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Brussels Governance Monitor

Metro 3: Projekt 10 Jahre eingefroren, Ersatz durch Straßenbahn

FestgefahrenGemischtOffizielle Quelle
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Das Abkommen vom Februar 2026 setzt das Projekt Metro 3 wie geplant (Verlängerung Albert — Bordet, ~5,2 Mrd EUR) für 10 Jahre aus. Der Abschnitt Nord–Bordet wird eingefroren und durch eine Straßenbahn ersetzt, die die Schleife des bestehenden Netzes vervollständigt.

Geschätztes Budget

~5,2 Milliarden EUR (ausgesetztes Projekt)

Kennzahlen

~5,2Mrd EUR

Geschätztes Gesamtbudget (ursprüngliches Projekt)

10Jahre

Dauer der Einfrierung

4,76Mrd EUR

Gesamtkosten (Rechnungshof)

+477%

Budgetüberschreitung

Warnungen

  • DPR: Metro 3 für 10 Jahre eingefroren, Ersatz durch Straßenbahn13. Februar 2026
  • Kontroverse Südpalast: ARAU kritisiert 'städtebaulichen Unsinn'13. Februar 2026

Beteiligte Akteure

Société des Transports Intercommunaux de Bruxelles (STIB)Beliris (föderales Kooperationsabkommen)Region Brüssel-HauptstadtFöderalregierung

Regierungsabkommen: was sich ändert

Das Abkommen vom 12. Februar 2026 besiegelt die einschneidendste Entscheidung für den Brüsseler öffentlichen Nahverkehr seit Jahrzehnten:

  • Metro 3 für 10 Jahre eingefroren — das Projekt wie geplant (Verlängerung Albert — Bordet, ~5,2 Milliarden EUR) wird ausgesetzt
  • Ersatz durch eine Straßenbahn, die die Schleife des bestehenden Netzes vervollständigt
  • Die laufenden Baustellen (Constitution, Südpalast) werden fortgesetzt
  • Tram 15 (Nordbahnhof — Tour & Taxis) wird beibehalten

Diese Entscheidung lenkt Milliarden Euro an Investitionen von der unterirdischen Metro zur oberirdischen Straßenbahn um.

Kontroverse um den Südpalast

Die Fortsetzung der Tunnelarbeiten unter dem Südpalast (Zuidpaleis/Palais du Midi) hat eine heftige Kontroverse ausgelöst. Das Gebäude soll größtenteils abgerissen werden — nur die Fassaden bleiben erhalten — um den Bau des Straßenbahntunnels zu ermöglichen.

Der Verein ARAU (Atelier de Recherche et d'Action Urbaines) bezeichnete die Entscheidung als „städtebaulichen und politischen Unsinn" und argumentierte, der Tunnel „verdopple lediglich den bestehenden Straßenbahndienst".

Der Staatsrat hatte die Abrissgenehmigung im Dezember 2025 ausgesetzt. Ein Ingenieurbericht vom 10. Februar 2026 ergab, dass 90 % der Bodenflächen des Gebäudes nicht den aktuellen Tragfähigkeitsnormen entsprechen, was ein strukturelles Argument zum Dossier hinzufügt.

Geerbter Kontext

Das Projekt Metro 3 zielte darauf ab, die Nord-Süd-Metrolinie in Brüssel zu verlängern und die Station Albert (Forest) mit Bordet (Evere) über die Innenstadt zu verbinden. Es handelte sich um das größte Verkehrsinfrastrukturprojekt der Region Brüssel-Hauptstadt, kofinanziert von der Region und dem Bund über das Kooperationsabkommen Beliris.

Die Kosten des Projekts waren explodiert: die ursprünglichen Schätzungen lagen unter 1 Milliarde EUR, wurden dann auf 3,2 Milliarden revidiert, bevor der Rechnungshof die Gesamtkosten auf 4,76 Milliarden EUR bezifferte — eine Überschreitung von +477 %. Der Bericht, der auch eine Verzögerung von 15 Jahren aufzeigt und zum Schluss kommt, dass die finanzielle Tragfähigkeit « ernsthaft gefährdet » ist, hat die Verhandlungsführer direkt dazu veranlasst, das Projekt einzufrieren.

Was blockiert war (Juni 2024 — Februar 2026)

Ohne eine handlungsfähige Regionalregierung waren die wichtigsten Haushaltsentscheidungen eingefroren:

  • Neue mehrjährige Haushaltsmittel
  • Entscheidungen über Mehrkosten durch Inflation
  • Die Neuverhandlung der Bedingungen des Beliris-Abkommens

Die vorbereitenden Arbeiten gingen teilweise weiter, aber die Phasen, die neue finanzielle Verpflichtungen erforderten, waren blockiert.

Fortschritte am Südabschnitt (März 2026)

Am 11. März 2026 gab die STIB bekannt, dass der Rohbau der Premetrostation Toots Thielemans fertiggestellt ist. Der Rohbau unter der Avenue de Stalingrad ist abgeschlossen, aber die Fertigstellungsarbeiten (Fliesen, Wandverkleidungen, Rolltreppen, Zahlungsschranken) stehen noch aus.

