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Brussels Governance Monitor

Geteilte Mobilität in Brüssel: E-Scooter, Fahrräder, Taxis und der Kampf um die Konzessionen

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Im März 2025 sind rund 9 200 geteilte E-Scooter und 6 500 Leihfahrräder in Brüssel unterwegs — in einem regulatorischen Rahmen, der von einem beispiellosen juristischen Tauziehen geprägt ist. Die Villo!-Konzession (360 Stationen, JCDecaux) läuft im September 2026 aus, ohne dass ein Nachfolger feststeht. Die Taxis stehen vor einer auf 2027 verschobenen Null-Emissions-Umstellung, während das Arbeitsgericht (Berufung) einen Uber-Fahrer als Arbeitnehmer eingestuft hat.

Geschätztes Budget

Nicht konsolidiert — Villo!-Konzession (öffentliche Kosten 1 000–4 000 EUR/Fahrrad/Jahr), Bruxell'Air-Prämie (~3 Mio. EUR/Jahr)

Kennzahlen

~9 200

Trottinettes partagées en circulation (mars 2025)

~6 500

Vélos partagés free-floating

360(concession expire sept. 2026)

Stations Villo! (JCDecaux)

541blessés

Accidents trottinettes — Bruxelles (2024)

+62 %

Hausse accidents trottinettes Q1 2025 (Belgique)

~3 250

Taxis bruxellois

2027(reportée, était 2025)

Deadline zéro émission taxis

1 132EUR

Prime Bruxell'Air (montant max)

Warnungen

  • Concession Villo! expire en septembre 2026 — aucun successeur identifié1. September 2026
  • Licences Bolt/Dott trottinettes expirent fin 2026 — nouvel appel d'offres requis31. Dezember 2026
  • +62 % d'accidents de trottinettes au Q1 2025 (national)1. Juni 2025
  • Requalification chauffeur Uber en salarié — Cour du travail de Bruxelles (13 juin 2025)13. Juni 2025

Beteiligte Akteure

Bruxelles MobilitéBruxelles EnvironnementSTIBJCDecaux (Villo!)BoltDottVias InstituteConseil d'ÉtatSPF Emploi

Bestandsaufnahme

Im März 2025 umfasst der Markt für geteilte Mobilität in Brüssel rund 15 700 Fahrzeuge im Free-Floating: ~9 200 E-Scooter und ~6 500 Fahrräder. Hinzu kommen die 360 Villo!-Stationen (JCDecaux) mit rund 5 000 stationsgebundenen Fahrrädern sowie geteilte Roller (Felyx, GO Sharing) und Lastenfahrräder (TIER, Pony).

Der Markt hat seit 2023 eine umfassende regulatorische Konsolidierung erfahren, die von einem beispiellosen juristischen Rechtsstreit zwischen privaten Betreibern, Regionalregierung und Staatsrat geprägt ist.


Geteilte E-Scooter und Mikromobilität

Regulatorischer Rahmen

Der Erlass der Brüsseler Regionalregierung vom 13. Juli 2023 regelt die geteilte Mobilität im Free-Floating:

MaßnahmeDetail
Lizenzen E-Scooter0 bis 3 pro Fahrzeugtyp
Obergrenze pro Lizenz4 000 Fahrräder, 6 000 E-Scooter, 500 Roller, 500 Lastenfahrräder
Geschwindigkeit20 km/h (allgemein), 8 km/h (Fußgängerzonen)
ParkenDrop Zones in der gesamten Region verpflichtend
Jährliche Gebühr35 EUR/Fahrrad, 50 EUR/E-Scooter, 60 EUR/Roller
Lizenzdauer3 Jahre

Rechtsstreit und juristische Saga

Die Auswahl von Bolt und Dott als einzige E-Scooter-Betreiber im Dezember 2023 löste einen über zwei Jahre andauernden Rechtsstreit aus:

  1. Dezember 2023 — Die Regierung wählt Bolt und Dott aus (insgesamt 8 000 E-Scooter)
  2. Januar 2024 — Lime und Voi erhalten im Eilverfahren eine einstweilige Verfügung zur Fortsetzung des Betriebs
  3. 25. April 2024 — Der Staatsrat setzt die Flottenobergrenzen aus und befindet die Begründung für unzureichend. Die Drop Zones werden hingegen bestätigt
  4. 2024 — Die Regierung korrigiert den Erlass (juristische Begründung, Auswahlkriterien, DSGVO-Konformität)
  5. 1. Juli 2025 — Der Staatsrat weist den Antrag von Lime ab: der Betreiber muss seinen Betrieb einstellen
  6. 8. Juli 2025 — Lime kehrt über eine Lizenzübertragung von Bodaz zurück (ruhender Betreiber, Lizenz gültig bis 5. Dezember 2025)
  7. 5. Dezember 2025 — Die Bodaz-Lizenz läuft aus. Der Status von Lime nach diesem Datum wird durch die verfügbaren Quellen nicht bestätigt

Im Februar 2026 halten Bolt und Dott die einzigen gültigen Lizenzen (bis 31. Dezember 2026). Das Hauptverfahren auf Nichtigerklärung vor dem Staatsrat ist noch anhängig.


