in Flandern und 3.270 € in Wallonien. In fünf Jahren stieg der Brüsseler Lohn um 29 % (von 3.256 € im Jahr 2021) — mehr als in Flandern (+24 %) und Wallonien (+22 %).

Dieses Lohngefälle spiegelt die Konzentration qualifizierter Arbeitsplätze im Dienstleistungssektor wider (EU-Institutionen, Finanzsektor, Unternehmensdienstleistungen), sagt aber nichts über die reale Kaufkraft aus — die Wohn- und Lebenshaltungskosten sind in Brüssel höher. Es besteht neben einer administrativen Arbeitslosenquote von 15,0 % (März 2026) und einer strukturellen Beschäftigungsquote von ~55 %, was die Dualität des Brüsseler Arbeitsmarktes veranschaulicht.

Quelle: SD Worx / Trends-Tendances, März 2026.

Non-Profit-Beschäftigung: ACS unter Druck

Das ACS-System (subventionierte Vertragsbedienstete) — ~10.000 Stellen, ~6.700 aktiv, konsolidierter Haushalt 276 Mio. € 2026 — bleibt der wichtigste Hebel für subventionierte Beschäftigung in der Region Brüssel. Seit 2007 wurden keine neuen Stellen geschaffen. Die 2015 begonnene Reform wandelt das Instrument von struktureller Unterstützung zu Aktivierungspolitik — eine Wende, die vom Vereinigungssektor bestritten wird. Am 3. Februar 2026 demonstrierten Hunderte von Non-Profit-Arbeitnehmern in Brüssel für ein sektorales Sozialabkommen. Die RPE 2026 erwähnt die „Fortsetzung der ACS-Reform". Der am 16. April 2026 angepasste Haushalt (siehe unten) erhält Artikel 20 und verzichtet auf die 95 %-Vereinheitlichung. Siehe das spezielle Dossier für die vollständige Analyse.

Weitere Beschäftigungsverpflichtungen (DPR, Kapitel 5)

Die DPR enthält ergänzende operative Verpflichtungen:

  • Einheitliche Akte für die Begleitung von Arbeitssuchenden: Zentralisierung der Nachverfolgung zwischen Actiris, Bruxelles Formation und Partnern
  • Reform der ALE (Lokale Beschäftigungsagenturen): Modernisierung des lokalen Beschäftigungsinstruments
  • Abschaffung des Evaluierungskollegiums von Actiris: Vereinfachung der Governance
  • Anti-Diskriminierungstesting bei der Einstellung: Kontrollmechanismus für diskriminierende Praktiken
  • Masterplan Berufsausbildung: Entwicklungsplan für das Ausbildungsangebot
  • Sozialwirtschaft: regionaler Plan für die Entwicklung der Sozialwirtschaft

Diese Verpflichtungen wurden noch nicht in Umsetzungsmaßnahmen überführt.

Struktureller Kontext: Mini-Bru IBSA 2026

Das Mini-Bru 2026 (BISA/perspective.brussels) liefert die strukturellen Daten des Brüsseler Arbeitsmarktes:

IndikatorWert (2024)BelgienEU 27
Erwerbsbevölkerung (15-64)858 1004 981 000200 750 000
Beschäftigungsquote58,9 %66,7 %70,8 %
Arbeitslosenquote ILO11,9 %5,8 %6,0 %
Erwerbsquote66,8 %
Geschlechtergefälle Beschäftigung11,9 Pkt. (M 64,9 % / F 53 %)

Das Ziel der DPR ist eine Beschäftigungsquote von 70 % — eine Lücke von 11,1 Punkten ggü. der Mini-Bru 2024-Basis. Die ILO-Arbeitslosenquote (11,9 % in 2024, 12,7 % in 2025 laut Statbel jährlich) unterscheidet sich von der Actiris-Quote (15,0 % im März 2026), da sie auf einer Erhebung basiert (aktiv Arbeitsuchende) und nicht auf Verwaltungsdaten (Eingeschriebene).

Unter den Arbeitssuchenden sind 41 652 Personen (45 %) seit mehr als 2 Jahren arbeitslos — ein besonders hoher Indikator für strukturelle Arbeitslosigkeit.

Quelle: BISA Mini-Bru 2026 (Statbel LFS, Actiris, Daten 2024).

Bruxelles Formation: 15 909 Ausgebildete in 2025

Bruxelles Formation hat im Jahr 2025 15 909 Arbeitssuchende begleitet, ein Anstieg von +1,5 % gegenüber 2024. Die Beschäftigungsquote nach der Ausbildung liegt bei 72 %, ein leichter Rückgang gegenüber 2024 (75 %).

Quelle: DH / Bruxelles Formation (17. März 2026).

Leitung Actiris: Übergang im Gange (28. März 2026)

Am 28. März 2026 hat Cristina Amboldi ihren Rücktritt als Generaldirektorin von Actiris mit sofortiger Wirkung eingereicht. Sie war im November 2025 vorübergehend ernannt worden (6-Monats-Mandat). Gegenüber Le Soir erklärte sie, dass „der Rahmen für die Ausübung der Funktion nicht mehr mit [ihrer] Vision übereinstimmt" und sie „nie konsultiert" wurde bezüglich der Sparmaßnahmen. Der Wendepunkt: die Ablehnung ihres Haushalts 2026 durch den Verwaltungsrat am 27. März.