Unmittelbare Folgen:

  • Die Neugestaltung der Avenue de Stalingrad kann im Herbst 2026 beginnen (Fußgängerpromenaden beidseitig, Genehmigung der Stadt Brüssel erteilt)
  • Die Station Toots Thielemans wird zusammen mit der Station Lemonnier die Verdoppelung der Gleise im Premetro-Tunnel zwischen Südbahnhof und Bourse ermöglichen und die Taktfrequenz erhöhen

Fehlendes Glied (Südpalast):

Die Tiefbauarbeiten für die verbleibenden 120 Meter Tunnel unter dem Südpalast werden noch vier Jahre dauern. Sie könnten 2027 beginnen, vorbehaltlich der Ablehnung des Denkmalschutzantrags und der Erteilung der Baugenehmigung für den Innenabbruch. Das Gebäude aus den 1970er-Jahren enthält Asbest und entspricht nicht den aktuellen Tragfähigkeitsnormen (Ingenieurbericht vom 10. Februar 2026: 90 % der Bodenflächen nicht normgerecht).

Quellen: VRT NWS, BRUZZ, La Libre (11. März 2026).

Parlamentarische Anhörung: Konsortium SM Toots (12. März 2026)

Am 12. März 2026 wurden die Ingenieure des Konsortiums SM Toots von der Sonderkommission Metro 3 des Brüsseler Parlaments angehört. Drei Verantwortliche sagten aus: Geert Versweyveld und Gaëtan Lamaille (Leitungsausschuss) sowie François-David Jonard (Projektleiter).

Wichtigste Erkenntnisse:

  • Der Südpalast hätte viel früher geräumt werden müssen, um gründliche Bodenuntersuchungen zu ermöglichen. Die Keller waren teilweise unzugänglich, was eine vollständige Beurteilung des Untergrunds verhinderte
  • Die Jet-Grouting-Technik (Wasser-Zement-Injektion zur Bildung wasserdichter Wände) erwies sich als ungeeignet: der Boden enthielt Steinablagerungen und unerwartete Heterogenität
  • Die Tonschicht lag an einigen Stellen deutlich tiefer als erwartet, was Pfähle von 24 Metern statt der ursprünglich berechneten Tiefe erforderte
  • Der Vertrag war vom Typ „Build Only" (nur Ausführung): das Konsortium musste vorgegebene Pläne umsetzen, ohne an der Planung beteiligt gewesen zu sein

Das Konsortium verteidigt seine Entscheidungen als „logisch" angesichts der verfügbaren Daten, räumt aber ein, dass die Bodeninformationen zu Beginn der Arbeiten unzureichend waren.

Quelle: BRUZZ (12. März 2026).

Parlamentarische Anhörung: Bürgermeister von Brüssel-Stadt (24. März 2026)

Am 24. März 2026 wurde der Bürgermeister von Brüssel-Stadt von der Untersuchungskommission Metro 3 des Brüsseler Parlaments angehört. Er reiht sich in die Liste der bereits gehörten politischen Verantwortlichen ein: ehemalige Ministerpräsidenten, ehemalige Bundesminister und ehemalige Bürgermeister.

Die Kommission setzt ihre Untersuchung der finanziellen Entgleisungen (+477 %, von unter 1 Milliarde auf 4,76 Milliarden EUR laut Rechnungshof), des inkonsistenten Entscheidungsprozesses, der undurchsichtigen Verwaltung und der unsicheren Tragfähigkeit des Projekts fort.

Bei der Anhörung kündigte der Bürgermeister auch eine teilweise Wiedereröffnung des Südpalastes (Zuidpaleis) für Basketballspiele ab Juni 2026 an, trotz der laufenden Tunnelarbeiten unter dem Gebäude.

Die Straßenbahnarbeiten auf der Avenue de Stalingrad werden für den vorläufigen Betrieb des Südabschnitts fortgesetzt. Das fehlende Glied (Südpalast) — 120 Meter verbleibender Tunnel, vier Jahre Tiefbau — könnte 2027 mit den Arbeiten beginnen, vorbehaltlich der Ablehnung des Denkmalschutzantrags.

Quellen: DH (23. März 2026), BX1 (24. März 2026).

Zu beobachtende Punkte

  • Umwidmung: Die Zukunft der bereits gebauten oder im Bau befindlichen Infrastruktur für Metro 3 (Tunnel, Stationen) muss definiert werden
  • Ersatzstraßenbahn: Streckenführung, Zeitplan und Budget der Ersatzstraßenbahn sind noch nicht bekannt
  • Beliris: Die Auswirkungen auf das föderale Kooperationsabkommen müssen zwischen der Region und der Bundesregierung verhandelt werden
  • Mobilität im Norden: Die nördlichen Brüsseler Gemeinden (Schaerbeek, Evere), die auf die Metro warteten, müssen anders angebunden werden
  • Haushalt: Die Einsparungen bei Metro 3 könnten für andere regionale Prioritäten umgewidmet werden

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