Leihfahrräder und die Zeit nach Villo!

Villo! (JCDecaux) — Ende der Konzession

Die Vereinbarung zwischen der Region und JCDecaux, unterzeichnet im November 2008, läuft im September 2026 aus. Nach fast 17 Jahren zeigt das Villo!-System Ermüdungserscheinungen:

IndikatorWert
Stationen360 (davon 50 ohne Werbung)
Flotte~5 000 Fahrräder (4 000+ verfügbar)
Nutzung0,7 Ausleihen/Fahrrad/Tag (europäischer Durchschnitt: 3–7)
Diebstahl~15 %/Jahr (90 % wiedergefunden)
Geschätzte Kosten1 000–4 000 EUR/Fahrrad/Jahr
Werbetafeln307 x 2 m² + 35 x 8 m²

Bruxelles Mobilité hat im Januar 2023 eine Vergleichsstudie gestartet, um die Szenarien nach Konzessionsende zu bewerten: (1) Beibehaltung stationsgebundener Systeme, (2) ausschließlich Free-Floating, (3) Hybrid, (4) öffentlicher Betreiber über die STIB. Die Rückbauklausel verpflichtet JCDecaux, alle Stationen zu entfernen und den öffentlichen Raum innerhalb von 7 Monaten nach Konzessionsende wiederherzustellen.

Weder eine Ausschreibung noch eine Entscheidung wurden von der neuen Regierung bisher angekündigt.

Fahrräder im Free-Floating

Parallel dazu hat der Free-Floating-Fahrradmarkt stark zugelegt. Im März 2025 waren rund 6 500 Leihfahrräder in Brüssel im Umlauf (Lime, Bolt, Dott, Voi). Das Portal data.mobility.brussels verzeichnet 231 Datensätze, darunter Drop Zones und das Fahrradobservatorium.


Taxis und Mietwagen mit Fahrer (VTC)

Taxiverordnung von 2022

Die Verordnung vom 9. Juni 2022 hat den regulatorischen Rahmen für die entgeltliche Personenbeförderung in Brüssel vereinheitlicht. Die Ausführungserlasse (6. Oktober 2022) legen fest:

ParameterWert
Standplatztaxis (Minimum)1 425 (davon 150 PMR, 140 Elektro, 25 Wasserstoff)
Straßentaxis (Minimum)1 825 (davon 50 PMR, 50 Elektro, 25 Wasserstoff, 85 Luxus)
Grundgebühr2,60 EUR
Kilometertarif2,30 EUR/km
Wartezeit0,60 EUR/min
Mindestfahrpreis8,00 EUR
Lizenz7 Jahre, Numerus clausus

Null-Emissions-Umstellung

Die Frist für Null-Emissions-Taxis wurde vom Brüsseler Parlament auf Initiative von PS und MR von 2025 auf 2027 verschoben. Die Branche hatte eine Verschiebung auf 2030 gefordert. Laut Shifters Belgium bedeutet diese Verschiebung Mehrkosten von +67 000 Tonnen CO₂.

Neueinstufung der VTC-Fahrer

Die Frage des Sozialstatus der Plattform-Fahrer (Uber, Bolt) war Gegenstand dreier aufeinanderfolgender Gerichtsentscheidungen:

DatumInstanzEntscheidung
26. Oktober 2020Kommission für Arbeitsbeziehungen (CRT)Fahrer = Arbeitnehmer (7/9 Kriterien erfüllt)
21. Dezember 2022Arbeitsgericht BrüsselAufhebung: Fahrer = Selbstständiger
13. Juni 2025Arbeitsgericht (Berufung) BrüsselAufhebung in Berufung: Fahrer = Arbeitnehmer

Das Arbeitsgericht (Berufung) stützte sich unter anderem auf das Fehlen eines echten wirtschaftlichen Risikos, die Unmöglichkeit eigene Preise festzulegen, die automatische Abmeldung nach 3 Ablehnungen innerhalb von 15 Sekunden und die Kontrolle durch Geolokalisierung. Diese Entscheidung ist zwar für den Einzelfall rechtskräftig, hat aber noch nicht zu einer systematischen Neueinstufung der Plattform-Fahrer geführt.