Die stellvertretende Generaldirektorin Caroline Mancel erreicht ebenfalls das Ende ihres Mandats am 1. April 2026. Der Verwaltungsausschuss sichert die operative Kontinuität. Ein Rekrutierungsverfahren für beide Positionen wird in Kürze eingeleitet.

Die Opposition (PTB-PVDA, Ecolo, DéFI) kritisierte die Auswirkungen der ursprünglich 40 Millionen EUR Sparmaßnahmen bei Actiris auf die Qualität der öffentlichen Dienstleistungen, im Kontext der Arbeitslosenreform (42.000 Ausschlüsse) und des Beschäftigungsziels von 70 %.

Quelle: BRUZZ / Le Soir / BX1 (28.-30. März 2026). Vertrauen: official (Kabinett Hublet + Interview Amboldi).

Angepasster Actiris-Haushalt 2026 (16. April 2026)

Drei Wochen nach der Ablehnung der ersten Fassung durch den Verwaltungsausschuss (26. März) und dem Rücktritt von Amboldi (30. März) einigte sich die Brüsseler Regierung am Donnerstag, 16. April 2026, auf einen angepassten Actiris-Haushalt 2026. Laut Arbeitsminister Laurent Hublet (Les Engagés) werden die ursprünglichen Einsparungen von 40 Millionen EUR bei der Beschäftigungspolitik 2026 auf etwa 28 Millionen EUR reduziert (−12 Mio. €). Erzielte Zugeständnisse:

  • Erste-Beschäftigungs-Vereinbarungen (CPE): wesentlicher Anteil in den Brüsseler Verwaltungen beibehalten, „angesichts der Schwierigkeiten beim Zugang zur Beschäftigung, mit denen viele Jugendliche konfrontiert sind"
  • Artikel 20 der ACS-Regelung: erhalten — keine Abschaffung des Abweichungsmechanismus
  • Vereinheitlichung auf 95 % der ACS-Stellen: aufgegeben — differenzierte Sätze beibehalten
  • Actiris-Partnerschaftspolitik: volle Ambitionen beibehalten, 67 Mio. € gesichert
  • Konsolidierter ACS-Haushalt: 276 Mio. € 2026

Die Activa.brussels-Prämie wird bestätigt abgeschafft und 2027 durch ein neues Instrument ersetzt. Die Regierung beruft sich auf eine Studie, wonach die Begünstigten mehrheitlich keine Brüsseler waren. Florence Lepoivre (FGTB Brüssel) bezeichnet die Activa-Reform als „vielleicht die am wenigsten problematische Maßnahme"; Julie Lambotte (UCM Brüssel) betont die Notwendigkeit eines sorgfältigen Übergangs zum künftigen Instrument. Der angepasste Haushalt muss noch dem Verwaltungsausschuss von Actiris vorgelegt und in eine regionale Haushaltsanpassung umgesetzt werden, die im Brüsseler Parlament beschlossen wird.

Quellen: RTBF (16. April 2026); Guide Social (27. März 2026); BX1 (Activa-Prämien).

Umqualifizierung von Plattformarbeitern

Am 13. Juni 2025 stufte das Brüsseler Arbeitsgericht einen Uber-Fahrer als Arbeitnehmer (nicht als Selbstständigen) ein, da kein echtes wirtschaftliches Risiko bestehe, keine eigene Preisgestaltung möglich sei und die Kontrolle über Geolokalisierung erfolge. Die Entscheidung ist zwar auf den Einzelfall beschränkt, reiht sich aber in eine wachsende Rechtsprechung zum Status von Plattformarbeitern ein.

Quelle: Brüsseler Arbeitsgericht, 13. Juni 2025; Claeys & Engels.

Geerbter Kontext (Juni 2024 – Februar 2026)

Die Region sah sich einer Doppelkrise gegenüber: hohe strukturelle Arbeitslosigkeit (15,4 %) und die angekündigte Bundesreform, die 42.000 Brüsseler mit Ausschluss bedroht. Der soziale Dialog stand still.

Vollständigen Kontext lesen

Was das konkret bedeutet

Die RPE legt eine Beschäftigungsquote von 70 % als Ziel bis zum Ende der Legislatur fest, mit verstärkter Aktivierung, verpflichtender Kompetenzbilanz und Förderung der Zweisprachigkeit. Der Kontext bleibt angespannt: 96.113 Arbeitssuchende im März 2026 (15,0 %) und 42.000 Ausschlüsse über 18 Monate erwartet.

Was BGM nicht sagt

Diese Karte beurteilt nicht, ob die Regierung das Beschäftigungsziel von 70 % erreichen kann. Sie dokumentiert die RPE-Verpflichtungen und den Kontext (96.113 Arbeitssuchende im März 2026, föderale Reform). Die Beschäftigungsdynamik hängt von mehreren Faktoren ab (Konjunktur, föderale Reform, Wirtschaftsstruktur).

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