Umweltzone (LEZ) und Bruxell'Air: die Verbindung zur geteilten Mobilität

Bruxell'Air — individuelles Mobilitätsbudget

Die Bruxell'Air-Prämie bietet Brüsseler Einwohnern, die auf ihr Fahrzeug verzichten, ein Mobilitätsbudget:

EinkommenBetrag
Hohes Einkommen566 EUR
Mittleres Einkommen766 EUR
Niedriges Einkommen / Behinderung1 132 EUR

Das Budget deckt das STIB-Abonnement, den Kauf eines Fahrrads (mind. 200 EUR), Carsharing (Cambio, Poppy), Victor-Cab-Taxis und die Modalizy-Karte ab. Im Jahr 2020 haben 886 Einwohner davon profitiert. Das Budget der Prämie wurde 2022 auf über 3 Millionen EUR vervierfacht (teilweise finanziert durch den EU-Aufbauplan).

Die Umweltzone (LEZ) als indirekter Hebel

Die Umweltzone (LEZ) fördert den Umstieg auf geteilte Mobilität. 2026 sind 7 % der Fahrzeugflotte ausgeschlossen (mindestens Diesel Euro 6, mindestens Benzin Euro 3); diese Fahrzeuge verursachen 40 % der NOx-Emissionen des Verkehrs. Die Konformitätsrate beträgt 99,3 %. Das Portal lez.brussels verweist auf die Alternativen: Cambio, Poppy, Villo, Bluebike, Collecto, Park & Ride.


Unfallstatistik

Das Vias-Institut verzeichnet einen starken Anstieg der Unfälle mit E-Scootern:

ZeitraumUnfälle (Belgien)Unfälle (Brüssel)
20221 748
20241 745–1 853541 Verletzte
Q1 2025470 (+62 % ggü. Q1 2024)127 (+44 % ggü. Q1 2024)

Brüssel konzentriert 45 % aller E-Scooter-Unfälle des Landes. Unter den schwer verletzten und hospitalisierten Opfern erleiden 60 % Schädel-Hirn-Traumata. 29 % der Unfälle ereignen sich an Kreuzungen und 30 % bei Dunkelheit. Die Vias-Umfrage zeigt, dass 44 % der Belgier nicht wissen, dass das Mindestalter 16 Jahre beträgt, und 35 % nicht wissen, dass die Mitnahme von Passagieren verboten ist.


Behandlung in der DPR

Die Regionale Politikerklärung (DPR) vom 13. Februar 2026 erwähnt die geteilte Mobilität nicht als eigenständige öffentliche Politik. Weder Villo!, noch E-Scooter, noch Mietwagen mit Fahrer (VTC), noch die multimodale Integration (MaaS/Floya) werden genannt.

Die indirekt damit verbundenen Maßnahmen sind:

  • Neuer Regionaler Mobilitätsplan als Nachfolger von Good Move (Schwerpunkt Schulzonen)
  • Beibehaltung der Umweltzone (LEZ) (Jahrespass 350 EUR, Bußgeld auf 80 EUR gesenkt)
  • Zweiter autofreier Sonntag pro Jahr
  • Rückbau der umstrittenen Poller

Das Fehlen einer Erwähnung wirft die Frage der regulatorischen Kontinuität auf: die Villo!-Konzession läuft in 7 Monaten aus, die E-Scooter-Lizenzen Ende 2026, und die Null-Emissions-Umstellung der Taxis muss noch begleitet werden.


Was die Daten nicht zeigen

Die verfügbaren Statistiken erlauben es nicht, die tatsächlichen Verkehrsanteile der geteilten Mobilität an den Brüsseler Wegen zu messen. Die Anzahl der Fahrten per geliefertem E-Scooter, Fahrrad oder Roller wird weder von den Betreibern veröffentlicht noch von Bruxelles Mobilité aggregiert.

Die sozialen Auswirkungen der Neueinstufung der VTC-Fahrer bleiben schwer zu quantifizieren: Wie viele Fahrer sind in Brüssel aktiv, unter welchen Bedingungen, und was wären die Kosten einer systematischen Einstufung als Arbeitnehmer für die Plattformen und das Sozialversicherungssystem.

Schließlich ist das Szenario nach Villo! nicht öffentlich dokumentiert: Weder die Kosten eines öffentlichen Betreibers noch die Ergebnisse der Vergleichsstudie von Bruxelles Mobilité (gestartet im Januar 2023) wurden veröffentlicht.

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Quellen

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